Emmanuel Macron besiegt überdeutlich Marine Le Pen


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Rechtsradikalismus wird in seine Schranken verwiesen

Sicher doch knallen manche Sektkorken, die Freude hat durchaus ihre Berechtigung, denn für Europa wäre ein französischer Rechtsruck alles andere als wünschenswert. All jene, die es immer noch nicht begriffen haben: EU-Kritik unbedingt scharf anwenden, ist folgerichtig, ein Europa zurück zum Nationalismus bedeutet sowohl eine Sackgasse als auch Kriegsszenarien untereinander, die Geschichte würde sich wiederholen. Genau deshalb tritt Frankreichs neuer Präsident an, will Extreme überzeugen.

Während gerade die Linken sich hierzulande deutlich spalteten, zwischen denjenigen, die eine Marine Le Pen verhindern wollten, in dem sie dazu aufriefen als „kleineres Übel“ bei der Stichwahl für Emmanuel Macron zu stimmen und den anderen, die rieten, aus Protest nicht zu wählen, setzten die Franzosen am Sonntag ein Zeichen, verwiesen den Rechtsradikalismus wie schon zuvor bei der ersten Wahl im April in seine Schranken. Gut so!

Agenda 2010-Politik und neoliberale Szenarien folgen auf dem Fuße

Emmanuel Macron hatte es bereits in seinem Wahlprogramm angekündigt, daß die Franzosen den Gürtel enger schnallen müßten. Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Zwar benutzte er nicht dieselben Formulierungen wie zuvor die deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder, dennoch kocht auch ein Macron nicht mit Wasser, sondern wird seinen neoliberalen Kurs, den er von der Pike auf erlernte, einsetzen. Schließlich wollen Konzerne und die Hochfinanz bedient werden, eben nicht auf ihre Pfründe zugunsten des kleinen Mannes verzichten.

Wer jetzt meint, der achte Präsident der fünften Republik würde keine Stimmenmehrheiten im Parlament erhalten, obwohl En Marche noch als kleine Partei dort vor sich hindümpelt, könnte eines Besseren belehrt werden. Wenn es ums Geld geht, schweißen sich schnell Allianzen zusammen. Dennoch werden sowohl die Linken unter Jean-Luc Mélenchon als auch Marine Le Pens Front National oftmals ins selbe Horn blasen, um der EU auf die Füße zu treten. Zurecht, obendrein gemeinsam ziemlich stimmgewaltig. Genau dies könnte Emmanuel Macron zum Verhängnis werden. Insofern gilt es für ihn, tatsächlich Alternativen auszuarbeiten, manche neoliberale Szenarien auszulassen. Eine mögliche Patt-Situation?

Europa darf zunächst aufatmen – französische Wahl läßt AfD stagnieren?

Selbst wenn diese AfD am Sonntag den Sprung ins zwölfte Landesparlament erreichte, höchstwahrscheinlich ebenso in knapp fünf Monaten in den Deutschen Bundestag gewählt wird, so darf man jetzt schon davon ausgehen, daß jener Rechtsradikalismus eindeutig mehrheitlich als unerwünschte Randerscheinung gerade noch punkten kann.

Schlimm genug, daß sich europaweit etliche Menschen einlullen lassen, auf dermaßen simple Haß-Propaganda der Rechtsradikalen hereinzufallen, die eben keine Politik für die Belange der Menschen bereit halten, vielmehr schärfer auftreten als Neoliberale, obendrein Toleranz und etliche andere Errungenschaften lieber abbauen, somit nicht im geringsten Alternativen anbieten, letztlich auch Konzerne und Hochfinanz bedienen. Kommt uns dies nicht bekannt vor, wenn wir mal achtzig Jahre zurückdenken?

Europa darf zunächst aufatmen, sollte aber weiterhin sehr wachsam bleiben. Spekulationen, eine Marine Le Pen würde spätestens in fünf Jahren gewählt werden, mögen eintreten können, aber auch nur, wenn die jetzige Politik unter Emmanuel Macron es versäumt, die überdeutlichen Zeichen zu mißachten, ein „Weiter so wie bisher“ anstrebt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Eine Antwort zu Emmanuel Macron besiegt überdeutlich Marine Le Pen

  1. jpwpsite schreibt:

    Der Artikel beschreibt exakt das , was in den franz.Medien erst gestern früh beim Radiosender France Culture so kolportiert wurde. “ Der Kampf gegegen Rechts“ meiner Ansicht nach ein ehrenvolles Unterfangen.
    Leider , bei genauerer Betrachtung eine Täuschung wenn man die Hintergründe von Macron und seinen Förderern betrachtet.
    Weiterfrührende Infos zB bei Voltairenet auch auf Deutsch.
    Recherche darf auch tiefer gehen , vordergründig ist der Artikel nicht zu beanstanden.
    Ansonsten was die Bedenken für dieZukunft Frankreichs anbelangt , sehe ich das genauso.
    Beste Grüße Jörg

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