Türkei: Ende des „Marsches für Gerechtigkeit“ mit klarer Botschaft


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flickr.com/ Kader Sevinç/ (CC BY-SA 2.0)

Kemal Kılıçdaroğlu will die Wahl in zwei Jahren gewinnen

Wenn zwischen 1,6 und zwei Millionen Menschen in Istanbul sich mit Kemal Kılıçdaroğlu, dem Vorsitzenden der CHP, bei dessen Schlußkundgebung nach dem langen „Marsch der Gerechtigkeit“ solidarisieren, dann kann dies nicht spurlos an Recep Erdoğan vorbeigehen.

Es sei nicht das Ende des Marsches, sondern der Anfang der Freiheit, hatte gestern Kemal Kılıçdaroğlu betont, der am 15. Juni den „Marsch für Gerechtigkeit“ in Ankara begann, weil sein Parteikollege Kadri Enis Berberoğlu, stellvertretender Leiter für Medienbeziehungen und Kommunikation, zuvor zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, weil dieser zwei Jahre zuvor entlarvende Bilder präsentiert hatte, die Waffenlieferungen an syrische Rebellen aufzeigten, so daß dadurch die türkische Regierung in Verdacht geriet, sich aktiv am syrischen Krieg zu beteiligen.

Für Erdoğan der Protestmarsch eine Billigung der Gnade

Ein Kalkül, um sein Gesicht zu bewahren, obwohl doch ein selbstverständliches Grundrecht in Demokratien? Dieser despotische Präsident scheint sich seiner Sache ziemlich sicher, zumal seine bisherigen Handlungen dies erst recht unterstreichen, denken wir an die Verhaftung von Taner Kiliç, dem türkischen Chef von Amnesty International.

Zwar hatte sich Kemal Kılıçdaroğlu mitsamt seiner sozialdemokratischen Partei der CHP (Cumhuriyet Halk Partisi), der Republikanischen Volkspartei, die 1923 der türkische Präsident, Mustafa Kemal Atatürk gegründet hatte, direkt nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 noch hinter Recep Erdoğan gestellt, jedoch wenig später seit dem Anschlagversuch auf eine Fahrzeugkolonne, worin sich Kemal Kılıçdaroğlu am 25. August befunden hatte, ein begleitender Soldat ums Leben kam, änderte sich die Haltung des CHP-Chefs.

Im Interview mahnt er zurecht den Weg des Präsidenten an, obwohl dieser schon lange vorhersehbar war, er nicht hätte zögern dürfen Eine echte parlamentarische Arbeit wird seitens Erdoğans vereitelt, Kılıçdaroğlu bleibt nichts anderes übrig, als auf der Straße mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, hofft darauf, die Wahl in zwei Jahren gewinnen zu können.

Chancen für diese noch lebendige Opposition?

Das kann niemand tatsächlich behaupten, alldieweil jener „türkische Pascha“ garantiert nicht die Macht aus seinen Händen geben wird, schon gleich gar nicht freiwillig und somit sämtliche Register zieht, um dies zu verhindern. Der Rosenpicker aus der Türkei hatte ohnehin mal wieder verdeutlicht, was er von internationaler Verantwortung hält. Einerseits sich im Bade der G20 sonnen, andererseits genauso wie Donald Trump das Pariser Klimaabkommen negieren, schließlich müßte dann die Türkei zahlen, möchte sich lieber als Schwellenland wegducken.

Deutschland, Europa und der Welt täte ein türkischer Machtwechsel reell sehr gut, mit einem Kemal Kılıçdaroğlu bestünde wieder Hoffnung. Dennoch hat Recep Tayyip Erdoğan bisherig ganze Arbeit geleistet, seine Anhängerschar, auch in Deutschland selbst, scheint ihm weiterhin treu ergeben. Wer weiß schon, was in zwei Jahren sein wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Eine Antwort zu Türkei: Ende des „Marsches für Gerechtigkeit“ mit klarer Botschaft

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Opposition wird es erst geben, wenn der Irre weg ist, bis dahin landen solche Menschen im Gefängnis, leider!

    Gefällt 2 Personen

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