Die Überwachung durch das Kapital als Chance betrachten


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Ansatz einer Utopie?

Vorab möchte ich erwähnen, das ich Gegner der unnötigen Überwachung der einzelnen Privatperson bin, möchte allerdings das Worst-Case-Szenario der Überwachung mit einem reellen, positiven Gedankengang untermalen. Dieser Text soll den Ansatz einer Utopie/ Ideologie liefern.

Aus dem System der kompletten Überwachung, der Spionage, der Verglasung des Individuums lässt sich faktisch deutlich mehr Negatives ersehen als Positives. Es wird dem Endverbraucher ein scheinheiliger praktischer Nutzen, beispielsweise des bargeldlosen Bezahlens, vorgegaukelt, um ihn ruhig zu halten und zufrieden zu stellen.

Der Bezahlvorgang soll somit vermeintlich vereinfacht werden, jedoch kriegen Banken letztendlich einen weiten Einblick in das Privatleben des Bürgers, wie ihn sonst vorher keiner hatte. Überwachung des privaten Bereiches, 24 Stunden am Tag von Montag bis Sonntag, wollen wir das?

Das bargeldose Bezahlen kann eine reale Bedrohung darstellen, wie Berichte aus einzelnen Dörfern zeigen, wo Kleinstunternehmen brachiale Gewinneinbußen verarbeiten und korrigieren mussten, um vorläufig den Betrieb zu halten und noch keine Insolvenz anmelden zu müssen, wie der Bericht „Wenn die einzige Bank samt Geldautomat aus dem Dorf verschwindet“ zeigte.

Beispielhafte Probleme, die auf jeden einzelnen zukommen, sind Einsicht in:

  • Essgewohnheiten
  • Trinkverhalten
  • Abendgestaltung
  • Freizeitgestaltung
  • Liebesleben
  • Pflege der sozialen Kontakte
  • Soziales Umfeld im Allgemeinen
  • Gesundheit
  • Psyche (u.a. auch am Konsumverhalten des Einzelnen ersichtlich)

Kurz zusammengefasst, ist die Wahrung der persönlichen, privaten Geheimnisse und Vorlieben nicht mehr gegeben, und wir sind nicht mal im privaten Bereich undurchsichtig. Selbst wenn einzelne Mitarbeiter der Banken keinen Einblick in den Privatbereich des Kunden haben werden, wovon ich ausgehe, da die Privatperson geschützt werden muss, hat die Bankleitung genug Einblick und begehrenswertes Material für Versicherungen etc. Der einzelne Kunde ist dann nur noch Kapitalobjekt, Spekulationsobjekt für Versicherung, Bank, Krankenkasse und schutzlos ausgeliefert.

Wie man bisher unklar vernehmen kann, überwiegt das Negative deutlich. Trotzdem lässt sich als Resultat dieser grauen Zeit ein utopischer Ansatz einer solidarischen Gesellschaft generieren, welcher nach einiger Zeit automatisch in Gang gesetzt wird aus Eigenschutz und als Kettenreaktion weiterverläuft.

Die Rede ist von einer parallel funktionierenden Gesellschaft, welche sozial und solidarisch wirtschaftet in einem anarchistischen, autonomen System. Eine erbrachte Hilfeleistung könnte eine hochwertigere Gegenleistung als Geld produzieren, sie könnte ein Stückweit Privatleben wiedergeben.

In dem Falle ist dies keine Versklavung des Arbeitnehmers, sondern ein rekonstruiertes Arbeitsverhältnis, in dem beide Parteien voneinander profitieren. Der Arbeitnehmer erbringt eine gewisse Leistung, dafür bekommt er anstatt Geld einen Sachwert vom Arbeitgeber, welcher ihn nicht gläsern werden lässt.

Als Beispiel zur genaueren Erläuterung des Ablaufes dient eine Kneipe:

Die Trinkgewohnheiten einer Privatperson sind Teil seiner Selbstbestimmung und zunächst ein schützenswertes Gut, solange kein Risiko vorliegt und ein Arzt zurate gezogen wird. Dieses möchte er so gut wie möglich schützen, kann dies aber nicht, da er nur noch mit seiner Geldkarte zahlen kann.

Nun kann er mit dem Wirt/Kneipier aushandeln, dass er als „Freund“ geldlos bei ihm aushilft und sich seine Getränke mit seiner Arbeitsleistung verdient. Sprich, er steigert die Wirtschaftsleistung des Unternehmens, wird evtl. nicht wertgleich zum Geld entlohnt (Stundenlohn 10 Euro pro gearbeitete Stunde kriegt er nicht die 10 Euro in Bier ausgezahlt, sondern nur 2 Bier), hat aber ein Stückweit Privatsphäre gewonnen.

Wenn das Angebot nicht passt, wechselt der Privatmann die Wirtschaft und fragt bei einer anderen an, bis ihm dieser ein passendes Angebot macht, ähnlich dem Urlaubsausgleich beim Überstundensystem in Großbetrieben. Dieses System funktioniert, ohne dass der Staat, bzw. Banken, Versicherungen etc. darauf einwirken können und beschreibt einen massiven Kontrollverlust.

Letztendlich könnte dieses anarchistische System ein Weg aus dem Kapitalismus sein, hinein in eine sozialistische Gesellschaft, in der jeder Mensch als gleichwertiger Geschäftsmann und Arbeiter angesehen wird. Man sollte eine Überwachung als Gegner, diese nicht zwangsläufig als ausweglose Niederlage, sondern als Chance wahrnehmen, immerhin kann man das Monopol des Kapitals massiv schädigen.

Nils Rudolph

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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