Fipronil-Skandal: Europäischer Eiertanz verunsichert Verbraucher


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Sicherste Methode der Verzicht

Ein gefundenes Fressen im wahrsten Sinn des Wortes für sämtliche Veganer, in dem Fall sich selbst glücklich zu schätzen, weil sie eben unter anderem keine Eier verzehren? Häme oder Schadenfreude hat beim jüngsten Fipronil-Skandal so gar nichts verloren, dieser europäische Eiertanz verunsichert Verbraucher, die ohnehin langsam nicht mehr wissen, was, wann, wo gefährlich sei, die eigene Gesundheit zu schaden. Ein Blick in jene Artikel-Liste verdeutlicht dies.

Somit die sicherste Methode dann doch der Verzicht? Keinesfalls abwegig, nur daß es keine hundert prozentige Sicherheit geben kann, was im übrigen auch für Obst und Gemüse gilt, welches gerade Veganer bevorzugen. Selbst in der Bio-Branche tummelt sich manchmal ein schwarzes Schaf, gleichwohl dort die Kontrollen in der Regel erheblich verschärft werden.

Fipronil – vom Flohmittel für Hund und Katz zum Pflanzenschutz

Dieser hoch giftig, umweltschädliche und gesundheitsgefährdende Wirkstoff, der 1993 auf den Markt gelang, Hunde- und Katzenfreunde werden ihn kennen, genauso den Hinweis, ihre Lieblinge nach Behandlung bloß nicht zu streicheln, wechselte zunächst zwei Chemiekonzerne als Betreiber, ehe schließlich jetzt die BASF die Rechte seit 2003 für sich beansprucht.

Was für Tiere gut sein soll, ebenso für den Pflanzenschutz? Damit hat die Chemielobby bekanntlich keinerlei Probleme, eventuelle Risiken in Kauf zu nehmen, denkt man an die Thematik des Genfood. Obwohl bereits in den USA 2004 die Verwendung von Fipronil zur Beizung von Reis-Saatgut eingestellt wurde, meinte die EU drei Jahre später einer Zulassung von Fipronil für Pflanzenschutzmittel (ausschließlich Saatgutbehandlung) zustimmen zu müssen, schließlich will man es sich ja mit den Chemiegiganten nicht verderben.

Sehr zum Leidwesen von Bienen, wie sich schnell herausstellte. Sieben Jahre sollte es noch dauern, bis schließlich seit März 2014 mit Fipronil behandeltes Saatgut nicht mehr in den Verkehr gebracht werden darf, allerdings gibt es dennoch Ausnahmen für Zwiebel- und Kohlpflanzen in Gewächshäusern. Und natürlich klagte die BASF gegen jene „unangemessene Anwendung des Vorsorgeprinzips“ der EU-Kommission. Na sicher doch, was interessieren Gesundheitsinteressen des Verbrauchers?!

Die Irreführung von Belastungsgrenzen – Verbraucher haben meist das Nachsehen

Wenn schon bekannt, welche gesundheitsgefährdende Risiken Mensch, Tier und Pflanze belasten, warum dann noch weiter solche Mittel nicht generell vom Markt nehmen? Sie wissen es bereits. Profitmaximierung hat immer den höchsten Stellenwert, danach richtet sich zunächst auch die Politik. Erst wenn die Widerstände ihr keine andere Wahl lassen, lenkt sie schon mal ein, wenn auch nicht in jedem Fall.

Inzwischen sind hierzulande 12 Bundesländer von Fipronil verseuchten Eiern betroffen. Man mag ja schön artig die sogenannten Belastungsgrenzen wie im Artikel erwähnt aufzählen, aber deren Irreführung verunsichert zurecht Verbraucher. Faktisch schließt sich der Kreis, die Überlegung, es ganz sein zu lassen mit dem Verzehr von Eiern, oder? Außer man kennt einen Bio-Bauern seines Vertrauens, wo man sie getrost kaufen kann.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Verbraucherschutz

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Eine Antwort zu Fipronil-Skandal: Europäischer Eiertanz verunsichert Verbraucher

  1. puzzleblume schreibt:

    Gut zusammengestellter Beitrag, manches davon war mir neu, erklärt aber die derzeitige Bienenlage. Und achje, der Honig, den die armen Überlebenden brav abliefern, der ist ja wohl den Eiern als unbeabsichtigte Folgebelastung vergleichbar.

    Gefällt 1 Person

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