Spontan seinem Bauchgefühl freien Lauf lassen


https://www.flickr.com/photos/downy_squirrel/218809829/sizes/z/

flickr.com/ mxnt/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Als Spontis noch trampten oder bunte Kleider trugen

Mag sein, daß der ein oder andere überlegen muß auf die Frage: Wann haben Sie das letzte Mal spontan gehandelt?

Damit sind nicht die täglichen, gewohnheitsmäßigen Handlungen gemeint, die man vollführt, ohne nachzudenken, weil sie sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen sind. Zu spontanem Handeln zählen zum Beispiel das impulsive Bremsen, wenn unerwartet ein Ball über die Straße rollt, wenn Sie spontan die Fahrstuhltüre aufhalten durch Unterbrechung der Schließsensoren, damit eine weitere Person mitfahren kann.

Sicherlich gibt es in jedem persönlichen Umfeld eine Person, die für ihre spontanen Handlungen bekannt ist und ebenso jemanden, der erst überzeugt werden muß, bevor er aktiv wird. Wer Kinder beobachtet, wird vielleicht festgestellt haben, daß sie noch sehr viel mehr spontane Handlungen vollziehen, sie sind deshalb bis zu einem gewissen Alter sozusagen nicht aus den Augen zu lassen. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, spontanes Agieren schaltet oftmals sämtliche Vorsichtsmaßnahmen aus, die ansonsten automatisch helfen, keine unüberlegten Handlungen zu tun. Dieser „Schutzmechanismus“ ist eine Folge von Erfahrungen, die entweder durch eigene Erkenntnisse oder durch das Vermitteln über Dritte dafür sorgen, daß durch unser Tun niemand zu Schaden kommt.

Spontan, spätlateinisch spontaneus, freiwillig; frei, spons (nur im Genitiv spontis und Ableitung sponte üblich), Antrieb, freier Wille. In unserem jetzigen Wortverständnis, aus dem Augenblick heraus, direkt, impulsiv, ohne zu zögern, aus freien Stücken, automatisch, selbsttätig, ad hoc, unüberlegt, ungeplant.

Spontaneität, auch in der Schreibweise Spontanität ist demzufolge ein Vor-sich-Gehen ohne äußeren Anlaß oder Einfluß (Duden), Impulsivität.

Das Wort Sponti war in den 60iger und 70iger Jahren nicht nur in aller Munde, sondern tauchte auch in sämtlichen Medien auf, wenn in einem Zusammenhang von linken undogmatischen Gruppen oder Einzelpersonen gesprochen wurde. Es reichte oftmals aus, daß Menschen, die sich für eine unkonventionelle Lebensweise aussprachen, die politisch den Ideologien von Marx, Engels, Che Guevara oder andere Gruppierungen oder Personen vertraten, der Mode entsprechend lange Haare, bunte Kleider, kurze Röcke, keinen BH trugen, einen VW-Bus, eine „Ente“ fuhren oder einfach trampend an der Straße standen, damit sie den Titel „Sponti“ erhielten.

Fast alles, das nur den Anschein hatte, gegen eine Konvention sich zu stellen, wurde in diesen Jahren linkem Gedankengut zugesprochen und oftmals im Vorfeld ohne angemessene Überlegungen „verteufelt“. Ohne die Menschen, die übrigens nicht alle einer linken Partei angehörten, würden wir heute sehr wahrscheinlich bei Umweltfragen, bei der Kindererziehung, bei Ernährungsfragen, bei Klimafragen, bei den Themen über Sexualität noch tief in den Kinderschuhen stecken. Und zwar in den Kinderschuhen, die von Kindern getragen werden, die bei ziemlich allen spontanen Handlungen zurechtgewiesen werden, bis sie nicht nur unsicher, sondern regelrecht gehemmt sind in ihren Aktionen.

Spontan, in seiner ursprünglichen Bedeutung, freiwillig, frei kann auch mit dem Begriff des Bauchgefühls umschrieben werden. Vergleichbar mit einem spontanen Einkauf, dem spontanen Vertrauen in eine Person beim Kennenlernen, der spontanen Kraftausschüttung, die in uns stecken kann, wenn eine Gefahr vorliegt, die spontane Heilung, wenn Ärzte den Patienten bereits aufgegeben haben. Frei, ohne Zwänge, Hemmungen, Verbote. Dieses Frei, diese Freiwilligkeit hat nichts mit Unabhängigkeit zu tun, im Sinne von Entscheidungen auf Grund von politisch, wirtschaftlichen, sozialen Stellungen, die vorneweg kein Scheitern dulden, sondern einzig und allein von der unabhängigen Freiheit, deren Konsequenz nicht bereits im Vorfeld als richtig oder falsch eingestuft wird.

Zudem kann Spontanität keine Voraussetzung sein, um für diese Freiwilligkeit entweder ein Dankeschön, finanzielle Zuwendungen oder Abhängigkeitsverpflichtung zu sein. Spontanität ist der freie Wille, der nicht durch vorausschauendes Planen für den besten Profit, das beste Ergebnis steht. Demzufolge kann nicht ausgeschlossen werden, daß Spontanität sich auch als Fehler herausstellt.

Allerdings würde ohne Spontanität keine Weiterentwicklung möglich sein, denn wenn der freie Wille, der Antrieb zu handeln, ständig unterbunden sein würde, durch Ängste, Verbote, würde nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch immer auf der gleichen Stelle stehen.

Also seien Sie ruhig mal wieder spontan, laden Ihre Freunde am Wochenende ein, zum Grillen, ins Theater oder welche Idee Ihnen spontan einfällt. Geben Sie dem Bettler, dem Sie begegnen ein paar Cents oder kaufen ihm spontan etwas zum Essen und zu Trinken. Spenden Sie das Geld für Ihre neue Bluse oder Schuhe an eine wohltätige Organisation. Möglicherweise ist eine spontane Handlung, auch wenn sie später bereut wird, dennoch ein Schritt näher zu Ihrer Selbstlosigkeit, und Sie tragen damit dazu bei, für eine humanere Gemeinschaft den Weg zu bereiten.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s