Von Einschüchterung zur Bösartigkeit


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Selbstherrliche Menschen mißtrauen Herzlichkeit

„Des isch a schiecher Hund!“ Wer aus dem Süden Deutschlands und aus Österreich kommt, wird den Satz automatisch „übersetzen“. Er bedeutet, das ist ein häßlicher Hund! Oder je nach Situation, ein gereizter, ein böser Hund.

Schiech, mittelhochdeutsch schiech ist abgeleitet von scheu. Synonyme für schiech sind häßlich, scheußlich, ärgerlich, wüst, sauer, wütend.

Jetzt stellt sich die Frage, wie kann aus scheu, häßlich, böse werden?

Scheu, mittelhochdeutsch schiech, scheu, verzagt, abschreckend, häßlich.

Immer noch nicht verständlich? Was bedeutet scheu denn noch? Schüchtern.

Schüchtern, ursprünglich scheu gemacht (von Tieren), aus dem Niederdeutschen, zu mittelniederdeutsch schüchteren, (ver)scheuchen; scheu weglaufen, Weiterbildung von scheu(ch)en. (Duden)

Scheuen, mittelhochdeutsch schiuhen, besagt Hemmungen haben, zurückschrecken, ausweichen, vermeiden, zusammenzucken, durchgehen, davonstieben, den Schwanz einziehen, sich herumdrücken, in Panik geraten.

Scheu an und für sich ist nicht als schlechte Charaktereigenschaft zu benennen, vorausgesetzt allerdings, das Scheusein ist eine persönliche Befindlichkeit und nicht „anerzogen“.

Anerzogen durch Einschüchterungen, Ängste, Zwänge, Drohungen, Gewalt, nicht nur als Erziehungsmaßnahme bei Kindern, sondern auch zwischen und unter Erwachsenen. In der Literatur finden sich eine Unmenge von Erzählungen, von Menschen, die mittels Unterdrückungen soweit eingeschüchtert wurden, daß sie sich vor gewissen Dingen, Situationen, Menschen fürchten, jeder kennt sehr wahrscheinlich aus seinem direkten Umfeld Personen, die anhand von „scheu machen“, sich durch etwas oder jemanden fürchten.

In der Tiererziehung wurde und wird leider noch oft diese Einschüchterung, dieses Scheu machen benutzt, um ihren Willen zu brechen, damit sie auf Kommando reagieren und so handeln, wie man es von ihnen erwartet, häufig verbunden mit einer absoluten Unterwürfigkeit.

Wer schon einmal mit Tieren zu tun hatte, die durch solch eine Schule gegangen, wird festgestellt haben, viele dieser Tiere werden falsch, unberechenbar, böse, hinterhältig, häßlich in ihrem Verhalten. Und hier schließt sich der Kreis zu „schiech“, scheu sein. Also böse, häßlich, gereizt.

Kann man auch sagen, durch zu viel Gewalt, Drohungen, Zwänge, Ängste (Einschüchterungen) werden Wesen, also auch Menschen schüchtern, scheu, gehemmt und neigen demzufolge zu Bösartigkeit, Häßlichkeit?

Ja, kann man, auch wenn es hier wie bei vielen anderen Themen natürlich die Ausnahmen der Regel gibt. Menschen, die sich herausgekämpft haben aus dem Kreislauf der Gewalt und ihrer Scheu.

Wer, und hier spielt es absolut keine Rolle, ob es sich um eine Einzelperson, eine Institution, eine Partei, einen Staat oder um wen oder was auch immer es sich handelt, wer durch Einschüchterungen, scheu machen, Menschen, Tiere sich „gehörig“, „abhängig“ macht, der handelt wider Nächstenliebe und Verständnis.

Gerade in Zeiten, die durch viele Umstände Differenzierungen verlangen, verlagern nach Macht ergreifende Menschen ihre Argumentationskette in bewußt geschürte Einschüchterungen. Dabei ist ihr Ziel keineswegs nur die daraus resultierende Angst bei den Menschen, sondern die als „Gegenwehr“ resultierende, als Böswilligkeit auszulegende Reaktion eines Widerstandes gegen diese verbale, aber ebenso gegen das körperliche Scheuchen.

Dieser Widerstand, dieses sich „Herauskämpfen“ aus der Einschüchterung, dies ist der Begriff schiech. Lassen wir uns nicht schiech machen, seien wir uns bewußt darüber, derjenige, der wirklich positive Veränderungen will, der wird alles unternehmen, um keine scheuen, sondern um forsche selbstbewußte Menschen um sich zu haben. Und warum forsche Menschen? Ganz einfach, forsch, aus dem mittelhochdeutschen forse, bedeutet Kraft und Macht. Es bedeutet aber zugleich beherzt, furchtlos, zielbewußt, couragiert, und dies sind Eigenschaften, die selbstherrliche Menschen nicht vertragen können und wollen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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