Xavier Naidoo: „Marionetten“ schießt gänzlich übers Ziel hinaus


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Vom kritischen Soul- und R&B-Sänger zum Bereicherer des Rechtsradikalismus

Ein trauriger Tag für all diejenigen, die Gewalt, Verschwörungstheorien konsequent ablehnen, weil sie gern gerade von fanatischen Rechtsextremen mißbraucht werden. Die Söhne Mannheims veröffentlichten mit ihrem Song „Marionetten“ , in dem Frontman Xavier Naidoo als Sänger wirkt, eine eindeutige Homage an die Reichsbürgerszene, schießen somit gänzlich übers Ziel hinaus.

Konnte man bei Xavier Naidoo noch ein Auge zudrücken, wir berichteten im Dezember 2015 über dessen Song „Nie wieder Krieg“, der auf Skepsis stieß, schaut die Lage inzwischen anders aus. Was war geschehen? Haben wir den bisherig kritischen Soul- und R&B-Sänger in etwa unterschätzt, zunächst ihm abgenommen, künstlerische Freiheit beinhalte auch die Auseinandersetzung grenzwertiger Themen wie bei sogenannten Reichsbürgeranhängern, auf die er sich bei der Mahnwache für den Frieden am 03. Oktober 2014 einließ?

Zunächst war bis dato Xavier Naidoo stets ziemlich engagiert, gerade Rechtsradikalismus nicht zu dulden, obwohl schon 2012 sich die Linksjugend Solid sowie der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) angegriffen fühlten aufgund des Gemeinschaftsprojekts Xavas und des Albums „Gespaltene Persönlichkeit“, in dem gar Kinderschänder mit Schwulen gleichgesetzt würden. Xavier Naidoo wiegelte ab, es seien Fehlinterpretationen der Kritiker.

Wie lange werden Künstlerkollegen diesem Sänger noch beipflichten, ihn verteidigen können, in wie weit dessen Musik und vor allem Textzeilen zu rechtfertigen sind? Beim ESC-Eklat fruchtete eine solche Solidarität zunächst, 121 Kunstschaffende verteidigten ihn im Feuilleton auf einer ganzen Seite der FAZ. Allerdings meint er nunmehr, er müsse seine Botschaften erst recht platzieren, die fragwürdiger denn je.

„Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein? Seht ihr nicht, ihr seid nur Steigbügelhalter? (…) Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter.“

So der Refrain im Song „Marionetten“. Bekanntlich bezeichnen Reichsbürger „Sachverwalter“ als handelnde Staatsorgane. Sicher doch mag Puppenspieler abwertend genannt werden, die irgendwie Politik beeinflussen, aber spätestens mit dieser Liedzeile entlarvt Xavier Naidoo seine widersprüchliche Haltung:

„Wenn ich so einen in die Finger krieg, dann reiß ich ihn in Fetzen. Da gibts auch kein Verstecke hinter Paragraphen und Gesetzen.“

Ein Aufruf zur Gewalt, obwohl er sich doch bisherig stets als Botschafter der Liebe verstand? Da paßt einiges nicht zusammen! Einerseits gibt es de facto genügend kritische Stimmen, die keineswegs die Hände in den Schoß legen, gerade sehr engagiert gegen das Kriegstreiben des entfesselten Hegemon sich verwahren, andererseits scheint Xavier Naidoo hinzunehmen, daß inzwischen längst rechtsradikale Gruppierungen ihm huldigen, er insofern Steilvorlagen bietet in seinen Liedtexten.

Dieser Musiker scheint den verkehrten Ratgebern auf den Leim zu gehen. Wer bereits wie er selbst ein Interview beim Compact-Magazin gab, obwohl die Haltung eines Jürgen Elsässers überdeutlich sich offenbart, dieser bekanntlich unter all jenen sich nahtlos einreiht, die man durchaus als „rechtsradikale Rattenfänger“ bezeichnen sollte, darf sich nicht wundern, wenn er berechtigt argwöhnisch beäugt wird. Er hätte gut daran getan, mal genauer hinzuschauen, in welche Kreise er sich begibt. Zumal derartige Texte wie im Song „Marionetten“ in Widerspruch zur Haltung selbst enger Musikerkollegen stehen sollten, denkt man beispielsweise an Wolfgang Niedecken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Musik

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2 Antworten zu Xavier Naidoo: „Marionetten“ schießt gänzlich übers Ziel hinaus

  1. Nemesis schreibt:

    Solange der Autor den richtigen Ratgebern folgt, ist ja alles Gut !

    Mochte diesen Sänger noch nie. Ist mir zu „schmalzig“ und Mainstream.

    So nebenbei.

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  2. _j schreibt:

    Bitte richtig hinhören: „Wenn ich so einen in die Finger krieg, dann reiß ich ihn in Fetzen. Da gibts auch kein Verstecke hinter Paragraphen und Gesetzen.“ bezieht sich auf die Pizza-Gate Sache also Kinderpornografie etc.. Das kommt im Text vor bitte mehr im Zusammenhang sehen. Alles in allem hört sich der Song für Mich an als ob Er einfach mal sein Frust über die Politik loswerden wollte. Nicht mehr und nicht weniger. „…Kunst ist wenn jeder etwas anderes darin sieht…“! Einen schönen Tag noch.

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