Abends bevor die Welt untergeht


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Irgendwie ziemlich schräg die Vorstellung einer Welt ohne Tiere und Pflanzen, zumindest dort draußen in ehemals freier Natur. Fast alles plattgemacht von jener Spezies, auf die man so gar nicht stolz sein kann, vom Irrweg eines gewissen Nationalstolz mal ganz zu schweigen, der hat sich ohnehin erledigt. Organismen scheren sich einen Dreck um Grenzzäune, Mauern, Stacheldraht, Minen oder Kameras, sie leben einfach dort, wo es ihnen paßt.

Aber davon will Mensch nichts wissen, stört keineswegs den technisch Fortschrittlichen, der nur eines im Visier hat: möglichst bequem sein idiotisch langweilig beschissenes kleines Dasein genießen, sich dabei einbildend, er hätte alles im Griff. Nichts hat er, außer daß ihm der Kosmos und Mutter Erde eines Besseren belehren werden. Schade um die wenigen, die noch Hoffnung haben, es könnten Rückbesinnungen vielleicht erfolgen. Mitnichten.

Als ob es eine Ewigkeit her wäre, obwohl Zeit keinerlei Bedeutung hat in jener dramatischen Entwicklung auf diesem Blauen Planeten, erinnern sich manche noch an die folgenschwere Entscheidung dieses Cholerikers Humpty-Trumpty. Jener Kretin, der sich als US-Präsident wählen läßt, stoppt doch einfach mir nichts dir nichts ein Klimaabkommen, wenngleich die Amis selbst hinter China die zweitschlimmsten Umweltsünder sind.

Egal, nach uns die Sintflut, so die Einstellung, ganz nach demselben Prinzip der historischen Expansion. Einmal verinnerlicht, kommen die meisten nicht mehr los davon, ganz ähnlich wie ne Droge, ein unbewußter Rausch ohne jedwede Gewissensbisse oder gar moralische Bedenken. Und der große Rest der Welt schaut erstaunt dem Schicksal einer rasanten Zerstörung entgegen. Wie Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden.

Dabei gäbe es stets die Möglichkeit, jene Storyteller zu stoppen. But the show must go on. Das habt ihr nun davon! Die Luft zum Schneiden heiß und stickig, wer einen Moment lang sich nach draußen begibt, in der Sonne an die achtzig Grad, im Schatten mit ein wenig Glück 65. Letzte Woche sind im Planquadrat C4517 über dreihundert Seelen verendet, die Wasserknappheit macht obendrein erheblich zu schaffen, zumal etliche nicht rechtzeitig vorsorgten. Wer nicht hören will, muß verrecken.

Der Kollege bleibt noch optimistisch, keine Ahnung, woher er das nimmt, wo doch überall die Chancen fast aussichtslos. Die radioaktive Wolke aus Korea hat just den 40. Längengrad passiert, Moskau wird unmittelbar betroffen sein, dabei hockt angeblich die Duma in sicherem Bunker, so ein Blödsinn, irgendwann sind die Vorräte aufgebraucht. Und dann? Klar doch, dann ticken gefälligst keine Geigerzähler mehr. Nö, so simpel läßt die Physik sich nicht austricksen. Die Armen und Obdachlosen haben es wenigstens gleich hinter sich, die besser Betuchten sterben dafür qualvoll langsamer. Welch zynische Pointe, nicht wahr?!

Ganz leise wimmert irgendwo hinter einem verdorrten Strauch ein kleines Mädchen, dessen Mutter es zu beruhigen versucht, die Sonne verschwindet gerade blutrot hinterm Horizont, wo dunkle Rauchschwaden in den blauen Himmel ziehen, der üble Gestank ereilt bald die hier Verbliebenem am Abend, bevor die Welt untergeht. Nonsens, nicht die Welt geht unter, der Planet zieht weiterhin seine vorherbestimmte Bahn um die Sonne. Nur Mensch blickt seinem Ende entgegen, welches er selbst herbeigeführt. Danach haben Pflanzen und Tiere erneut die große Chance auf eine friedliche Zukunft.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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