Nebenbei wird gebeichtet


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Weitergabe an Dritte ein kompletter Vertrauensverlust?

Wir nennen es beichten, wenn Menschen in den dafür vorgesehenen Beichtstühlen (eher Kabinen) sitzen und ihre Verfehlungen einem Priester mitteilen, der diese unter der Verpflichtung des Beichtgeheimnisses für sich behält. So jedenfalls die Vorstellung. Kleinere Sünden bezeichnen wir auch schon mal als Beichte, wenn das Kind gesteht, die Fensterscheibe mit dem Ball zerschossen zu haben, obwohl es noch Tage davor dies verneinte.

Auch zwischen Partnern wird eine Aussprache je nach Wertigkeit und Inhalt als Beichten tituliert. Selbst Staatsmänner, Wirtschaftsbosse oder generell als Verantwortliche zu bezeichnende Personen des öffentlichen Lebens können eine Beichte abgeben, entweder unter gerichtlicher Obhut oder es soll vorkommen, aus eigenem inneren Antrieb, um sich von Belastenden zu befreien.

Beichte, mittelhochdeutsch bīhte, zusammengezogen aus bigiht(e), althochdeutsch bigiht, bijiht, aus bi– (zum Verbalpräfix gewordenes tonloses bei) und jiht, Aussage, Bekenntnis, zu jehan, sagen, bekennen, eigentlich (feierlich) sprechen, reden (Duden)

Faßt man den obigen Text aus dem Duden zusammen, kann man die Beichte als Beisagen, Beibekennen ausdrücken.

Das Wort „bei“, die Präposition, drückt den Standort aus, etwaige Anzahl von Bewertungen, Bestimmungen von Zeitpunkten, wird synonym eingesetzt für, gelegentlich, unter, zwischen, anlässlich.

Bei, mittelhochdeutsch , in der ursprünglichen Bedeutung, um, herum.

Beichte, also ein Umherumsagen, ein Umherumbekennen oder ein Herumsagen, ein Herumbekennen oder ein Umsagen, Umbekennen.

Bei manchen als Beichte geäußerten Aussagen treffen die oben genannten Wortkreationen sicher zu. Selbst wenn das jehan, das feierliche Sprechen mit einbezogen wird, ist eben nicht jede Beichte ein Kundtun mit ehrlichen Absichten, selbst die nicht, die im Beichtstuhl dem Priester gegenüber anvertraut wird.

Ein Bekenntnis, ein Eingeständnis, ein Geständnis ist eben nicht so einfach über die Lippen zu bekommen, denn hierfür ist quasi nicht nur eine Offenlegung eines Geschehnisses, sondern auch eine Öffnung der Persönlichkeit, der charakterlichen Stärken und Schwächen nötig.

Das läßt die Vermutung nahe liegen, daß „bei“ ein ganz wichtiges Attribut für die Beichte ist, denn ansonsten könnte man doch einfach von „Aussprache“ sprechen. Die Beichte ist demnach weitaus mehr, sie ist ein persönliches Eingeständnis, das allerdings nicht mit Schuldbehaftung gleichzusetzen ist, sondern mit Erkenntnis über sich selbst und seine eigene Rolle in Bezug auf Geschehenes.

Das Beireden ist gleichzeitig eine Befreiung von seelischen Belastungen, die sich aufgrund verschiedener Faktoren hemmend auswirken können, diese „Hemmungen“ zu überwinden, kann schwieriger sein, als das „tatsächliche Geschehen“ zu erklären.

Deshalb ist in diesem Zusammenhang ein Weitergeben der Beichtinhalte an Dritte ein kompletter Vertrauensverlust, es sei denn, der Beichtende ist mit der Weitergabe einverstanden, da er Hilfe benötigt oder seine Aussprache sogar zum Schutz anderer sich sinnvoll darbietet.

Wer allerdings überhaupt nie um, herum redet und keine Taten um, herum betreibt, sondern stets akkurat beim Wort und alle seine Wege gerecht und ehrlich bestreitet, der braucht auch nie zu beichten. Das sind dann paradiesische Zustände auf Erden, oder?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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