Ehe für alle: Abstimmung noch vor der Sommerpause?


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Eine gesellschaftliche Entwicklung läßt sich nicht aufhalten

Ein trügerischer Schein schon gleich gar nicht, denn real haben die Menschen ganz andere Probleme zu bewältigen, als ausgerechnet die Ehe für alle, zumal nicht jede Ehe gleich ein Freifahrtschein für ein sorgloses Leben in säuselnder Idylle bedeutet. Solange die Liebe anhält und beidseitig guttut, mag dies zutreffen, aber wehe der Scheidungsfall bis hin zum Rosenkrieg tritt ein.

Andererseits geht es dennoch um das Recht, daß gleichgeschlechtliche Paare in den Hafen der Ehe sich begeben können dürfen, wobei bisherig dies ihnen hierzulande noch explizit gesetzlich verweigert wird. Während alle Parteien außer der Union und dieser AfD jene Forderung viel eher begrüßen, halten besonders gern rechtsradikale Strömungen an sogenannten Traditionen fest. Das entspricht ebenso deren Haltung, jedweden Multikulturalismus zu negieren, obwohl gerade dieser uns alle tatsächlich bereichert.

Je weiter westlich desto toleranter innerhalb Europas

Mit Blick nach Europa gibt es eine festzustellende Ost-West-Verschiebung zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Während in den ehemaligen Ostblockstaaten generell keine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften vorherrscht, eine Ausname bildet Estland, welches genauso wie Deutschland, Italien und Griechenland wenigstens eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft anerkennt, schaut es im Westen und Norden Europas anders aus.

In den Beneluxstaaten, in Großbritannien, Irland (in Nordirland nicht), Frankreich, Spanien, Portugal und Skandinavien sind gleichgeschlechtliche Eheschließungen gesetzlich beschlossen worden. Das gilt ebenso für fast ganz Südamerika, Kanada und in 38 Bundesstaaten der USA. Südafrika ist die einzige Ausnahme auf dem afrikanischen Kontinent, wobei in ganz Asien nebst Russland sowohl gleichgeschlechtliche Partnerschaften als auch Ehen verboten oder nicht erlaubt sind.

Wenn man bedenkt, daß weltweit immer noch Homosexuelle in 78 Ländern strafrechtlich verfolgt werden, davon in den meisten islamischen Staaten, in fünf gar die Todesstrafe gilt, in Nigeria und Somalia teilweise, die Rechtslage dazu in Indien und im Irak noch ungeklärt, kann man durchaus erkennen, daß Mensch sich schwer tut mit diesem Thema, obwohl es eigentlich ein selbstverständliches Grundrecht sein sollte.

Politische Ablenkung vor der Sommerpause

Inzwischen scheinen etliche in der Union die Große Koalition in Frage zu stellen, die jetzt kurz vor der Sommerpause angesichts des Vorstoßes von Angela Merkel gefährdet werden würde, man fühlt sich schlichtweg überrumpelt. Reine Ablenkung von wesentlich wichtigeren Themen sollte man gleichwohl anmerken, schließlich überschatten etliche Kriege das Weltgeschehen, die Terrorgefahr ist unübersehbar gestiegen, Anfang Juli findet der fragwürdige G20-Gipfel statt.

Diesjährig kann keine Fußball-Europa- oder Weltmeisterschaft herhalten, umso wichtiger, die Bürger abzulenken und sei es mit dem leidigen Thema der Ehe für alle? Ein Schelm wer solches denkt, ganz abwegig sind derartige Überlegungen keinesfalls.

„Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“ (Rosa von Praunheim)

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Eine Antwort zu Ehe für alle: Abstimmung noch vor der Sommerpause?

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Merkel macht wirklich alles, um wählbar zu bleiben, so kann sie eine eventuelle Niederlage dieser Abstimmung auf die Parteigenossen abwälzen und hält damit die SPD immer hinter sich, egal was die aus dem Hut zaubern. Taktisch eine Meisterleistung, aber nicht die Politik, die unser Land benötigt. Ich möchte Aktionen, nicht nur Reaktionen.

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