Konkret der Konkurrenz ein Schnippchen schlagen


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Differenzierung wohin das Auge reicht?

Es ist nicht abzustreiten, wenn eine Aussage konkret formuliert wird, kann man selbst bei einer anschließenden Diskussion besser inhaltlich auf diese Aussage reagieren. Denn je konkreter, desto weniger kann man schließlich irgendetwas hineininterpretieren, daß möglicherweise, wahrscheinlich, eventuell auch gemeint sein könnte.

Konkret, von lateinisch concretus zusammengewachsen, verdichtet, concrescere, zusammenwachsen. Andere Begriffe sind existent, exakt, eindeutig, präzise, greifbar, tatsächlich, unzweideutig, real.

Interessant ist nicht nur, die Zusammenstellung des Begriffes durch „con“ // “com“ (zusammen, mit, gemeinsam, zugleich) und „crescere“ (wachsen), sondern auch die beiden Synonyme für dieses Wort, eindeutig, unzweideutig.

Schließlich besagt es nichts anderes, als konkret kann nur sein, wenn bereits im Vorfeld über eine Sache, Gedanke Überlegungen stattgefunden haben, dann erst ist es real, faktisch. Wobei das Zusammenwachsen nicht ausschließt, daß es sich hierbei um verschiedene konträre Sachverhalte handeln kann. Somit gibt es eine eindeutige Aussage nur, wenn zweideutige Auslegungen ausgeschlossen sind. Konkret bedeutet also nicht etwas zu zerpflücken, sondern etwas zusammenzufügen, verschiedene Positionen zusammenfassen.

Gerade im täglichen Miteinander, in Erziehungsfragen ist es unabdingbar, konkrete Anweisungen, Aussagen zu tätigen, oder? Und gilt dies für weit weniger wichtige Angelegenheiten, sollte doch davon ausgegangen werden, im politischen Gesprächen, Verhandlungen sowieso. Manchmal scheint gerade in politischen Fragen das Zerfleddern, das Zerpflücken, das Konkurrieren eine größere Rolle zu spielen, so als ob ein Zusammenwachsen nicht geduldet wäre.

Konkurrieren, von lateinisch concurrere, zusammenlaufen, -treffen, (feindlich) aufeinanderstoßen, gebildet aus currere, laufen. Nicht vorenthalten werden soll, daß im 16. Jahrhundert die allgemeine Bedeutung „zusammentreffen“ galt und die jetzige Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert Zugang in unsere Sprache gefunden hat. Andere Begriffe sind wetteifern, wettstreiten.

Dies ist deshalb wichtig zu erwähnen, da ein Zusammentreffen nicht explizit eine negative Konsequenz nach sich zieht, sondern lediglich aussagt, ein Zusammentreffen fand statt. Die heutige Bedeutung hingegen weist eindeutig, konkret, unzweideutig auf Rivalität, gegensätzliche Positionen hin. Und das obwohl in diesem Wort auch „con/com“ zusammen, gemeinsam, steckt.

Konkret gibt es vier Ansätze, die zusammenlaufen bedeuten können. Das Zusammenlaufen, um etwas zu bestaunen, sehen, begutachten, protestieren, zum Feiern und das gemeinsame Laufen zu einem Ziel. Das Zusammenlaufen, unabsichtlich in jemand hineinlaufen, absichtlich in jemanden hineinlaufen, um ihn zum Sturz zu bringen. Das letztere wäre im Sinne des Wortes und seiner Herkunft (latein) erklärbar bei Anwendung für eine Kampfübung. Diese Form des Kampfes, sich mit seinem Körpergewicht gegen einen „Feind“ zu werfen, war, ist nicht unüblich bei Kampfsportarten.

Konkurrieren ist demnach in unserem heutigen Sprachverständnis eigentlich nicht mehr ein Zusammenlaufen, sondern ein Umstoßen, Wegstoßen, zu Boden werfen, also ein „anti“ (gegen) currere (laufen). Nicht zusammen, gegeneinander laufen, weg von einander.

Dieses Gegeneinander „anti“ wird besonders hervorgehoben bei Wettbewerben jeglicher Art, bei Vergleichen, überall dort wo anhand von (konkreten?) Statuten eine Verschiedenartigkeit, Vor- Nachteile heraus gelesen werden kann. Differenzierung wohin das Auge reicht, von der Geburt bis zum Tod.

Nun ist natürlich eine Differenzierung an und für sich keine schlechte Handlungsweise und generell zu verneinen, aber es ist zu bedenken, ob es nicht sinnvoller wäre, Unterscheidungen nicht dafür zu benützen andere umzustoßen, sondern mit anderen zusammenzulaufen, zusammenzuwachsen, concrescere.

Konkret bedeutet dies, es wird, kann keine Zusammenarbeit (Team) geben, in keiner Konstellation, wenn nicht eine faktische Aussage zum gemeinsamen Handeln und Verantwortung vorliegt. Anders ausgedrückt, wer Überschneidungen verneint, wer permanent Grenzen zieht, anstatt in übergeordneten, losen Verbindungen zu denken, wird gleichzeitig dazu beitragen, daß es zu „feindlichen“ Zusammentreffen kommt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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