Fall Charlie Gard: Endlich darf der Säugling sterben


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flickr.com/ Bowfinger26/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Betroffene Eltern konnten einfach nicht loslassen

Es gibt kaum etwas tragischeres für Eltern, wenn ihr Kind vor ihnen stirbt. Das Leid darüber muß äußerst heftig sein, ist letztlich nicht in Worte zu fassen. Insofern sollte man sie verstehen können, wenn ihnen jedwede menschenmögliche Option naheliegt, um ihr Kind vor dem Tod zu retten.

Das gilt daher ebenso beim Fall Charlie Gard, der im August des letzten Jahres mit der extrem seltenen Krankheit, dem mitochondrialen DNA-Depletionssyndrom, geboren wurde. Zunächst versuchten die verzweifelten Eltern, sämtliche Möglichkeiten der Rettung ihres Sohnes bis hin zu einer fragwürdigen Therapie in den USA auszuschöpfen. Nunmehr darf der Säugling allerdings endlich sterben, da der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte als letzte Instanz dies so entschied.

Medizinische Hilfe zum Leidwesen des Patienten?

Genau dort findet jene Gratwanderung statt, das Ringen um Argumente, in wie weit medizinische Hilfe tatsächlich Sinn macht, oder ob das Leid des Patienten unnötig in die Länge gezogen wird. Zunächst schöpften Charlies Eltern Hoffnung durch eine experimentelle Therapie, die in den USA bisherig an 18 Patienten angewandt wurde. Sie wollten sich somit nicht damit abfinden, daß ihr Sohn auf eine Palliativstation verlegt werden sollte.

Obwohl eine Spendenkampagne für die teure Behandlung rund 1,4 Millionen Euro einbrachte, entschied ein britisches Gericht im April, der Leidensweg von Charlie solle verkürzt werden, sämtliche Ärzte würden keine Besserung mit dieser Therapie erkennen können, das Wohl des Kindes sei höchste Priorität. Letzte Möglichkeit der Eltern war der Schritt zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der nunmehr ein endgültiges Urteil verkündete.

Rechtsprechung gegen die Sorgen der Eltern

Die Justiz hat letztlich im Sinne des Kindeswohls entschieden, obwohl die Eltern, Connie Yates und Chris Gard, alles menschenmögliche taten, um ihren Sohn eine Chance auf Linderung zu verschaffen, eine Heilung dieser Krankheit war ohnehin von Beginn an aussichtslos.

Welch dialektisches Drama, weil dennoch keineswegs mit Gewißheit klar ist, ob diese gutgemeinte Verzögerung tatsächlich zum Wohle von Charlie Gard stattfand. Ihr Sohn darf jetzt sterben, die Eltern können zurecht sagen, sie hätten alles versucht. Sie vermochten nicht eher loszulassen, was niemand ihnen wirklich zum Vorwurf machen sollte. Eine solche Entscheidung kann ihnen niemand abnehmen, außer daß sowohl die Ärzte als auch die Gerichte sich für das Ende von Charlies Leidensweg entschieden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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2 Antworten zu Fall Charlie Gard: Endlich darf der Säugling sterben

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Trotzdem sollte das Urteil nicht als Fallbeispiel herhalten, denn jedes Leben muss individuell betrachtet werden.

    Gefällt 2 Personen

  2. hraban57 schreibt:

    Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht, lieber Arno.

    Gefällt 1 Person

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