Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen – weiterhin Übergriffe


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Kaltherzigkeit begünstigt den Kreislauf von Gewaltexzessen

Eine schnellebige Welt hinterläßt ihre unübersehbaren Spuren, unter denen Mensch und Natur zu leiden haben, neben den Annehmlichkeiten, die ein gewisser Fortschritt mit sich bringt. Allerdings verbirgt sich in jener scheinbaren Erleichterung des Alltagslebens so manche Widrigkeit, die auf den ersten Blick nicht erkannt wird, aber uns dennoch intensiv beschäftigt, es sei denn, wir ignorieren etliche Anzeichen.

Inzwischen dürfte sich ebenso auch am World Elder Abuse Awareness Day (Welttag gegen die Mißhandlung älterer Menschen), den die WHO im Jahre 2006 ins Leben rief, herumgesprochen haben, daß da so manches schief läuft im Umgang mit älteren Menschen.

Sozialstaat zwischen Generationenvertrag und fataler Ausbeutung

Etliche, die wohlbehütet, völlig sorgenfrei ein Leben lang darauf hinarbeiteten, schließlich im Alter mit entsprechend guter Rente oder gar Pension ihren Ruhestand zu genießen, dürfen sich glücklich schätzen, einer Minderheit im Lande anzugehören. Doch darf man einfach so feststellen, daß eine zunehmende Altersarmut mit einer verkehrten Rentenpolitik zusammenhängt, der Griff in die Rentenkassen, keine private Vorsorge getroffen zu haben, bis hin zur Unbezahlbarkeit, diese selbst aufgrund der Niedriglöhne als Schuldige an den politischen Pranger zu stellen? Nein, damit kann es nicht getan sein.

Die eigentliche Kontroverse sollte nicht lauten, Jung gegen Alt, vielmehr Arm gegen Reich. Der ständige Versuch, den sogenannten Generationenvertrag als Lösung aller Lösungen hochzuhalten, erweist sich als fatale Argumentation, wenn der Sozialstaat dermaßen radikal abgebaut wird, wie alle verantwortlichen Regierungsparteien dies bisherig taten.

Kein Wunder, daß auch Rentner darunter leiden müssen. Wer den Jugendwahn hochhält, um gleichzeitig das Renteneintrittsalter sogar für 70-Jährige einzufordern, nur weil keine klaren Konzepte vorhanden, alten Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, der schiebt sie letztlich ins Abseits. Eine unübersehbare Ausbeutung darf ungeniert schalten und walten, Hauptsache die eigentliche Absicht wird bedient zugunsten einer nimmersatten Klientel der wirklich Reichen, nach der sich die Politik richtet.

Das ZQP mahnt an – Gewalt in der Pflege oft ein Zeichen von Überlastung

Anstatt einen völlig normalen, biologisch nachvollziehbaren Alterungsprozeß hinzunehmen, dem wir alle mehr oder weniger ausgesetzt sind, beugen sich die berufenen Macher dem Diktat der wirtschaftspolitischen Weichenstellung. Diejenigen, die dabei erkranken oder sich weigern, müssen mit entsprechenden Einschnitten rechnen, dahinvegetieren.

Insofern schaut es düster aus für die immer älter werdenden Menschen, denn der Beispiele gibt es längst genug, welche Mißstände anhalten, ob in Pflegheimen oder gar zu hause. Ob eine Reform des Pflege-TÜVs Besserung erbringen mag, bleibt mal dahingestellt. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) mahnt nicht nur an, sondern weist ausdrücklich über Aufklärungsbedarf zum Thema Gewalt hin, wie auch dessen Vorstandsvorsitzender, Dr. Ralf Suhr, besonders betont.

Selbstverständlichen Humanismus einfordern

In dem Moment, wo eine grenzenlose Ausbeutung in Hinblick zur Wirtschaftlichkeit verschwindet, ergibt sich auch eine größere Chance für ältere Menschen, sorglos am Leben teilhaben zu können. Das sich Kümmern um sie bis hin zum Pflegefall erfordert entsprechend geschultes Personal, welches wiederum gutbezahlt, – im Gegensatz zum nunmehr erreichten Mindestlohn, der dennoch keineswegs die harte Arbeit gerecht würdigt -, mit wesentlich mehr Elan, gutem Willen und Freude auf die Ängste und Sorgen dann eingehen wird.

Eine Gesellschaft, die Jung und Alt entsprechend sozial gutstellt, sich um deren Belange fürsorglich einsetzt, hat nicht nur den Vorteil eines gewissen friedfertigen Klimas, sondern sorgt für eine kreativere und fröhlichere Bereicherung im Sinne aller. Klingt utopisch? Muß so nicht sein, wenn wir alle diesen selbstverständlichen Humanismus einfordern!

Jede Gesellschaft kann nur dann friedlich zusammenleben, wenn ein sozial ausgewogenes Miteinander gepflegt wird. Bei Vernachlässigung setzt sich die Hierarchie der Gewalt durch, gilt keine Moral, Religion oder Humanismus mehr.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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