Lufthansa: Stellenabbau zu Lasten der Sicherheit und Qualität


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Wenn der Konzern Mitarbeiter einfach entläßt

Spätestens im Spätherbst sammeln sie sich alljährlich, die Kraniche, um gen Süden in ihre Winterquartiere zu fliegen. Die wesentlich größeren Stahlvögel der Lufthansa-Flotte sind ganzjährig weltweit unterwegs. Seitdem Otl Aicher 1962 der Deutschen Lufthansa AG das unverwechselbare Firmenlogo, den aufsteigenden Kranich, verpaßt hatte, blieb es dabei, ein Symbol für Qualität und Sicherheit.

Doch das vor 91 Jahren gegründete Unternehmen, längst zu einem der größten Fluggesellschaften aufgestiegen, derzeit nach beförderten Passagieren weltweit auf dem 6. Platz, entläßt einfach Mitarbeiter, weil noch wesentlich mehr Einsparpotential vorhanden sei, so der Vorstandsvorsitzende, Carsten Spohr, trotz satter Gewinne den Sparkurs fortsetzen will. Ein Stellenabbau dabei zu Lasten der Sicherheit und Qualität?

Detlef Schwarzers Dokumentarfilm legt den Finger in die Wunde

Inzwischen hat der irische Konzern Ryanair die Deutsche Lufthansa AG überflügelt, im letzten Jahr befördete er 117 Millionen Passagiere, 7 Millionen mehr. Dabei erlangte Ryanair 1,7 Milliarden Euro Gewinn bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro, während Lufthansa bei einem Umsatz von satten 32 Milliarden Euro lediglich einen Gewinn von 1,75 Milliarden Euro verbuchen konnte. Immerhin sein höchster jemals erzielter. Das reicht der Konzernspitze keineswegs.

Die Vorstandsspitze scheint die polemische Werbung gegen den deutschen Konzern, den Ryanair mit Slogans wie „Auf Wiedersehen Späthansa“ oder „Bye Bye Latehansa“ nicht länger hinnehmen zu wollen. Doch statt mit nötigem Augenmerk zu handeln, schädigt die Deutsche Lufthansa AG ihre Marke eher selbst mit fragwürdigen Einsparungen, vor allem Lohnkürzungsszenarien, wie der Luffahrtexperte Gerald Wissel in Detlef Schwarzers Dokumentarfilm als hochgradig gefährlich anmahnt.

Hart betroffen sind gleichwohl Töchter des Konzerns, die am Boden beschäftigt sind. Das Tochterunternehmen, die LSG Lufthansa Service Holding AG, weltweit zweitgrößter Bordverpfleger, möchte laut Gewerkschaft ein Drittel seiner Stellen streichen, also rund 1.700 Arbeitsplätze. Gerald Wissel betont im Dokumentarfilm, der Betriebsfrieden sei gefährdet, es schade dem gesamten Unternehmen Lufthansa letztlich, sie sollte das Wir-Gefühl herstellen, zurückfinden zur Qualität.

Billiglöhne in Bulgarien – Qualitätskontrolleure verlassen den Betrieb in Sofia

Wer die Fluzeugüberholung schließen läßt, um im Ausland in Bulgarien, Manila auf den Philippinen oder auf Malta auszuweichen, darf sich hinterher nicht wundern, daß erhebliche Mängel auftreten, die Flüge am Ende gefährden würden. Sicherheitsstandards verhindern dies wenigstens, was zur Folge hat, daß die deutschen Technikexperten die Fehler glattbügeln müssen, obendrein Qualitätskontrolleure den Betrieb in Sofia gar verlassen, weil sie solche Zustände nicht weiter dulden können.

Erinnern wir uns an die über vier Jahre lang anhaltenden Streikwellen zwischen der Pilotengewerkschaft Cockpit und der Lufthansa, die schließlich doch noch zur Einigung führten. Gut für die Piloten und die Passagiere. Man kann nur hoffen, daß Carsten Spohr noch rechtzeitig bemerkt, welch gefährliche Gratwanderung die Lufthansa mit ihrem anhaltenden Demotivationskurs vollführt, wenn sie solch wichtige Schaltstellen wie die Technik und das Bodenpersonal verprellt.

Wer sich mit Billigflugkonzernen wie Ryanair ernsthaft messen will, läßt am Ende zu viele Federn, das kann niemals im Sinne eines Kranichs sein, schon gleich gar nicht verbunden mit Verlust von Qualität und Sicherheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Eine Antwort zu Lufthansa: Stellenabbau zu Lasten der Sicherheit und Qualität

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Inzwischen denken Konzernchefs genauso kurzfristig wie Politiker, denn Einsparungen machen ja nicht nur Aktionäre glücklich, sondern sorgen für die fetten Boni der Vorstandsetage. Müßig zu erwähnen, dass dieser Stellenabbau stattfindet, obwohl der Staat selber der größte Aktionär ist. Wasser predigen und Wein saufen, wie gehabt.

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