G20-Gipfel: 1000 Gestalten in Hamburg unterwegs


© Christian Angl

Sie entern lehmgrauverschmiert die Stadt

Weder sind irgendwelche Zombies aus einem Science-Fiction-Film entfleucht, noch konnten sich die „1.000 Gestalten“ gerade rechtzeitig vor einem Vulkanascheregen retten, um die erstaunten Hamburger und deren Gäste während der Zeit vor dem G20-Gipfel anzumahnen, sondern der gemeinnützige Kulturverein „NEU am See“ rief die Aktion „1000 Gestalten entern die Stadt“ ins Leben.

Wie im Text unzweifelhaft nachgelesen werden kann, bewegen sich jene mit Lehm überzogenen Gestalten unangreifbar, ausdruckslos voran, dabei klackende Geräusche von sich gebend, die per gewölbten Blech in einer Hand ausgelöst werden. Assoziationen von aneinanderschlagenden Knochen mögen durchaus so gewollt sein.

© Christian Angl

Höhepunkt einer eindrucksvollen Kunstperformance

Das Finale findet in Hamburg Mitte auf dem Burchardplatz statt, wo normalerweise einmal wöchentlich der Wochenmarkt seine Waren feil bietet, die 1.000 Gestalten schreiten durchs Chilehaus, klackend, schweigend, der Platz ist bereits voller Erwartung gefüllt mit vielen Zuschauern, einer Schar Pressevertreter.

Zum Höhepunkt, dem Finale, bewegt sich die Masse mitten auf den Platz. Vereinzelte Schreie durchdringen das bisherige Schweigen, erste Personen lassen die lehmverschmierte Kleidung fallen, umarmen sich gegenseitig, der Beginn der Transformation, wie das Kollektiv die Performance auch beschrieben hat, die Menschlichkeit kehrt zurück, der individuelle Ausdruck.

© Christian Angl

Der wichtige Hinweis lautet: Keine Veränderung, die von oben geleitet stattfinden darf, sondern jeder Einzelne hat es selbst in der Hand. Solidarität, Toleranz und ein konstruktiver Diskurs kann nur die richtige Lösung sein. Welch tolle und wichtige Aktion und Botschaft, die gerade diesen G20-Gipfel damit kreativ ermahnen möchte.

Ein friedlicher Protest ohne Polizei und Randale

Genau das wollten wohl die Initiatoren dieser Kunstaktion vermitteln. Schlimm genug, daß dieser G20-Gipfel begleitet wird von einer eindimensionalen Richtung, Donald Trump gegen den Rest der Teilnehmer, vergessen wir nicht, daß dieser US-Präsident die größte jemals in der Menschheitsgeschichte getroffene Vereinbarung, das Pariser Klimaabkommen, ablehnt und die USA damit letztlich isoliert.

Dramatisch genug, wenn schon in zwei Tagen der Ausnahmezustand die Hansestadt belastet, friedliche Proteste bereits im Vorfeld seitens der Polizei höchst fragwürdig gewalttätig behandelt wurden, denkt man an das per Verwaltungsgericht genehmigte Protest-Camp im Elbpark Entenwerder, welches die Staatsmacht widerrechtlich stürmte und somit den weiteren Aufbau sowie eine Übernachtung dort verhinderte.

Jedoch entschied nunmehr das Oberverwaltungsgericht, daß 300 Zelte sowie ein Küche und Duschen aufgebaut werden dürfen zwecks Übernachtung in Entenwerder. Last but not least setzten sich die Demonstrantenn durch, wie es weiter geht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

 

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2 Antworten zu G20-Gipfel: 1000 Gestalten in Hamburg unterwegs

  1. sunnymoeller schreibt:

    Ich bin wirklich schwer beeindruckt von meiner Stadt! Bin gerade in der Toskana und konnte es nicht live erleben…

    Gefällt 3 Personen

  2. Ruhrköpfe schreibt:

    ganz große Kunst, eine tolle Performance

    Gefällt 2 Personen

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