Ist man ohne Kapital kaputt?


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Ein Nichts, wer keinen Stich mehr macht?

Das Mau-Mau-Kartenspiel oder seine ähnlichen Spielvarianten sind, abgesehen von Legespielen mit Karten, die wohl am meisten gespielten Erstkartenspiele für Kinder. Ihre Spielregeln sind recht einfach und sie erhalten die Faktoren der Spielfreude innerhalb eines Spieles, aussetzen, zwei ziehen, Spielfarbe wählen, um nur drei der Möglichkeiten aufzuzählen. Dieser Reiz während des Spiels jemanden dadurch am Gewinnen zu behindern, ist oftmals, selbst nachdem man verloren hat, die versteckte glorreiche Freude. Und ein Antrieb nochmals zu spielen, um jetzt geschickter den Mitspieler auszustechen.

Beim Skatspiel oder beim Doppelkopf werden die Karten, die man gewonnen oder nicht gewonnen hat (zum Beispiel beim Null Ouvert Spiel), Stich genannt. Aus dem französischen Sprachgebrauch wurde „ohne Stich sein“ in unsere Sprache übernommen.

Kaputt, caput (capot) machen, französisch (Kartenspiel) être/faire capot, ohne Stich sein. Laut Duden Herkunft ungeklärt, was wieder einmal zeigt, daß hier ein offensichtlicher Zusammenhang nicht berücksichtigt wurde. Andere Wörter für kaputt sind entzwei, defekt, beschädigt, gebrochen, matt, müde, ausgelaugt, abgekämpft.

Auch wenn man es manchmal nicht für möglich hält, erscheint die Welt wie ein Spiel. Es gibt sogar regelrechte Verfechter der Behauptung, das Weltgeschehen sei vergleichbar mit Monopoly. Monopoly, das Spiel, das damit startet, indem jeder Spieler das gleiche Grundkapital bekommt und er durch geschickte Züge zum Vermehrung seines Kapitals den größten Besitz anhäuft. Nun, es kursieren über die Art der Taktik verschiedene Versionen, wobei das Zufallsprinzip sogar als nicht bestimmend sei, zum Erfolg.

Das Kapital, vom italienischen capitale bedeutet Grundsumme, Kapital, übernommen aus dem lateinischen capitalis, kapital. Synonyme für Kapital sind Barschaft, Finanzen, Geld, Vermögen, Rücklage.

Das Adjektiv „kapital“ ist ein Ausdruck für außergewöhnlich, enorm, ungeheuer, ungewöhnlich. (Ein kapitaler Hirsch, kapitaler Fehler). Das Wort stammt vom lateinischen capitalis ab, vorzüglich, hauptsächlich.

Und so war auch überleitend für Kapitän der Begriffsgeber. Kapitän, spätlateinisch capitaneus, durch Größe hervortretend, gebildet durch das Wort caput, Kopf, Stütze, Haupt. Der Kapitän, das Haupt, die Spitze ist der Führer auf Schiffen, Flugzeugen, Mannschaften.

Haben Sie die Zusammenhänge inzwischen verstanden, kapiert? Ach ja, das Wort fehlt noch bei der Erklärung.

Kapieren, vom lateinischen capere, nehmen, fassen, begreifen, entstanden durch die Schülersprache. Andere Ausdrücke sind erkennen, mitbekommen, innewerden, checken, durchsteigen, verstehen, realisieren.

Setzt man voraus, daß zur Sprachbildung zuerst die Substantive (siehe Hieroglyphen) zu ihren Namen kamen, würden wir hier das Wort caput als Begriffsanfang zugrunde legen. Caput, der Kopf, die Stütze, das Haupt. Capitaneus, durch Größe hervortretend, Führer einer Gruppe, capotalis, vorzüglich, hauptsächlich, capere, nehmen, fassen, begreifen. Diese vier Begriffe kann man ohne weiteres als Grundbegriffe für die daraus erschließenden Wörter benennen, denn sie ergänzen sich in der Vorstellung, die man sich von einem „leitenden Menschen“ hat.. Kopf, Große hervortretend, (selbstbewußt), vorzüglich (außergewöhnlich), nehmen, fassen, begreifen (verstehen, erfassen, nachvollziehen).

Das Kapital (Haupt, Kopf) ist demnach die Fähigkeit, durch Größe (auch geistige) sich vorzügliche, (auch hauptsächliche) Sachen, Dinge, Wissen zu erfassen, zu begreifen, zu nehmen.

Kaputt, (dessen Herkunft ungeklärt zu sein scheint) bekommt durch diese Auflistung einen anderen Stellenwert, oder? Wenn man kein Kapital, keine Größe, nicht außergewöhnlich ist, nichts begreifen, nehmen kann, also keinen Stich machen kann, dann ist man kaputt, dann hat man verloren, oder?

Möglicherweise, eventuell liegt hier ein kapitaler Denkfehler vor, der sich über, sagen wir ganz frech, Jahrhunderte in den Köpfen festgesetzt hat, obwohl es philosophisch, religiös und sogar aus manchen staatlichen Gesetzesentwürfen zu erfassen ist, daß dies nicht den Tatsachen entsprechen kann. Und zwar dann, wenn man zum Beispiel Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes verinnerlicht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Und zwar dann, wenn man sich zum Beispiel die christlichen Werte Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Recht verinnerlicht. Und zwar dann, wenn man sich die verschiedenen Ethikvorstellungen sämtlicher philosophischer Richtungen verinnerlicht.

Dann bedeutet dies, daß das Kapital eines Menschen nicht von seiner Größe, seiner vorzüglichen Leistung, seiner Fähigkeit des Begreifens abhängig ist, sondern einzig und allein, daß er ist.

Solange aber Menschen nur nach Größe, Vorzüglichkeit, ihrer Auffassungsgabe (des Verstandes) wertgeschätzt werden, wird sich auch in Zukunft, egal unter welcher Flagge das Schiff über die Welt segelt, nichts ändern. Dafür müßte schon der Wille und die Bereitschaft zu einem neuen Kapitel des Verständnisses gelebt werden.

Vorausgesetzt die Menschen besitzen genügend außergewöhnliche Köpfchen. Kapitel, mittellateinisch capitulum, Kapitel(überschrift), lateinisch capitulum, Köpfchen; Hauptabschnitt, abgeleitet von: caput, Kapitän.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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