Vom Streit zum Krieg


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flickr.com/ Dallas 1200am/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Trotz etlicher Beispiele hält Mensch daran fest?

Es begegnen sich zwei Gruppen von Schimpansen und signalisieren gegenseitig lautstark durch Geschrei ihre Wut. Eine verbale, eindeutige Ablehnung. Ein Affe entdeckt beim Zugreifen eines Knochens, diesen als Waffe gebrauchen zu können: Die Tierwelt hat eine neue Spezies erhalten, auf bestem Wege zum Homo sapiens, die als erste und einzige Krieg ausübt.

Die meisten von Ihnen werden in dieser kurzen Beschreibung sicherlich die Szene aus Stanley Kubricks Film „2001: A Space Odyssey“ (2001- Odyssee im Weltraum) erkannt haben, dessen Romanvorlage Arthur C. Clarke mit dem Originaltitel The Sentinel diente.

Was veranlaßt Menschen dazu, sich auf so grausame, vielfältige Weise gegenseitig zu töten? Reduziert sich dies tatsächlich nur auf Neid, Haß und eine undefinierbare Macht?

Weit über vier Milliarden Jahre war Mutter Erde ohne diese häßliche Begleiterscheinung ausgekommen, weil in der gesamten Tierwelt es keine kriegerischen Auseinandersetzungen je gegeben hat und dies bis heute auch so sich verhält. Nur der Mensch mit seinem Anspruch, das höchste Wesen auf Erden zu sein, stellt sein Unvermögen der eigenen Spezies gegenüber seit seiner Entstehung vor einigen Millionen Jahren ständig und sehr erfinderisch unter Beweis.

In dem Filmklassiker Die Götter müssen verrückt sein (Drehbuch und Regie: Jaymie Uys) findet der Buschmann Xixo in der Wüste Kalahari eine achtlos aus einem Flugzeug geworfene Coca-Cola-Flasche. Das „böse Ding“ stiftet in dem bis dahin glücklich zusammenlebenden Eingeborenenstamm Unfrieden, weil dieses neue „Werkzeug“ jetzt urplötzlich eine Einmaligkeit erhält, die es sonst vorher eben nicht gab. Somit ist es die Aufgabe von Xixo, es wieder in diese unbekannte Zivilisation zurückzubringen.

Dieser Film hat eine ganz entscheidende Kernaussage, nämlich die, daß es nur Unfrieden bedeutet, wenn wir Menschen dem Habitus verfallen, uns bekriegen. So schließt sich auch der Kreis dieser Metapher gleichzeitig mit den berechtigten philosophischen Erkenntnissen eines Erich Fromm, der genau dies in seinem Werk Haben oder Sein ausführlichst geschildert hat, daß eben die Menschheit am Scheideweg steht, sich endgültig zu entschließen hat: entweder die völlige Zerstörung allen Lebens zugunsten des Habens oder aber das Sein endlich konsequent gerecht zu pflegen. Dabei kann Krieg kein Weg mehr sein, sondern eine Ächtung nur noch daraus folgern.

Selbstverständlich kann eine Welt ohne Krieg nicht einfach so sich erträumt, sie nicht ohne weiteres in die Tat umgesetzt werden, eben weil dieses „Muster“ schon viel zu lang als gegebene Handlungsfolgerung angewandt wird, zumal Mensch meint, es gäbe keine anderen Möglichkeiten. Haß und Zerstörung sind stets einfachere Wege, wie uns die Geschichte gelehrt haben sollte. Frieden und Aufbau dagegen bedürfen einer sehr behutsamen Pflege, einer Rücksichtsnahme, der Nächstenliebe, die dabei völlig frei ist von religiösen Ansprüchen.

Kriege haben bereits im täglichen Zusammenleben ihren Anfang, sie werden somit im Kleinen in Familien ausgetragen oder halt auch nicht. Je gerechter die Verteilung im Volke, je mehr soziale Zusammengehörigkeit gepflegt wird, um so weniger Unfrieden herrscht in einer solchen Gesellschaft. Statt genau dies wesentlich konsequenter anzuwenden, ziehen es insbesondere unsere Eliten vor, ihre Macht weiter auszubauen. Die Folgen sind Armut, Sozialabbau, Unfrieden bis hin zu Gewaltzunahme. Dabei werden natürlich erst recht Waffengeschäfte gehegt und gepflegt, die Verdienstspannen mit den billigend in Kauf genommenen Folgen, Kriege und somit Massensterben, müssen einem moralisch-ethischen Gewissen weichen, es zählt nur der Maximalgewinn, das Leben im luxuriösen Überreichtum.

Müssen all diese Folgen von Kriegen weiterhin tatsächlich hingenommen werden, schweigend, ängstlich, ohnmächtig, weil es sowieso keine Wege gibt aus dieser Bürde? Sind die Menschen, die uns gewaltfrei vorgemacht haben, wie unser Weg sein könnte, wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Jesus von Nazareth nicht Beweis genug, daß es sich lohnt, sich einzusetzen für den Weltfrieden?

Man muß endlich das Bewußtsein in unseren Köpfen verankern, daß Kriege keinen Sinn machen, es keine Sieger gibt, sondern nur Verlierer, und wir vor allem damit beginnen, dies zu leben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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2 Antworten zu Vom Streit zum Krieg

  1. Reactionär schreibt:

    Mit Verlaub, im Tierreich gibt es sehr wohl Kriege. Sogar globale, wie sonst kommen die Superkolonien der Ameisen rund ums Mittelmeer zustande? Jede territorial und sozial organsierte Spezies führt Krieg, entweder um sein Territorium zu erweitern oder es zu verteidigen, um die Lebensgrundlage ihres Stammes zu verbessern oder zu erhalten. Das sind Strategien die sich im Kampf ums Dasein herausbildeten.

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    • hraban57 schreibt:

      Kann es sein, daß Sie da etwas verwechseln? Sicher doch verteidigt der eine Tierstamm sich vor einem anderen, steckt sein Territorium ab. Aber niemals in der Form wie Mensch dies ausübt, mit all jener Brutalität der eigenen Spezies gegenüber, mit all dieser Zerstörungsgewalt! Mir scheint, Sie suchen förmlich die Stecknadel im Heuhaufen möglicher Argumente. Ich bleibe dabei, Mensch ist das grausamste Wesen auf Erden. Punkt.

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