Innehalten bei der Arbeit


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flickr.com/ ThomasKohler/ (CC BY 2.0)

Ein Ende der Schulen als „Drillstätten“

Wenn man davon ausgeht oder überzeugt ist, Müßiggang sei aller Laster Anfang, dann sollte man kein Kind mehr in die Schule schicken. Das klingt verwirrend oder etwa nicht? Die vielen Forderungen und Verweise das Schul- und Bildungssystem zu reformieren, ist seit Jahren ein nicht enden wollendes Thema. Einige Schulen haben bereits die Unterrichtsformen an die Bedürfnisse der Schüler angepaßt, wenn man diese Umstrukturierungen so nennen kann. Das Thema ist ein breitgefächertes Problemkonstrukt, das sicher nicht mit einem für alle zufrieden stellenden Konzept gelöst werden kann. Zu unterschiedlich sind die Ansätze und Möglichkeiten für eine Umsetzung in der Praxis, sprich Schule.

Schule, mittelhochdeutsch schuol(e), althochdeutsch scuola, abgeleitet vom lateinischen schola, die Unterricht(sstätte); Muße, Ruhe. Ursprünglich übernommen vom griechischen scholḗ, das Innehalten (bei der Arbeit).

Auf den ersten Blick ist hier ein enormer Widerspruch zu erkennen zwischen der Aussage des Wortes und der tatsächlichen Umsetzung des Begriffes. Die harte Schule des Lebens wäre demnach das harte Innehalten (Muße, Ruhe) des Lebens. Und somit hätten und haben Generationen die Schulstätten als Drillstätten für die Schüler sowie für den Lernstoff „mißbraucht“.

Noch heute zählen Menschen, die lernen, studieren oder einem hauptsächlichen geistigen Beruf nachgehen, oftmals noch als „“Faulenzer“. Menschen, die sich vor der Arbeit drücken, in ihren Zimmern über Büchern hängen, anstatt mit körperlicher Arbeit etwas für die Gesellschaft zu leisten. Das Innehalten, die Pausen, das Rasten gilt immer noch als sich vor der Arbeit drücken.

Viele künstlerische Tätigkeiten werden zudem als brotlose Kunst abgetan, und Menschen, die sich schöpferisch ausdrücken möchten, wird angeraten, zuerst einen ordentlichen Beruf zu erlernen, etwas Handfestes soll es sein, mit dem man sein Leben bestreiten kann. In diesem Zusammenhang sei an all die Menschen erinnert, die durch ihr Wirken bis in unsere Zeit, Schriften, Bilder, Musik, Skulpturen hinterlassen haben und dennoch teilweise erbärmlich, bitter arm gestorben sind.

Auf den zweiten Blick läßt sich erkennen, das Innehalten von der Arbeit eben auch bedeutet, dies war eine Pause, eine Rast, die Arbeit, das tägliche Quantum an notwendiger Leistung, um den Acker zu bestellen, die Früchte vom Feld zu holen, muß fortgesetzt werden, um nicht Hungers zu sterben.

Man kann davon ausgehen, daß es inzwischen die meisten Menschen wissen, geistige Arbeit ist genauso erschöpfend wie körperliche. Die Schüler sind nicht mehr einem ständigen Druck ausgesetzt wie noch vor hundert oder fünfzig Jahren, jedenfalls wenn man die jetzigen Situationen an den Schulen nicht zu „streng“ beurteilt. Denn es gibt auch jene, die „Schule“ unterstellen, zu lax zu handeln in Bezug auf die Schüler und den Unterrichtsstoff.

Bleibt die Frage, wie kann es überhaupt zu dem Begriff „innehalten bei der Arbeit“ als Stätte für Unterricht und Bildung gekommen sein? Sicher könnte man zu dieser Frage ganze Abhandlungen schreiben, die möglichst viele Einflußmöglichkeiten in Erwägung ziehen, dennoch wird es nicht gänzlich zufriedenstellende Antworten geben. Was heute daraus gelernt werden kann, ist allerdings die Aussage, die inzwischen nicht nur eine bloße Erkenntnis darstellt, sondern auch von Therapeuten und Ärzten bei den unterschiedlichsten Erkrankungen genannt wird: In der Ruhe liegt die Kraft!

Vielleicht ist es an der Zeit, festzustellen, das Innehalten, die Muße, die Ruhe eine stärkere Kraft „freilegt“, nicht nur bezogen auf körperliche Ausdauer, ebenfalls auf geistige Auffassungsgabe. Wenn es Schule macht, beides gleichwertig zu belohnen, zu behandeln, zu respektieren, dann könnte „die Arbeit“ die Schule, das Innehalten, die Ruhe sein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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