Aus Prügeln wurden Brücken


© Doris Mock-Kamm

Aus Differenzen entstehen andere Sichtweisen

Sie konnten und können wahre Retter sein, wenn eine Antwort auf eine Frage nicht im Gedächtnis haften bleiben wollte oder will. Die Eselsbrücken haben sicher schon manchen Menschen auf Gedankensprünge geholfen, um sich zu erinnern oder zumindest einen Teil des Vergessenen wieder ins Licht des Wissens getaucht.

Die Brücke als Hilfsmittel, um Gräben, Schluchten zu überwinden, gibt es in den verschiedensten Formen, Materialien und Konstruktionen. Schätzungsweise ist die Art, Hindernisse zu überwinden bereits wesentlich älter als die im europäischen Raum zu findenden Pfahlbauten am Bodensee (ca. 6.000 v.Chr.) oder die Holzbrücke Rapperswil-Hurden, die über Jahrhunderte zwei jungsteinzeitliche Orte verband. Vor über 1.000 Jahren sind nachweislich Hängebrücken aus Pflanzenfasern eingesetzt worden, die als letzte noch begehbare aus Fasern hergestellte ist die Hängebrücke Qu’eswachaka, die aus Gras gefertigt wurde.

Nun kann man anhand dieser noch sichtbaren Brücken ohne weiteres davon ausgehen, daß es bereits noch früher für die Menschen möglich war, Brücken zu benützen, entweder sind sie im Laufe der Jahrhunderte schlichtweg „aufgelöst“ worden oder sie sind nur kleine Verbindungswege gewesen, die nicht die Dimensionen der oben genannten hatten. Denn reicht nicht schon ein Seil, um sich auf eine andere Seite zu hangeln?

Brücke, mittelhochdeutsch brucke, althochdeutsch brucca, ursprünglich Balken, Knüppel. Das Wort ist verwandt mit Prügel. Synonyme für Brücke sind Überweg, Überführung, Steg, Viadukt, aber auch Läufer (Teppich).

Prügel, spätmittelhochdeutsch brügel, Knüppel, Knüttel. Prügel bedeutet auch Schläge, Dresche, Kelle, Wicht, Packung, Abreibung, Kloppe und Haue.

Bei den Germanen war der Knüppeldamm die Form einer Brücke durch sumpfiges, mooriges Gebiet. Dabei wurden Hölzer quer zur Gehrichtung gelegt und mit Bindeweiden verbunden. Diese Art der Brücke ist bereits seit ca. 10.000 v.Chr. angewandt worden.

Nun ist nicht auszuschließen, daß der Knüppel ebenso frühzeitlich als Hilfsmittel für den Einsatz bei Auseinandersetzungen entweder zwischen Erwachsenen oder als Erziehungsmaßnahme bei Kindern und Jugendlichen in Gebrauch war.

Selbst wenn dies nicht zutrifft, so ist es doch interessant, nicht nur im Hinblick auf die Bauform des Knüppeldamms, daß aus einem Begriff zwei unterschiedliche Bedeutungen entstanden. Oder vielleicht doch nicht?

Wer ein bißchen oder ein bißchen mehr unter Höhenangst leidet, kann vielleicht im übertragenen Sinn sehr wohl verstehen, wenn er, da ansonsten keine Möglichkeit besteht, eine Schlucht zu überqueren, außer die nicht vertrauenserweckenden Seile, die über eine Schlucht gespannt sind, von den hinten Anstehenden durch Zurufe, im schlimmsten Fall durch Androhungen von Prügel getrieben wird, sich dem Schicksal dieser Überquerung zu stellen.

Quasi mit dem Knüppel über die Knüppel getrieben wird. Die Strafe, die vielleicht noch einige kennen und sicher noch angewandt wird, um Menschen zum Umdenken oder zu einem andern Handeln zu zwingen, also die Prügelstrafe, ist demnach nichts anderes, als jemanden zu zwingen, über eine Schlucht zu gehen, um auf eine andere Seite zu gelangen.

Dies kann in der realen Situation, einer Flucht oder einer anderen lebensbedrohlichen Situation hilfreich sein, seine Ängste zu überwinden, allerdings ist der Knüppel nicht geeignet, damit seine Position des Besserwissens oder der Rechthaberei oder als Erziehungsmaßnahme durchzusetzen.

Die Brücke als Verbindungsstück, um seinen Weg fortzusetzen, wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt, wenn sie einen schnelleren, kürzeren Weg bedeutet, wenn sie dadurch hilft, neue „Gebiete“ zu ergründen, ist eine Hilfe, wie die bereits erwähnte „Eselsbrücke“.

Wenn Sie jemandem eine Brücke schlagen, bauen, bedeutet dies, ihm durch Erklärungen zu helfen, etwas zu verstehen. Eine goldene Brücke bauen, beinhaltet die Aussage, jemandem das Nachgeben zu erleichtern, eine Gelegenheit zu geben zum Einlenken bei einer schwierigen Situation. Wer alle Brücken abbricht, löst sich von allen bisherigen Verbindungen.

Inzwischen gibt es viele Verbindungsmöglichkeiten, Schluchten, Gräben auch die zwischenmenschlichen zu überwinden, zu begehen und nicht nur das, es sind auch eine Menge an Eselsbrücken bekannt, wie man am besten selbst die als nicht überbrückbar zu benennenden Differenzen, Gräben begehen kann, ohne mit Prügel gezwungen zu werden, eine andere Sichtweise, Position einzunehmen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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