Polens Umweltminister Jan Szyszko gefährdet Bialowieza-Urwald


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flickr.com/ lehorhe/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Umweltschützer errichten neues Protestcamp

Den Blick gen Regenwälder gerichtet, sollte man nicht in unmittelbarer Nähe wegschauen. Nordöstlich von Warschau, im Grenzgebiet zu Weißrussland befindet sich Europas letzter einmaliger Urwald, der Bialowieza-Urwald, den jetzt Polens Umweltminister Jan Szyszko massivst gefährdet.

Widerstand läßt zurecht nicht lange auf sich warten, Umweltschützer errichten dort ein neues Protestcamp. Schließlich schwelt die Sorge bereits seit über einem Jahr, im Mai 2016 verkündete Jan Szyszko, daß bis 2023 an die 188.000 m³ Holz gefällt werden sollen, seine Begründung, die Ausbreitung der Gefährdung durch den Buchdrucker (Ips typographus) solle verhindert werden.

Professor Thomasz Wessolowski warnt vor einem Kollaps

ROBIN WOOD macht auf die tragischen Mißstände in seinem Bericht des Waldrefenten Jannis Pfendtner aufmerksam. Dort zitiert dieser Professor Thomasz Wessolowski von der Universität Breslau (poln. Wroclaw), der dem Guardian gegenüber betonte, daß wir mit jedem gefällten Baum dem „Point of no return“ näherkämen, ab einem bestimmten Punkt es einen Kollaps gäbe, das Ökosystem für immer weg wäre.

Obwohl die EU ein Vertragsverletzungsverfahren inzwischen eingeleitet hat, ignoriert die polnische Regierung die zunehmenden Proteste. Der verantwortlichen Politik scheint die ganze Tragweite völlig egal zu sein, auch hierbei zählen wohl nur kurzfristige Profite.

Białowieża-Nationalpark – Europas letzter Tiefland-Urwald

Der weitaus größere Teil befindet sich in Weißrussland, nämlich rund zwei Drittel, 874 km², und ca. 630 km² in Polen des gesamten Urwaldes. Der Nationalpark selbst hat in Polen eine Fläche von 105,17 km², wovon gerade mal 47,16 km² als besonders schützenswert gelten.

Insofern sind die 20.000 Tierarten, wovon allein 9.000 Insektenarten sich im Urwald tummeln, sowie die 3.500 Pilz- und 5.500 Pflanzenarten betroffen, sollte Polen seinen rücksichtslosen Kurs fortsetzen.

Anstatt Umweltaktivisten per schnell eingebrachte Gesetze in Polen zu kriminalisieren, sollte dieser Umweltminister seine fadenscheinigen, unhaltbaren Behauptungen über die angebliche Plage des Buchdruckers überdenken, da ansonsten auf polnischer Seite jener letzte europäische Urwald für immer verloren gehen wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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