Miesmacher unter uns – Störenfrieden keinen Raum geben


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Begeisterung und Spannungen

Es scheint keinerlei Streit in der Luft zu liegen, manche laufen sich freudig nach, fröhliches Lachen durchdringt den lichten Platz, überall offene Gesichter, die sich gegenseitig anlachten, während die herbstlichen Strahlen der Nachmittagssonne noch etwas Wärme spenden. Wer kennt nicht jene ausgelassene gute Laune, die dem Tag einen besonders schönen Eindruck vermittelt, mit welch einfachen Mitteln doch Menschen sich begeistern lassen, vorausgesetzt, sie harmonieren im Miteinander.

Immer eitel Sonnenschein ohne jegliche Spannungen? Nein, das entspricht meist nicht der Alltagsrealität, in der genug Probleme sich aufstauen, um ein Ventil des Abreagierens zu ersinnen. In fast jeder Gruppe taucht irgendwann mal ein Miesmacher auf, der die Stimmung versaut, was vorher friedlich verlief. Schnell kann dann aufkommender Mißmut dessen destruktive Folgen ausleben lassen, wenn niemand beherzt gegensteuert.

Enttäuschte Randfigur auf der Suche nach Vergeltung

Warum müssen manche Menschen eine ausgelassen lustige Gesellschaft durch ihr Zutun stören, sie verärgern und letztlich die Stimmung verderben? Hat das etwas mit Eigenbrötler-Dasein zu tun, der Mißgunst den anderen gegenüber, die in solchen Momenten sich glücklich fühlen, dies ausleben, während seine gekränkte Seele nach bewußter oder unbewußter Vergeltung sinnt? Durchaus kann ein solches Gefühl der enttäuschten Abseitsstellung den Anlaß für ein derartiges Verhalten geben.

Deshalb entsteht nicht zufällig oder spontan die Rolle der Randfigur des Spielverderbers, sondern dem ging meist eine Reihe von vielen Mißverständnissen voraus, ungeklärten zwischenmenschlichen Differenzen, die, aus welchen Gründen auch immer, sich aufstauten. Insofern bedarf es lediglich eines bestimmten Momentes, um sich befreiend entladen zu können. Selbst wenn der Eigenbrötler selbst sich dabei unwohl fühlt, beharrt er auf seinen Kurs des Miesepeters. Und wie reagieren in solchen Fällen die zuvor noch fröhlich Ausgelassenen?

Oft ergreift ein scheinbarer Anführer wortgewaltig die Initiative, um den Spielverderber in seine Schranken zu weisen. Selbst wenn dies behutsam und mit entsprechender Einsicht geschehen mag, die Stimmung findet im Anschluß zunächst ihr jähes Ende. Je nachdem, in welcher Rolle oder Beziehung der Störenfried zu einem oder mehreren der Gruppe steht, setzt sich eine Diskussion in Gang, die gute Laune wird zerstreut.

Grauzonen menschlicher Gratwanderung der Toleranz

Tagtäglich lenken uns Erfahrungen. Ein jeder entwickelt sich nach vorgegebener Bestimmung, was nicht mit Schicksal verwechselt werden sollte, weil wir dennoch es stets selbst in der Hand haben, unser Dasein zu beeinflussen. Klingt so schrecklich selbstverständlich und abgeklärt, nahezu wie eine Phrase? Mitnichten, und doch muß man eingestehen, daß das gesellschaftliche Leben ein sehr komplexes Gebilde beinhaltet, welches niemand in Gänze durchschaut.

Obendrein hat sich jeder zurechtzufinden, egal in welchem Umfeld man sich bewegt. Das setzt aber eigentlich klare Grenzen voraus, selbst wenn sie unbedarft überschritten werden. Grauzonen menschlicher Gratwanderung der Toleranz schaffen Reibungsflächen, die im Idealfall Lösungen anstreben sollten, obwohl daraus meist Streitereien folgen, die im Extremfall unnötig heftig eskalieren. Hat jede Entwicklung trotzdem ihre Berechtigung, und wo überschreitet sie das Maß?

Stets dann, wenn die Mehrheit einer Gruppe sich in ihrem Gefüge gestört fühlt, sei es durch Spielverderber oder Eigenbrötler, entsteht Disharmonie. Entweder der Störenfried fügt sich oder aber wird zurechtgewiesen. Die Mehrheit bestimmt die Regeln, was nicht unbedingt mit autoritärem Machtgehabe verwechselt werden sollte, sondern dem Wohlbefinden der Gruppe dient.

Was bedeuten Ausnahmeerscheinungen, die sich outen, gar nicht unbedingt unzufrieden sein müssen, um dennoch spielverderbend aus der Reihe zu tanzen? Hilfeschreie nach einem Übermaß Anerkennung, welches sie auf diese Weise sich genehmigen? Der möglichen Begründungen mag es viele geben, während eine homogene Gruppe sich eben ungern auseinander dividieren läßt, solche Störfaktoren möglichst gestoppt werden.

Nebenan geht es hoch her beim lautstarken Spielen von Musical Chairs, wie die „Reise nach Jerusalem“ auch genannt wird, aber jeder, der keinen Stuhl findet, schmollt eben anschließend nicht automatisch, sondern lehnt sich schmunzelnd ans Fenster und schaut gelassen zu, wie die anderen sich wachsam bemühen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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