Erdogans Hofierung eine unerträgliche Entgleisung


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Politisch schmutzige Geschäfte ignorieren berechtigte Proteste

Alle Welt weiß es schon länger, entsprechende Politiker unternehmen faktisch so gut wie nichts, ob ein Wladimir Putin, ein Donald Trump oder eine Angela Merkel, sie alle lassen diesen türkischen Präsidenten gewähren, ein wenig Aufregung hie und da, im Endeffekt bedeutet Erdoğans Hofierung eine unerträgliche Entgleisung vor allem für diejenigen, die in der Türkei betroffen nach den Säuberungswellen des angeblichen Putsches im vergangenen Jahr.

Politisch schmutzige Geschäfte ignorieren berechtigte Proteste, die letztlich im Sande versickern, weil niemand diesen Despoten aufhält. Argumente, das verhalte sich generell genauso woanders, wenn es um Waffengeschäfte gehe, nützen den Betroffenen in der Türkei recht wenig. Das Leid vergrößert sich tagtäglich, während dem „türkischen Pascha“ keine Grenzen gesetzt werden, ganz im Gegenteil: Die anhaltende Ignoranz trotz etlicher Verfehlungen dieses Präsidenten beflügelt ihn, einfach seinen unerbittlichen Kurs fortzusetzen.

Literaturdozentin Nuriye Gülmen inzwischen in Lebensgefahr

Ein Kemal Atatürk würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erleben müßte, was dieser Recep Erdoğan sich in der Republik Türkei erlaubt, wie er Frauen dort behandelt und deren Rechte mißachtet. Als die Literaturdozentin Nuriye Gülmen ihren Protest gegen die unberechtigten Entlassungen zehntausener Akademiker im November des letzten Jahres begann, sprühte die „Heldin von Ankara“ voller Zuversicht und Elan, hat eine hohe Anhängerschaft hinter sich, obwohl das türkische Regime ihr und den anderen schnell unterstellte, sie wären beim Putschversuch beteiligt gewesen.

Dabei ist sie keine Unbekannte, vielmehr eine unbequem Protestierende seit etlichen Jahren, nahm an linken Demos teil, saß für über ein Viertel Jahr im Hochsicherheitsgefängnis wegen angeblicher Terrorpropaganda. Die Türkei nutzt ihren Polizei- und Militärapparat, sperrt einfach Menschen weg, schließlich geriet sie unter diejenigen 648 Akademiker, die Erdogan per Dekret entgültig entließ. Jetzt stirbt sie vor unser aller Augen, ihr vor zwei Monaten begonnener Hungerstreik hinterläßt seine deutlichen Spuren, bleibt nicht folgenlos. Trotzdem gibt Nuriye Gülmen noch längst nicht auf, jetzt am Sonntag werden die Mitglieder der Organisation „AkademikerInnen für den Frieden“ in Köln ihren Protest kundtun.

Der Despot wird weiterhin weltweit hofiert

Auch ein Wladimir Putin empfängt diesen Erdoğan in Sotschi, die Geschäfte müssen schließlich weiterlaufen, scheinbar egal, was dort im Lande seines Besuchers geschieht. Welch weltweite Doppelmoral seitens sämtlicher Politiker, auch wenn es bei diesem Empfang um diplomatische Bemühungen im Syrien-Krieg ging, Erdogans Kurdenfrage bleibt unerwünscht.

Inwieweit die anderen Mächte ticken, darf er nunmehr bei den USA erleben, die gar den Kurden Waffen liefern. Der Despot tobt, verhindern kann er solche Geschäfte keineswegs. In diesem Fall werden die Verflechtungen, Allianzen beim Syrien-Krieg mal wieder deutlich sichtbar, einerseits gilt es, den IS und den Terror in seine Schranken zu weisen, andererseits stehen sich unterschiedliche Interessen in Syrien gegenüber, wobei der neu entflammte kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten nicht gerade für Stabilität sorgt. In der Türkei leidet das Volk unter jenem Despoten, die Welt schaut zu, berechtigte Proteste haben keine durchgreifenden Konsequenzen.

Nichts vermag uns mehr Sorgen bereiten als eine direkte Lebensbedrohung. In einer Welt zunehmender Waffengewalt gibt es bald keine Rückzugsmöglichkeiten. Die einzige folgerichtige Konsequenz daraus: Frieden schaffen ohne passives Gaffen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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