Bla, bla, bla


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flickr.com/ zesakgraf/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Per Tadel des Pudels Kern getroffen?

Ob man es als Erwachsener auch noch so oft sagt, vor sich hin murmelt oder bloß denkt, hängt mit vielen Faktoren und Umständen zusammen, denen jeder Mensch ausgesetzt ist und wie Situationen eingeschätzt, empfunden werden. Möglicherweise aber ist allen Menschen gemein, daß es eine Zeit in den letzten Kindertagen und in der Jugend gab, in der man „bla, bla, bla“ quasi täglich zum Besten gab, oder es heimlich dachte, wenn man geübt war, ohne daß das Gegenüber, dem dies galt, wirklich erkannte, wie man sein Gesagtes beurteilte, nämlich als bla, bla, bla.

Was besagt bla, bla, bla? Der Duden erklärt hierzu, lautmalend Nachahmung von langweiligem, nichtssagendem Gerede. Bla, bla, bla. Natürlich besteht diese Möglichkeit der lautmalerischen Nachahmung, dennoch sei es erlaubt, eine andere Sicht auf das Entstehen dieser Ausdrucksart zu formulieren. Denn mit bla, bla, bla wird schließlich nicht nur als Reaktion auf langweiliges, nichtsagendes Gerede geantwortet.

In der Kinder- und Jugendzeit erfolgt diese Bla, bla, bla-Reaktion auf das als ständig empfundene Zurechtweisen, wenn von den Eltern, Erziehern auf bestimmtes Fehlverhalten hingewiesen wird. Dieses Gerede ist absolut, oder sind Sie anderer Meinung, nicht nichtssagend. Vielmehr bemühen sich die Erziehungsberechtigten in ihrem Gerede, Fakten zu erklären, die möglicherweise durch gewisse Aktionen eintreten können. Dazu benützen sie auch Redewendungen, Drohungen, Strafen und ja, Kinder und Jugendliche können ein Lied davon singen mit der Melodie, bla, bla, bla, dies alles gebetsmühlenartig, damit es endlich von den Kindern, Jugendlichen verstanden und umgesetzt werden kann.

In gewisser Weise, ganz sicher sogar, liegt hier ein Tadeln, ein Zurechtweisen, manchmal auch eine Bitte und ein Befehl vor.

In den Zeiten der Erwachsenenwelt sind diese Bla, bla, bla-Kommentare eher dann auf unseren Lippen, wenn das Gegenüber ständig die gleichen Inhalte wiederholt, sich also keine neue Erkenntnis aus dem Gerede erschließen läßt und das Ganze demzufolge als aufdringlich und lächerlich abgetan werden kann. Hier kann von nichtsagendem Gerede gesprochen werden, allerdings auch von Tadel, denn der Sprechende wird, je weniger auf seine altbekannten Inhalte Verständnis aufgebracht wird, mit dem ein oder anderen Tadel über die mangelnde Einsicht aufwarten.

Bla, bla, bla, und wo liegt jetzt hier irgendeine neuer Erkenntnis? Bla, bla, bla!

Tadeln Sie ruhig, denn Sie haben damit des Pudels Kern getroffen! (Diese Redensart stammt aus Goethes „Faust“ und bedeutet in etwa, des Rätsels Lösung, den wahren Sachverhalt erkannt. Dieser Hinweis erfolgt nur, damit dieses Bla, bla, bla-Geschreibsel wenigstens eine auf Tatsachen beruhende Textstelle aufweisen kann und niemand sich blamiert.)

Blamieren, französisch blâmer, tadeln, über das Vulgärlateinische blasphemare, griechisch blasphēmeĩn, Blasphemie. Andere Begriffe sind, beschämen, lächerlich machen, vorführen, bloßstellen, das Gesicht verlieren, zum Gespött werden, sich kompromittieren.

Die Blasphemie, griechisch blasphēmía, Schmähung, blasphēmeĩn, schmähen. Synonyme, Beleidigung, Gotteslästerung, Affront, verletzende höhnende Äußerung.

Schmähen, althochdeutsch smāhen, zu mittelhochdeutsch smāch. Andere Ausdrucksformen sind, beleidigen, Herabwürdigen, verunglimpfen, schlechtmachen, lästern, beschimpfen.

Die Schmach, mittelhochdeutsch, smæhe, eigentlich Kleinheit, Geringfügigkeit, von, althochdeutsch smāhi, klein, gering, verächtlich. Andere Begriffe sind, Beschämung, Entehrung, Erniedrigung, Kränkung, Schande, Demütigung.

Und weiter geht es mit bla, bla, bla, oder reichen Ihnen schon die Erklärungen der Wortbegriffe, blamieren für tadeln, schmähen für klein, gering, verächtlich?

Fühlten Sie sich nicht manchmal blamiert, getadelt, bloßgestellt, wenn wieder mal die gut gemeinten Ratschläge auf Sie niederprasselten, weil Sie es einfach nicht auf die Reihe bekamen, das Zimmer regelmäßig aufzuräumen und antworteten, anstatt eine kleine Einsicht zu zeigen mit bla, bla, bla?

Fühlten Sie sich nicht manchmal blamiert, machten sich lächerlich, beschämt, wenn Sie wieder einmal, zum zigsten Male die gleichen Anweisungen, Ratschläge zum Besten gaben und ihre Bemühungen so gar nicht, wenigstens ein bißchen auf Verständnis stießen und Sie den Eindruck gewannen, daß Sie dieses Bla, bla, bla selbst nicht mehr hören können?

Einige Streitigkeiten zwischen Partnern, Freunden, innerhalb der Familie oder in der Arbeitswelt basieren auf kleinen, geringen (Schmach) Anlässen, die zu großen Auseinandersetzungen (bla, bla, bla, Blamage, Tadel) führen können.

Dabei spielt es keine Rolle, wer tadelt, wer getadelt wird, wer beleidigt, wer beschimpft wird, denn jeder der Beteiligten empfindet das Gerede des anderen als bla, bla, bla.

Und um es abzukürzen, bla, bla, bla ist natürlich in irgendeiner Weise eine lautmalerische Nachahmung, aber die Begriffserklärung nur auf den melodischen Sprachrhythmus zuzuschreiben, erscheint ein wenig blamabel (beschämend, peinlich, kläglich), finden sie nicht auch?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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