Wenn Science Fiction längst die Realität mitgestaltet


https://www.flickr.com/photos/marsupilami92/14675417741/sizes/z/

flickr.com/ marsupilami92/ (CC BY 2.0)

Von Stanislaw Lems Phantomatik bis zu Zukunftsvisionen

Wir dürfen innerhalb der Literatur ohne weiteres vom Lehnwort Science Fiction sprechen, wenn Wissenschaft und Fiktion zusammentreffen. Ob Robert Enson Heinlein, Joe Haldeman, George Orwell, Spider Robinson, Jules Verne oder ein Herbert George Wells, um nur ein paar zu nennen, die Liste wäre entschieden zu lang. Sie alle haben entscheidend mit dazu beigetragen, ihre wissenschaftlich fiktiven Gedanken zu Papier zu bringen, uns Lesern zu hinterlassen.

Es war der polnische Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem, der den Begriff der Phantomatik im Jahre 1964 erschuf, dessen Erzeugung künstlicher Wirklichkeiten er wie folgt umschrieb: „Wenn ein Mensch mit allen seinen Sinnen an einen Computer angeschlossen werden könnte, so könnte er voll und ganz in eine fiktive Welt eintauchen und zum Beispiel eine Reise zum Mittelpunkt der Erde oder eine Romanze mit Cleopatra erleben.“

Sein „Gegenauge“, welches er beschrieben hatte, entspricht heute längst der optischen Projektion eines gebräuchlichen Datenhelmes.

Anti-Utopien auf dem Weg?

Selbstverständlich sind heute Science-Fiction-Szenarien, die noch für großes Aufsehen und somit Erstaunen gesorgt hatten, als sie in Büchern erschienen, wesentlich realer als damals. Das gilt so auch für Anti-Utopien (Dystopien). Ausgerechnet 1984 – wenn wir an George Orwells gleichnamigen Roman „1984“ denken – erschien das fiktionale Standardwerk zur Thematik der virtuellen Welt, „Neuromancer“ von William Gibson.

Dortigst ist die Welt vernetzt, man lebt sowohl in der virtuellen als auch in der „echten“ Wirklichkeit. Menschen loggen sich mit Hilfe über Implantate im Körper ins System ein, Begriffe wie „Cyberspace“ und „Matrix“ erhalten Einzug. Sein Bestseller hat darüber hinaus die Gefahren wie die Auflösung sozialer Strukturen und Genmanipulationen einer weltweit technisierten Vernetzung und Entwicklung unbedingt einfließen lassen.

Von derart utopischen Szenarien sind wir zwar noch etwas entfernt, aber dennoch rücken sie im Bereich des Möglichen, wenn wir nur an die technischen Errungenschaften denken, wie sie sich heute gestalten. Neben diesen kann man aber schon eine wesentlich größere Gefahr erahnen: die Gier nach kontrollierter Macht. Solange die Menschheit noch meilenweit davon entfernt ist, ihre sozialen Strukturen auch nur ansatzweise im Sinne des Humanismus aufzubauen, sie zuläßt, darf schon in unseren Vorstellungen an mögliche Dystopien gedacht werden.

Philosophische Ansätze in der Science-Fiction-Literatur

Sicher doch, was die Phantasie der Science-Fiction-Autoren anregte, sollte auch die Leser dazu beflügeln, ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Das muß nicht gleich in prophetische Zukunftsvisionen ausarten. Dennoch haben wir doch alle eine Vorstellung darüber, allein schon im Sinne unserer Nachfahren, für die wir das Beste uns wünschen.

Visionen stellten meist wage Vermutungen dar, die dennoch manchmal Wirklichkeit wurden. Denken wir nur an Jules Vernes Flug zum Mond, die Reise in achtzig Tagen um die Welt oder den Communicator aus dem „Raumschiff Enterprise“. Dennoch wird Science Fiction nicht dafür herhalten, ausschließlich wegweisend zu sein, was unsere Zukunftsaussichten anbelangt. Viel zu offen sind die Möglichkeiten unterschiedlich zwischenmenschlicher Entwicklungen, vor allem, was Mensch selbst zuläßt. Sicherlich hat eine vielschichtige Science Fiction, was ihre Experimentierfreudigkeit betrifft, mit dazu beigetragen, generell sämtliche menschliche Fehlgriffe zu hinterfragen. Insofern dürfen wir ruhig auch von philosophischen Ansätzen innerhalb dieses Literaturbereiches reden.

Weiterhin bestätigt sie ihren Anspruch, in die Zukunft zu schauen, dabei stets die technisch-geistigen Grenzen auslotend, wobei natürlich auch der Forscherdrang des Menschen selbst sich durchaus von ihr inspirieren läßt. Solange dies nicht zum Nachteil der Erde und all des Lebens auf ihr geschieht, mag dies eintreten.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s