Schaukeln schockt


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Wie sich schützen vor Lügnern und Betrügern?

Sind Sie schon einmal verschaukelt worden? Blöde Frage! Natürlich! Vielleicht jetzt im Erwachsenenalter nicht mehr so oft und so leicht, aber als Kind und in der Jugend gehörte „verschaukeln“ zum Teil dazu, Zusammenhänge besser zu hinterfragen, Listigkeiten besser zu durchschauen. Auch wenn Sie sich nicht mehr an jedes Verschaukeln erinnern können, so wird Ihnen entweder der Weihnachtsmann, der Osterhase, die Zahnfee als Bild habhaft sein, denn sie haben eine wichtige Rolle gespielt beim Verschaukeln.

Mittels des Weihnachtsmannes, des Osterhasen, der Zahnfee wurde Ihnen weisgemacht, daß sie es seien, die Ihnen an Weihnachten die Geschenke, an Ostern die bunten Eier, beim Verlust eines Michzahnes entweder Geld oder kleine Präsente als Trost unter das Kopfkissen gelegt haben, sie dienten mehr oder weniger dazu, Sie hinters Licht zu führen, Sie zu täuschen. Und Sie? Sie haben anfangs überzeugt davon, alles hat seine Richtigkeit, diese Aktionen als wahr angenommen. Irgendwann kamen Zweifel durch ältere Geschwister, Freunde oder weil Sie zufälligerweise Gespräche mitgehört hatten, die den „Schwindel“ aufdeckten. Schätzungsweise haben Sie sofort vehement Ihr altes Wissen verteidigt, weil nicht sein darf, was nicht sein kann. Oder Sie haben gute Miene zum „bösen Spiel“ aufgesetzt, damit Ihnen die vielen guten Gaben auch weiterhin zufließen. Oder Sie haben ab diesem Zeitpunkt sich fest entschlossen, nie wieder einer Schwindelei aufzusitzen, die Sie selbst nicht initiiert haben. Vielleicht, das mag mehrere Gründe haben, waren Sie auch geschockt!

Schaukeln, (Duden) wohl unter Einfluß der parallel entstandenen Schaukel zu spätmittelhochdeutsch schucken, mittelniederdeutsch schocken, sich hin und her bewegen; vgl. mittelniederländisch schokken, Schock. Andere Begriffe sind, wiegen, schwingen, wippen, schwanken, schlenkern, torkeln, taumeln.

Verschaukeln bedeutet jemanden aufs Glatteis führen, hintergehen, betrügen, irreleiten, hereinlegen, linken, täuschen, anschmieren.

Schock, (Duden) aus dem französischen choc, zu: choquer, (an)stoßen, beleidigen, mittelniederländisch schocken, stoßen; vgl. schaukeln. Synonyme sind, Bestürzung, Schrecken, Erschütterung, Fassungslosigkeit, Schreck, Trauma.

Gibt es etwas Schöneres, als auf der Schaukel hin und her zu schwingen? Stundenlang den Wind zu spüren, in der Höhe Weite zu sehen und die Tiefe mit Schwung zu überwinden, um wieder den selbst erzeugten Wind einzuatmen? Selbst wenn die ein oder andere Schaukel die fürchterlichsten Krächzlaute, wenn Metall auf Metall reibt, in dieses Schweben hineingerufen hat, so waren diese musikalischen Begleitungen für den Schaukelnden nicht störend und haben höchstens Umstehende zur Weißglut bringen können.

Das Gefühl des Schaukelns gleicht einem Glücksmoment, ähnlich vergleichbar, wenn wir eine Person beobachten, die ein kleines Baby sanft in den Armen wiegt, eventuell ein kleines Lied vor sich hin summend. Aber auch das beruhigende Gefühl des Tröstens, entweder durch eine andere Person oder durch die Hin- und Herbewegung des Körpers, wenn wir, vor allen Dingen in der Kinder- und Jugendzeit durch das Körperschaukeln unsere Traurigkeit wegschaukeln wollten. Das Schaukeln trägt zur Harmonisierung und Stabilisierung des Körpers und des Geistes bei.

Falls Sie selbst nie „unter Schock“ standen, der entweder zur völligen Lähmung sämtlicher körperlichen Funktionen führen kann oder zum „zwanghaftem“ Bewegungsablauf, entweder durch das Körperwippen oder durch ständiges Hin- und Hergehen, so werden Sie trotzdem durch Beschreibungen oder durch das Erleben bei anderen dieses Verhaltensmuster kennen. Bereits die kleinere Form von Schock, dem Streß, leitet der Körper mehr oder weniger automatisch, das ständige Bewegen ein. Unfallhelfer kennen nur zu gut dieses Phänomen und sie sind geschult, Menschen, die gerade Schreckliches erlebt haben, am Laufen zu hindern, wenn der Verdacht besteht, daß eventuell ein Rippenbruch vorliegt.

Sicher kann man die verschiedensten Begründungen angeben, warum dieses „schaukeln, dieses „Hin- und Hergehen“ beruhigend auf jeden von uns einwirkt. Mag sein, daß es ein auf die pränatale Phase zurückführendes Gefühl der Geborgenheit und des Schwebens ist, mag sein, daß es ein automatischer Reflex ist, der den Kreislauf stabil hält, damit die Blutzirkulation wieder in Gang kommt.

Schaukeln, als beruhigendes Gefühl, das Streß, Trauer, Angst, Schmerz vergessen läßt, ist daher auch ein ziemlich perfektes Mittel, um Menschen zu hintergehen, sie zu betrügen. Die Hinterlist besteht in der Tatsache, daß Betrüger ihre Opfer in Sicherheit wiegen, ihnen glaubwürdig bescheinigen, daß dies oder jenes der absoluten Tatsache entspricht, indem sie jede Argumentation so ausrichten, daß jeder Zweifel des „Opfers“ als positive Erkenntnis ausgelegt wird und somit das Schutzbedürfnis ins Taumeln gerät.

Es ist keinesfalls von ungefähr, daß diese beiden Wörter, schaukeln und Schock denselben Wortstamm haben und in einer nicht nur sprachlichen engen Beziehung stehen. Denn selbst, wenn jemand angestoßen, wird, gestupst, ohne mit dieser Handlung gerechnet zu haben, kann diese Bewegung bereits nicht nur das Gleichgewicht stören, indem man hinfällt, sondern auch die geistige Beschäftigung unterbrechen.

Um sich vor Lügnern und Betrügern zu schützen, die es darauf angelegt haben, Sie zu verschaukeln, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz, aber es ist äußerste Vorsicht geboten, wenn Sie in sämtlichen Belangen, Fragen in Sicherheit gewogen werden. Denn dann werden Sie gerade verschaukelt. Und dann kann die Folge dieser Hinterhältigkeit zu einem Schock führen. Den können Sie zwar auch wegschaukeln, aber niemals kann dieses Wiegen mit dem beschwingten Gefühl des Schaukelns aus Freude gleichgestellt werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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