Abzüglich der Anzüglichkeiten


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Bitte um Korrektur des Textes, damit er abzüglich der Anzüglichkeiten klar verständlich von jedem Leser verstanden werden kann:

Der Richter stand, vornübergebeugt, mit heruntergelassener Hose seitlich des Richterpultes vor dem Fenster und fingerte oberhalb seiner Schenkel mit geschäftigen flinken Bewegungen, die durch den halb hochgeschlagenen Talar zu erkennen waren, an sich herum. So jedenfalls beschrieben es die ersten Zeugen, die den Gerichtssaal betraten, um an der Gerichtsverhandlung als Zuhörer teilzunehmen. Da auch Kinder anwesend waren, denen allerdings sofort mit Händen die Augen geschützt wurden vor diesem Anblick, aber niemand konnte später sagen, wie schnell die Reaktionen waren, es könnte nicht mit Sicherheit gesagt werden, was die Kinder schon gesehen hätten, als sie in dem Tumult, der durch den Schrei einer Frau ausgelöst worden war, hinausgeführt wurden, war dieses Geschehen sogar in den Abendnachrichten gemeldet worden.

Obwohl es sofort, nachdem Sicherheitskräfte, die gerufen worden waren, um die aufgeregte Menge zu beruhigen, eine einfache Erklärung gab, die eindeutig keine anrüchige Handlungsweise des Richters darstellte, kam es dennoch zu einer Anklage, die angeheizt von dem örtlichen Verein zur kulturellen Aufklärung der Lebensweise des Menschen, wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die seit Anbeginn der Menschheit erwiesenen Wertevorstellungen aufzuzeigen, so daß sämtliche Journalisten in der kleinen Stadt die Hotelzimmer schon Tage vorher belegten. Und nicht nur die Hotels waren ausgebucht, es gab keinen freien Raum in der ganzen Stadt, der nicht vermietet worden wäre. Sogar Garagen, Schuppen, Baumhäuser dienten der Unterbringung für Nachrichtensprecher und ihr Gefolge, für Reporter, für Personen, die sich als Zeitungsschreiber ausgaben, für Photographen, Autoren, es hatte den Anschein, die Hälfte der Bevölkerung des Landes würde einem Beruf zur Wahrung der Meinungsfreiheit nachgehen.

An den unterschiedlichsten Orten gingen, liefen, rannten, schlenderten, eilten, spazierten mit Rucksäcken, Taschen ausgestattete Männer und Frauen durch die Straßen und befragten die Anwohner, lichteten Personen, Plätze, Tiere, egal ob Haustier oder die Enten im Park ab. Dabei kam es immer wieder zu tumultartigen Zusammenkünften, wenn ein auskunftswilliger Bewohner den freundlich, neugierig blickenden Umstehenden, die als verwerflich dargestellte Handlung des Richters in aller Ausführlichkeit vorführten. Manche bezeichneten sich als Künstler, manche als die Tat direkt Miterlebten, manche als bestens informierte Eingeweihte durch den Richter selbst oder seinen Angehörigen, entfernten Verwandten, die natürlich aus erster Quelle genauestens den richtigen Tathergang theatralisch zeigen konnten. So konnten Durchreisende, vor allen Dingen jene, denen bis jetzt die Sachlage fremd war, in den Straßen Personen sehen, die entweder mit Umhang oder ohne, in einer gebeugten Haltung, die Knie leicht durchgedrückt, in Körperhöhe des beginnenden Unterleibes fuchtelnde Bewegungen machten, erblicken. Dies führte zu vermehrten Auffahrunfällen, sodaß sich die Stadtverwaltung zu den zusätzlich um Hilfe gerufenen Polizisten aus anderen Verwaltungsbezirken, nunmehr auch Freiwillige extra angefordert worden waren, um die allgemeine Ordnung aufrecht zu erhalten.

Einige Tage vor dem Prozeß gab es zusätzlich zu den laufenden Fernsehprogrammen, die der Unterhaltung dienten, Sendungen, in denen Menschen in Wettbewerbsmanier und angefeuert durch das Publikum im Studio und in den heimischen Fernsehsesseln, sich darum bemühten, entweder mit der größten Geschwindigkeit oder mit der besten Lösung wetteiferten, um sich ein kleines Preisgeld zu verdienen, indem sie des Richters Haltung nachahmten. Manche ließen sich sogar die Augen verbinden und galten deshalb als ziemlich verwegene Typen, denen ein Zeitungsartikel über ihre Person mit Photo und ein groß aufgemachter Bericht über ihre Hobbys oder ihre Familie sicher waren.

In all dieser Zeit, eigentlich noch am selben Tag des Geschehens der Mißgeschicklichkeit des Richters, war bereits jedem bekannt, was Richter B. W. zu dieser Körperhaltung veranlaßte. Aber dies interessierte niemanden. Er hatte, als er den Talar übergezogen hatte, festgestellt, daß der Reißverschluß seiner Hose defekt war. Da er davon ausging, verspätet zu sein, weil er keinen mehr im Zimmer angetroffen hatte, das dafür diente, die Talare aufzubewahren und letzte Gespräche vor Verhandlungen zu führen, die nicht alle dem Zweck dienlich waren, sich auf den folgenden Prozeß einzustimmen, stürmte er abgehetzt in den Gerichtssaal. Als er seinen Irrtum bemerkte, es blieb ihm noch eine Viertelstunde bis zur Eröffnung des anstehenden Verfahrens, nutzte er die Zeit, um den Defekt an seinem Reißverschluß genauer zu besehen. Ein kleines Stück Stoff der Hose hatte sich verfangen und als er gerade durch Ziehen und Reißen den Reißverschluß vom Stoff befreien wollte, ging die Türe auf. Der Rest ist bekannt und Geschichte.

Anbei Text zurück. Abzüglich der Anzüglichkeiten, für jeden Leser verständlich.

Richter bemerkt defekten Reißverschluß kurz vor Sitzungsbeginn, da er vermeintlich noch genügend Zeit zur Reparatur hat, bemüht er sich im leeren Gerichtssaal den festgezurrten Stoff aus dem Reißverschluß durch Zerren, herauszuziehen. Die ansonsten noch verschlossene Verhandlungstür wurde durch ungeduldige Zuhörer des Prozeßes geöffnet, die ihn in seiner mißlichen Lage vorfanden.

Theo, weißt du was? Abzüglich Anzüglichkeiten wird der Text nicht besser. Schick einfach nächstens nicht wieder eine deiner neuen Flammen zu einem Gerichtstermin, die dir ihr Schreibtalent beweisen möchte, indem sie aus einer langweiligen Verhandlung über das Parken auf nicht erlaubten Flächen zweideutige Wortspielereien erfindet.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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