Rollenverteilung der Geschlechter im Diskurs zur Realität


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Emanzipation zwischen Gewalt und hemmungslosen Trieben

Ein jeder logisch Denkende weiß es ohnehin, Menschen könnten auf Erden untereinander in Freude und Harmonie zusammenleben, wenn da nicht der alltägliche Haß, das kriegstreiberische Handeln sich stets gewaltvoll durchsetzen würde. Im Tierreich dient der sexuelle Trieb der Fortpflanzung, der Homo sapiens lebt all seine sexuellen Phantasien normalerweise im gegenseitigen Einvernehmen lustvoll aus.

Wenn es aber zur sexuellen Gewalt kommt, endet der Humanismus stets beim Geschlechterkampf, ebenso dramatisch gleichgeschlechtliche Übergriffe hier mal ausgeklammert. Was initiiert den zivilisierten Menschen, hemmungslos seinen Trieben zu folgen, wie man weltweit immer wieder beobachten darf?

Vergiß die Peitsche nicht – Nietzsche vs. politischer Fehlleistung?

Betrachtet man heutige Beziehungen genauer, kann man nur feststellen, daß nach wie vor oftmals die uralten Modelle der angedachten Rollen zwischen Frau und Mann gelebt werden. Das hat niemand weiter zu interessieren, solange solche Paarkonstellationen damit zurechtkommen, dabei freiwillig und nicht mittels einseitig unterwürfiger Unterdrückung. Es gibt sogar umgekehrte Fälle der Geschlechterrollenverteilung: Die Frau übernimmt die männliche Dominanz, während der Mann sich als „Schwächerer“ fügt.

Was allerdings dem Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche gern als üble Nachrede in den Mund gelegt wird, um dadurch Frauen erst recht zu diffamieren, offenbart die geschickt benutzte Tragweite in vollen Zügen. Das „alte Weiblein“ antwortete in Nietzsches Dichtung „Also sprach Zarathustra“ bei dessen Begegnung: „Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!“, woraufhin später das gern benutzte Zitat: „Wenn du zum Weibe gehst, vergiß die Peitsche nicht!“ entstand.

Jedoch widerspricht dieser Kontext so gänzlich dem Wesen Nietzsches selbst, der alles andere als ein Verächter der Frauen war. Nicht nur, daß er sich tief beeindruckt mit Frauenrechtlerinnen umgab, sie unterstützte, war die Antwort des „alten Weiblein“ selbstverständlich völlig ironisch gemeint. Was aber berechtigt Männer dazu, dennoch Frauen bis heute dermaßen brutal zu behandeln? Verebbt der politische Wille dabei einfach?

Dem Mißbrauch von Religionen entgegentreten – HarrasMap hilfreich

In weiten Teilen Afrikas, selbst in nichtislamischen Kulturen wird weibliche Genitalverstümmelung praktiziert, so daß man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen darf mit der simplen Behauptung, der Islam würde ohnehin die Triebhaftigkeit des Mannes durch dessen Religion fördern, was Frauen veranlaßt, sich teilweise oder ganz zu verhüllen.

Das entspricht ganz sicher nicht dem Koran, der gern falsch ausgelegt oder durch Weglassen instrumentalisiert wird, unabhängig davon, daß es sowieso viele verschiedene islamische Strömungen gibt, bis hin zur selbst zu entscheidenden, religiösen Anwendungspraxis, in wie weit die Religion umgesetzt wird.

Sexuelle Gewalt an Frauen findet weltweit statt, vorgeschobene, religiöse Ausreden dienen leider als Alibi, was ziemlich leicht entkräftet werden kann. Vorkommnisse in Indien, Brasilien und auch in Ägypten belegen dies. Nur zwei Jahre nach dem Ägyptischen Frühling, der so hoffnungsvoll die Menschen auf den Tahrir-Platz strömen ließ, hat sich dieser denkwürdige Ort in eine Bühne sexueller Gewalt verwandelt.

Jene Form der Gewalt fand bereits zu Mubaraks Zeiten statt, seit 2005 war dies eine Taktik gegen Aktivistinnen, um sie nachhaltig einzuschüchtern. Die ein Jahr zuvor nach Ägypten übergesiedelte US-Amerikanerin, Rebecca Chiao, konnte hierbei nicht tatenlos zuschauen, gründete deshalb die Organisation „HarrasMap“, wo sich sexuell belästigte Frauen anonym melden können. Für die Kampagne arbeiten hunderte freiwillige Helfer/innen, Ziel und Zweck ist eben nicht das Abwarten, bis eine träge Regierungspolitik handelt, sondern vor Ort den Betroffenen zu helfen, das Bewußtsein der Frauenrechte zu schärfen, darüber hinaus berät HarrasMap Initiativen in 15 anderen Ländern.

Gewalt gegen Frauen offenbart eine demütigende Wirklichkeit

Männer sitzen in den Chefetagen und bestimmen über das Leid und Wohlergehen ihrer Angestellten, ihrer Bürger, nehmen die machtvollen Eigenschaften mit sich nach hause, höchst privat und sehr intim, ganz eingenommen in ihrer gewohnten Rolle, – einmal die weiblichen Ausnahmen ausgeklammert.

Hierzulande sollen es bei Managern ohnehin fast 90 Prozent sein, deren Posten männlich besetzt sind. Und dann diskutieren wir über Emanzipation seit über vierzig Jahren, während dort draußen weltweit Frauen achtlos gedemütigt, geschlagen, mißachtet und vergewaltigt werden? Klar doch, Menschenrechte sollten eine Selbstverständlichkeit sein in „zivilisierten“ Gesellschaften – das Gegenteil offenbart eine demütigende Wirklichkeit!

Solange immer noch selbst kleinste sexuelle Belästigungen als Kavaliersdelikt heruntergespielt in Amtsstuben der Gerichtsbarkeit, in Polizeiwachen und Fluren von Regierungsbüros hingenommen werden, ohne daß die Gesellschaft wirklich diese mit Nachdruck ächtet, dürfen sich solche Verhaltensweisen meist ungestraft weiterhin ausbreiten, so als ob dies das Normalste der Welt wäre.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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