Wenn ich was zu sagen hab


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Wenn ich was zu sagen hab, noch nicht, aber bald. Dann wird sich einiges ändern, dann werden nicht mehr so viele ihr Maul aufreißen, das wird ihnen schlecht bekommen. Noch ist es nicht so weit, aber bald, das schwöre ich. Ich habe vorgesorgt, ich bin bestens versorgt, schließlich braucht es dafür einen langen Arm. Mit dem kleinen Finger bin ich schon dran, die merken es noch nicht, ich bin schlau. Vorbereitung ist alles, geschult habe ich mich selber, jahrelang.

Soll ich dir was sagen, du mußt nur die amerikanischen Filme ansehen, die brutalen, die ab 16, nein, du kannst auch Thriller, Krimis, Road-Movies, Horrorfilme aus anderen Ländern ansehen. Bei mir hat es halt mit den amerikanischen Helden angefangen, den Westernhelden. Diese Männlichkeit, diese Härte, diese Rücksichstlosigkeit, wenn es um eine gerechte Sache geht. Für Gerechtigkeit setz ich mich ein, meine Gerechtigkeit ist wichtig. Das ist das wahre Leben, aus dem gehänselten Kind wird ein Mann, ein Mann, der für sich kämpft und für die, die ihm zu Füßen liegen. Auch für Frauen, sexy, geile Frauen.

Keine Emanzen, Hausfrauenfrauen, die immer scharf sind, wenn ich komme, und ich komme immer, mehrmals hintereinander. Meine Männlichkeit steckt in jeder Pore, und das wissen diese verkommenen kleinen Huren zu schätzen. Deshalb lieb ich auch die seichten Romanzen, das hab ich entdeckt, da kann man diese Biester zum Heulen bringen, wenn man auch noch den harmoniesüchtigen Romantiker gibt, den Naturliebhaber auf dem Sofa, der mit heult, wenn ein Hundebaby in den Swimmingpool fällt, das gefällt den Ladies.

Überhaupt, das können die Amis am besten, diese Filme, alles wird gut, und sie leben glücklich bis diese Schmonzetten, wenn du das mitspielst, kriegst du die schüchternsten Bumsnudeln ins Bett, da vergessen die alles, sogar, wenn du sie schlägst, sie verzeihen dir einfach alles. Hast du verstanden? Da lernst du was, wenn du dir diese Filme reinziehst, da hab ich gelernt, Wolkenkratzer zu erklimmen, die Schönsten zu befreien, Komplotte aufzuklären, auf fahrende Züge zu springen, Nahkampf, da kann mir keiner was vormachen, meine Kugeln treffen sicher, jedes Messer werf ich dir in den kleinsten Punkt, und jetzt paß auf, du kannst dies alles nur, wenn du bereit bist, dich ganz schnell, schneller als dein Schatten, merk dir Sätze auch aus Comics, überall her, vom Actionfilm bis zur Kleinmädchenkomödie und kopier dies alles in dein Leben.

Ja, du hast richtig verstanden, wenn ich’s dir doch sage, deshalb kriegt mich auch keiner am Arsch, wen ich was zu sagen habe, bald. Denn ich bin trainiert, durch und durch trainiert, mein kleiner Finger hat die Sache, die große Sache schon berührt. Die wissen es nur noch nicht, wie ich die um meine Finger wickle. Hab alles im Griff, bin so schlau, hab sogar mehrere Brillen besorgt, von Herr Professor, zu Studienrat, zum Playboy. Kann mich anpassen wie ein Chamäleon, drehen und winden wie eine Schlange, hab’s drauf.

Komm, komm, frag mich nach einer Rolle, ich kenn sie alle, vom Mafiaboss zum Psychopathen, zum Playboy, Abenteurer, Schiffbrüchigen, Wissenschaftler, Erfinder, Astronaut bis zu den mutigsten Eroberern. Und weißt du was, ich krieg die alle so am Arsch, weil ich mich ständig verwandeln kann. Übers Internet hab ich die super Plattform, was meinst du, was ich erfinderisch sein kann, ich hab Namen und Charaktere, da träumen andere ein Leben lang von. Aber sowas von.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie man die alle um die Finger wickeln kann, copy und paste, alles ist da ständig parat. Computergesteuert, finanziert sich selbst, stellst was rein, läßt es mal durch die Plattformen schießen, alles gesteuert, alles andere Namen, alles andere Gruppen, alles automatisch, automatischen Haß. Hey, das bringt Kohle, da klingeln die Kassen, und ich übernehm bald alle eure Bedürfnisse, denn ich werde dann bestimmen, was ich will, was ihr zu tun und denken dürft. Ich, mir das Meiste. Kein James Bond kommt mir auf die Schliche. Keine freien, eigenen Gedanken mehr, denn alle wollen nur so sein wie ich. Ich hab solange schon Haß gestreut, daß sie dankbar sind, wenn ich sie atmen lasse.

Überall stehen dann die Posten, alles im Griff, alles vorbereitet, wenn ich dann das zu sagen hab, was sie sein dürfen. Keiner kommt an mich ran, denn ich kenne alle Tricks. Ich hab alles gelernt, auf der Couch, zuhause, du brauchst nur mehrere Computer, mehrere Identitäten, alles verschlüsselt, macht einer die Schnauze auf und zack ist er im Knast, da paß ich auf. Kunst nur noch, die ich liebe, Wissen nur noch, das ich auch weiß, Kinder nur noch, die so aussehen wie meine Helden und die willigen Frauen. Und weißt du was, sie werden dankbar sein und mich anhimmeln, denn sie müssen nicht mehr denken, fühlen, bloß noch so handeln, wie ich es ihnen sag.

Das mögen sie, den Helden, der alles weiß, bevor sie zu denken anfangen. Und wenn es einer mal schafft, dahinter zu kommen, einer meiner Personen beim Lügen erwischt und bumm, dreh ich das um und ich bin das arme Opfer, und bumm, hab ich die Weiber hinter mir, die mich bemitleiden und bumm, bin ich der Held, weil ich Opfer bin, ein unschuldiges Opfer. Und das können dann alle lesen, in meinen Büchern steht das drin, alles natürlich fingiert, andere Namen für die Autoren, andere Namen für Verlage, andere Namen für die Helden, meinetwegen auch mal eine Mutterfrau, die sich die Augen ausweint für ihren so heiß geliebten Ernährer, dem sie alles zu verdanken hat.

Merkt keiner, hab’s bereits mehrfach ausprobiert. Wenn ich was zu sagen habe und das habe ich bald, dann ich bin das heldenhafte Opfer, der sich als Held aufopfert. Und das alles von meiner Couch aus, hinter mir ein paar von mir verfaßten Bücher, vor mir der PC, und da brülle ich jetzt zum Endspurt meine ganzen Wutattacken raus, denn ich bin so sensibel, ich halt’s nicht aus, wenn meinen Helden etwas passiert, das lasse ich nicht zu, da spürt ihr meine Wut. Nein, sag nichts, du blöder, beschissener Computer, du Verräter, du verlogener Mistkerl, du verblendeter Wichtigtuer, von dir lasse ich mir nichts sagen, gar nichts, denn ich bin der Herr der Schalter. Verdammter Stromausfall, Sabotage, zeigt eure Gesichter, ihr Feiglinge, ihr Denunzianten, ich will doch nur spielen. Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun, Norman Bates, Psycho, den kenn ich noch gar nicht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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