Wenn Treue geteert und gefedert wird


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flickr.com/ axel_magard/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Folgt daraufhin Reue?

In alten Westernfilmen, so jedenfalls die Erinnerung der Textschreiberin, sah man hin und wieder Personen, die mit Teer und Federn geschmückt aus den Ortschaften vertrieben wurden. Oder war das bei Lucky Luke?

Damit der treue Leser es nicht bereut, ab dem nächsten Abschnitt weitergelesen zu haben, hier vorab die Information über das Teeren und Federn, denn eigentlich geht es hier im Text um Treue und Reue.

Das Teeren und Federn war bereits in der Antike bekannt, wurde also schon vor den Zeiten von Lucky Luke zur Bestrafung von Verbrechern angewandt. Nicht gänzlich geklärt ist allerdings, ob es sich bei dieser Strafmaßnahme um richterliche Beschlüsse sowohl als auch, oder um Selbstjustiz gehandelt haben mag. Der Teer bestand aus Holzteer, der auch kalt eine zähflüssige Masse ist. Bei der Auswahl der Federn dürfte es sich um Hühner- oder Gänsefedern gehandelt haben. Der Ausdruck „geteert und gefedert“ bedeutet, jemanden ein Brandmal verpaßt zu haben, das ihn überall als Verbrecher, Bösewicht kennzeichnet.

Die Treue zu einer Person wird heute noch bei Vermählungen geschworen, öffentlich für jeden hörbar. Es gibt wenige Treueschwüre, die noch öffentlich ausgesprochen werden, abgesehen zum Beispiel von Vereidigungen im militärischen, politischen Bereich. Was sich hinter versteckten Türen noch so an Treue geschworen wird, das sei jedem überlassen, sich diese Anzahl und Zeremonien vorzustellen.

Treue, mittelhochdeutsch triuwe, getriuwe, althochdeutsch gitriuwi, wohl zu dem Teer zugrunde liegenden indogermanischen Wort für »Baum« und eigentlich, stark, fest wie ein Baum. (soweit die Erklärung aus dem Duden) Umschreibung von Treue sind, Ergebenheit, Zuverlässigkeit, Hingabe, Loyalität.

Die Herkunft des Wortes Teer soll nicht vorenthalten werden, mittelniederdeutsch ter(e), eigentlich, der zum Baum Gehörende (auch aus dem Duden)

Auf die Frage, wann haben Sie zuletzt etwas bereut? Mehrere Antworten sind möglich. Hier wird es sicherlich von den Befragten eine längere Aufzählung geben, da die Reue nicht personenbezogen ist. Bereuen kann man alles Mögliche, den Film zu Ende gesehen zu haben, den Kauf der Hose, die im Laden einem so perfekt aussehen ließ, das zweite Stück Torte, der man nicht wiederstehen konnte.

Reue, mittelhochdeutsch riuwe, althochdeutsch (h)riuwa, ursprünglich, seelischer Schmerz, Herkunft ungeklärt. (laut Duden) Synonyme sind, Gewissensbisse, Bußfertigkeit, Schuldgefühl, Gewissensqual, Umkehr.

Nun, kann durch die beiden Herkunftswörter für Treue und Reue (triuwe und riuwe) nicht übersehen werden, daß hier eine Sprachverwandtschaft besteht, oder? Die beiden Wörter sind nur durch einen Buchstaben zu unterscheiden. Treue und Reue auch. Um es wieder einmal zu betonen, hier schreibt keine Sprachwissenschaftlerin, deshalb kann, wie oben bereits erwähnt, ab jetzt die Reue anfangen, weiter oder sogar zu Ende zu lesen.

Davon auszugehen, daß die Vorfahren Wörter, Begriffe gebildet haben, aus „Bildern“, die zu sehen waren, wie der Baum, der Teer, ist mehr als folgerichtig, oder? Deshalb ist natürlich verständlich, daß Baum auch als Begriff für stark und fest genommen werden kann. Sicherlich kann in erweiterter kognitiver Betrachtungsweise ebenso Treue aus dieser Stark und Fest- Verbindung versinnbildlicht herausgebildet worden sein.

Nicht ganz verständlich im Sinne der Feststellung, daß Treue auch bereut, also der Treueschwur gebrochen, zurückgenommen werden kann, ist allerdings dann die Erklärung durch die Sprachwissenschaft, daß die Wortherkunft nicht geklärt ist.

Der Begriff „Reugeld“ ist all denen bekannt, die von einem Vertrag zurücktreten, im dem vereinbart wurde, daß bei Rücktritt eine vorab vereinbarte Summe zu zahlen ist. Auch im Rennsport wird Reugeld fällig, wenn das angemeldete Pferd nicht teilnimmt.

Die Zurücknahme einer Treue ist demnach die Reue oder das Zurücknehmen der Treue.

Ob nun das Teeren und Federn die straffällig Gewordenen wirklich zu Reue angeregt hat, sei dahingestellt. Die Federn sollten den Gebrandmarkten allerdings als vogelfrei zu erkennen geben. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, möglicherweise wird die Reue, der Bruch der Treue nicht nur Gewissensbisse nach sich ziehen, sondern auch Reugeld abverlangen, in welcher Form, das können Sie bei manchen Mafia-Filmen sehen oder Ihrer Vorstellung freien Lauf lassen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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