Aus dem ewig gestrigen Kreis treten


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Im Bann herrschaftlicher Verhältnisse

Die Erde dreht sich im Kreis. Die Menschen drehen sich im Kreis. Nicht in einem perfekten Kreis, bei dem der Abstand vom Mittelpunkt zu jedem Kreispunkt derselbe ist. Die Erde und die Menschen drehen sich eher in einer Ellipse. Nichtdestotrotz oder gerade deshalb ist der Effekt des Rausches durch ständiges Drehen bei beiden Bewegungsabläufen gleich.

Bei drehenden Tanzbewegungen kann man das Schwindelgefühl mindern, indem man sich auf einen bestimmten Punkt außerhalb der Kreisfläche konzentriert. Allerdings ist je nach Länge der Bewegung und Schnelligkeit selbst hier wenig gegen einen taumelnden Schwindel anzukommen.

Bei der Erdbewegung um die Sonne dreht sich die Erde zudem noch um sich selbst. Vielleicht können Sie sich diesen Effekt besser vorstellen, indem Sie ihn bei sich bietender Gelegenheit nachahmen. Die Erde kreist in kreisender Bewegung ellipsenhaft um die Sonne. Und dieses Verhalten scheinen wir Menschen, in gewisser Form auch zu vollziehen.

Obwohl die Menschen sich in vieler Hinsicht geistig, körperlich weiterentwickelt haben, bestimmt in gewissen Zeiten die Regel das Prinzip des „Urinstinkts“ (wenn wir ihn als solches annehmen), der Stärkere gibt den Ton an. Wobei der Stärkere nicht unbedingt mit der körperlichen Leistungsfähigkeit gleichgesetzt werden kann, sondern mit der Fähigkeit durch geschicktes Lavieren mittels Drohungen, Ängsten andere zu unterdrücken.

Bis heute hält dieses Verhalten, keine Duldung von anderen Meinungen, Ansichten, Wissen an, manchmal durch das Herrschaftsprinzip von Diktatoren, durch Mißbrauch in Glaubensfragen. Es scheint ein endloser Kreislauf, auch wenn es immer wieder Zeiten gab, in denen die Menschen sich durch eine offene Kommunikation in Verbindung mit Konfliktlösungen in friedlichen Zeiten befanden.

Kreis, althochdeutsch kreiʒ, Kreislinie, Zauberkreis, Umkreis, der Ursprung liegt im Wort krizzon, kritzeln. Kritzeln, eigentlich einritzen, ist eine Nebenform von kratzen.

Ellipse, aus dem griechischen Wort élleipsis, bedeutet eigentlich Mangel (wohl weil der Form die volle Rundung des Kreises fehlt), vom Ursprungswort elleípein, mangeln, fehlen.

Nicht nur aus den vielen Erzählungen der Vorgeschichte oder aus Geschichten wissen wir, daß Menschen, wenn sie sich treffen, gerne zu einem Kreis sich zusammenfinden. Das beste Beispiel ist wohl das Lagerfeuer, aber auch der runde Tisch, wenn es sich um wichtige Gespräche handelt, die mit vielen gleichzeitig geführt werden. Tänze, die überliefert sind, waren sehr oft im Kreise sich bewegende Figuren, die rhythmisch durch Musik begleitet wurden. Ebenso Heiligtümer oder Teile von Heiligtümern wurden in Kreisform angelegt. Viele Dörfer oder Zelte der Nomaden sind ebenfalls oftmals in dem Kreis nachempfunden worden.

Der Kreis als Symbol für Verbindung, Vereinigung findet sich in Eheringen, in der Doppelnull oder Acht als Schleife und Zeichen der Unendlichkeit. Weitere Bedeutungen für den Kreis sind das nicht Manifestierte, das Ewige, Zeit- und Raumlosigkeit, Einheit, das Göttliche.

Ist es wirklich verwunderlich, wenn sich die Menschen weiter im Kreis drehen? Die eingeritzten Spuren, die beim Tanzen oder durch das brennende Feuer übrig bleiben, scheinen in ihrer Wirkkraft für die Nachwelt eine dermaßen hohe Anziehungskraft auszuüben, daß die Verhaltensmuster, die unseren Vorfahren eigen waren (Macht des „Stärkeren“), um Konflikte zu lösen, weiterhin heute noch angewandt werden.

Trotz Wissen um Konfliktpotentiale und Konfliktbewältigungslösungen wird vielerorts der einfache, bequeme Weg des Machthabers und seiner Gefolgsleute favorisiert, mit der begleitenden Maxime: Und bist du nicht willig, so gebrauch ich Gewalt! Gewalt in Form von körperlichem Angriff oder durch Diffamierung, Hetze, Drohungen, Ängsten und Zwang. Beschwörungen der eigenen Sippen- und Vetternwirtschaft, Ablehnung, Anfeindungen allem Fremden, Neuen gegenüber, also Feind- und Angstbilder projektieren.

Die Menschen stecken ihre Energie in die Beschaffung von Kriegsgeräten, Manipulationsstrategien, anstatt in Aufklärung und Konfliktbewältigungsprogramme. Und dann wundern die Menschen sich, wenn es überall brodelt und zischt und auf dem Feuerplatz eine Feuerfontäne hochgeht, anstatt der Geruch von köstlichem Essen in die Nase steigt? Abgesehen davon, daß die Kosten einer Auseinandersetzung, von der Beschaffung von Kriegsmaterial, Wiederaufbau und selten die Nachsorge der körperlich Verletzten, aber auch der seelisch zu betreuenden Menschen um ein vielfaches höher liegen als die Schaffung von Bildung im Sinne einer toleranten, gewaltfreien auf humanistischen Ideologien aufzubauende Gesellschaftsgemeinschaft.

Es ist nicht Wissen und Verstand, der fehlt, es ist der Mangel an Einsicht und egoistischem Verhalten, der zu Schwindel und dem Rausch der ewig Gestrigen, jedem das Seine, mir das Meiste führt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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