Brief an Frau Dr. R. zur Kündigung als Integrationscoach – Teil 4


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Ich bin gerne bereit, Ihnen und der Zertifizierungs-Mannschaft einige mehr oder weniger erfolgreich integrierte Menschen lebendig vorzustellen, welche unsere Arbeit aus Ihrer Sicht beurteilen und menschlich dokumentieren werden. Am Rechner konnte ich’s bis zum gestrigen Tag auch. In meiner Mandantenliste finden Sie alles, was ich für den jeweiligen Menschen getan habe. Leider keine Mitschriften des „Palavers“ davor“. Für so was hatte ich keine Zeit. Auch nicht im Nachhinein. Ich sprach mit Menschen und löste ihre Probleme. Dies kann ich nachweisen. Anhand von lebendigen Menschen, welche für mich Zeugnis ablegen werden.

Selbst standortintern kam es zu irrwitzigen Konflikten…

Ein Beispiel: Da kommt einer und spendet eine komplette hochwertige Wohnungseinrichtung seines verstorbenen Bruders an „Fairkauf“, für welches Projekt wir, als Integrationsbüro so ganz nebenbei, hunderte von mit Druckfehlern behafteten und von uns, so ganz nebenbei, per Hand korrigierten Flyern verteilt haben. Auch der Flyer für das Integrationsbüro ist nach wie vor fehlerbehaftet. Das Hocharabisch ist nicht korrekt.

Die Schrankwand war nicht erwünscht, da das Lager mit SW voll sei. Also schenkte sie der Spender einer meiner Kolleginnen – welche wiederum einen bedürftigen Klienten – sprich Flüchtling – an der Hand hatte, welcher in Kürze mit Familiennachzug rechnen konnte. Und Erfolg hatte. Mit dem Familiennachzug. Und nun mit seiner Familie unmöbliert quasi wie in einem Zelt lebt. Sie verschenkte sie also glatt weiter. Anfangs schien es kein Problem, die Schrankwand einfach wie den Rest der Wohnungseinrichtung zu demontieren und unterwegs (ohne Umwege!!!, ohne Zusatzkosten!!!) am Bestimmungsort auszuladen. Aus irgendwelchen, mir nicht verständlichen Gründen landete die Schrankwand doch bei „Fairkauf“ und wurde „aktenkundig“. Zahlen bitte… Auch den Weitertransport.

Meine Kollegin hat quasi ihre Reputation gegenüber ihrem Schützling verloren. Jener Verantwortliche, der Teilnehmer jener Absprache war, leidet heute unter Gedächtnisverlust bzw. beachtet strikt die erst nach und nach – und danach (!) eingetrudelten Vorschriften. Das ist das kleine Problem. Das Große sei hier erwähnt. Der Spender, übrigens ein bekennender Nazi, macht nun mobil. Ich denke, dies wird ein echtes Reputationsproblem… Für „S.“.

Mit meiner Kündigung haben Sie sich ein Zweites beschert. Danken Sie Ihrer kompetenten Bereichsleitung, welche sich einen Kehricht drum scherte, was wir bislang für Menschen taten und nie bei uns hospitierte, um überhaupt zu verstehen, was wir eigentlich bewirkten, sondern nur erschien, um uns beizubringen, dass das Büro ständig besetzt sein müsse, der Tätigkeitsbericht perfekt, die Arbeitszeit einzuhalten sei und der Rest scheißegal…

In diesem Sinne freue ich mich über Ihre Kündigung meines Arbeitsverhältnisses. Ich betreue meine Schützlinge nun ehrenamtlich und werde Erfolg haben.

Die Kündigung meines Arbeitsverhältnisses während der Probezeit ohne Angabe von Kündigungsgründen ist Ihr gutes Recht.

Integrieren Sie mal so fröhlich weiter. Am besten mit Frau P. als von Frau T. als „Familienbetreuer“ „Betreute“ als Integrationsbüroleiterin.

Spaß beiseite.

Dicke knufflige Steine können auch bergab rollen. Ihnen rollt grad einer fußwärts entgegen. Sie können ihn stoppen… Noch.

Alternativ biete ich Ihnen überregionale Medienaufmerksamkeit an. Welche Sie (siehe oben) längst hätten haben können. Das damals positiv Angedachte jedoch können Sie in diesem Fall vergessen… Es kann also lustig werden.

Sie sind der Boss. Sie entscheiden. In früheren Versionen dieses Schreibens (nicht versandt, an dem Schreiben bastle ich schon seit Wochen) habe ich Ihnen anempfohlen, sich selbst auszusuchen, ob Sie zuerst mit der regionalen Leitung und dann mit den Untergebenen sprechen. Oder umgekehrt. Sie sprechen nur mit der „Leitung“ und fällen Ihre Entscheidungen. Als ich ein paar Jahre jünger war, schaute ich mir sowohl Schnitzler als auch Löwenthal an. Um die Mitte zu finden… Die sollten Sie mal suchen. Im Übrigen hatte ich auch mal Führungsverantwortung.

Die früheren Versionen dieses Schreibens sende ich Ihnen auf Verlangen gerne zu. Unredigiert, also fehlerbehaftet, weil im Zorn geschrieben…

Mit freundlichen Grüßen

Peter Petereit

(Z.Zt. beurlaubter und am 18. Mai wie ein räudiger Hund innerhalb von 10 Minuten aus dem Büro gejagter Ex-Nochmitarbeiter.)

Brief an Frau Dr. R. zur Kündigung als Integrationscoach – Teil 1

Brief an Frau Dr. R. zur Kündigung als Integrationscoach – Teil 2

Brief an Frau Dr. R. zur Kündigung als Integrationscoach – Teil 3

Nachtrag als Ergänzung:

Ein paar Gedanken so zwischendurch, nachdem ich mir Karen Larischs Landtagsrede angehört habe. Vermutlich wurde ich als „Integrationscoach“ eingestellt – um schlicht gesagt, nicht zu „integrieren“, sondern abzuschrecken. Man nehme einen beinahe zahnlosen bekennenden Alkoholiker (mich), eine berufsfamilienbetreute Analphabetin und eine vermeintlich arbeitsscheue Cholerikerin, setze sie in ein hübsches Büro und lasse sie „Integrieren“. Denn sie wissen eh‘ nicht, was sie tun. Das Gegenteil war zu zwei Dritteln der Fall. Der Alkoholiker soff nicht während der Arbeitszeit. Die Cholerikerin entpuppte sich als Menschenfreund. Beide begannen, sich das Integrieren zur Herzenssache zu machen. Das dritte Drittel lauschte und petzte. Vermutlich so jedes kritische oder belanglose Wort, welches im Büro gewechselt wurde. Nicht irgendjemandem. Nur ihrer Betreuerin. Welche, na so ein Zufall, unser Chef war. Mein Kündigungsschreiben ist mit dem 18. Mai 2017 datiert. Die erste Einladung vom JC, mich mit mir über meine berufliche Zukunft unterhalten zu wollen, betraf den 15. Mai 2017 und wurde auf den 22. Mai 2017 verschoben. Seltsame Dinge. Sehr seltsame…

Peter Petereit

Kategorie: Soziales

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