Unser täglich Gift ein ständiges Geben


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Schutz vor bösen Überraschungen?

An manchen Tagen scheint ein Wort die gesamten Gesprächsinhalte auszufüllen. Die Diskussion um das vergiftete Essen, das nun wirklich nicht mehr nur als Spinnerei angesehen werden kann, wie gegen Ende des vorigen Jahrhunderts. Die Boshaftigkeit, die Hinterhältigkeit, die manche Menschen wie Gift um sich sprühen, das Angiften völlig fremder Menschen, wenn sie vermeintlich im Weg stehen.

Die ausführlichen Beschreibungen der Gifte, die in Tabak enthalten sind oder sogar zu wechselnden Zeiten, daß die vermehrte Einnahme von „xy“ schwere gesundheitliche Folgen haben kann, obwohl das Lebensmittel an und für sich nicht giftig ist. Der Umgang mit dem oder jenem ist Gift für die Person. Gift als Mordwaffe wird den Frauen mehr zugeschrieben als Männern, ob dies allerdings wirklich den Tatsachen entspricht, dies entnehmen Sie den im Handel erhältlichen Sachbüchern.

Bei genauerer Überlegung wäre es nicht auszuschließen, das Wort Gift auch in anderen Zusammenhängen als Themengrundlage zu finden.

Nun kann man diesem „täglichen Gift“ natürlich ausweichen, indem man einfach die genveränderten Lebensmittel nicht beachtet, das Glyphosat, das Natamycin, das Nitrat, das Mineralöl, das Quecksilber, das Tetrodotoxin, die Silikone, die Radioaktivität, die Fluoride einfach ignorieren, da man sie sowieso nicht herausschmecken kann. Der giftsprühenden Nachbarin oder dem giftenden Nachbar die kalte Schulter zeigen. Zigaretten, Alkohol sowieso meidet, Kaffee, Schokolade, Chips nicht übermäßig genießt, sodaß auch hier das Gift kein Thema ist. Und überhaupt alle natürlich vorkommenden Gifte umgeht, die, dazu führen könnten, sie in „unüberlegten“ Momenten anzuwenden.

Gift, mittelhochdeutsch und althochdeutsch gift, ursprünglich das Wort für Geben, Übergabe, Gabe.

Geben, althochdeutsch geban, ursprünglich nehmen, bringen, reichen.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“ Aber man kann hinterher kräftig darüber ablästern, das dies ein unnützes, nicht zu gebrauchendes Geschenk war und somit genügend Gift versprühen über die Person, die das Geschenk gab. Erinnert ein bißchen an Weihnachten, Hochzeiten, Geburtstage oder sonstige Tage, an denen Geschenke überreicht werden. Man bedankt sich artig, und hinterher zeigt man seine Unzufriedenheit.

Warum sich ein Wort, das im Grunde eine freundliche Geste beschreibt, nämlich das Geben, in ein Wort verwandelt hat, das im schlimmsten Fall zumTod führen kann, ist auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar. Zudem ist im englischen das Wort „gift“ immer noch in seinem ursprünglichen Sinn im Gebrauch, es steht für Geschenk, Talent, Aufmerksamkeit, Mitbringsel, Schenkung, Gabe.

Selbst wenn man das Wissen über die stattgefundenen Mißbräuche von Geschenken, Hingereichten, Gaben berücksichtigt, bei denen das Essen vergiftet war, die Blumen mit Gift besprüht wurden, also absichtliche Darreichungen, um andern zu schaden, vorkamen, ist es dennoch nicht ganz verständlich, daß in unserem Sprachgebrauch das Geben zu Gift werden konnte, denn auch in anderen Ländern und Kulturen wurde diese „Praxis“ angewandt.

Möglicherweise ist diese Wortveränderung auch einfach eine ehrliche Umsetzung, um als Warnung zu dienen, nach dem Motto, „es ist nicht alles Gold, das glänzt.“

Gehen wir von dieser Tatsache aus, so kann man unbedenklich froh sein, diesen Hinweis erhalten zu haben, der viel Übles nachziehen kann, allerdings nur mit der gleichzeitigen Aufrichtigkeit, das Dargereichte nicht erst als willkommen zu loben, um nachher darüber zu giften, sondern von vorneherein die Ehrlichkeit aufzubringen, das Geschenk als nicht den eigenen Vorstellungen entsprechend zu beurteilen.

Schwer zu entscheiden, ob hier diesem Wort sozusagen „Unrecht“ angetan wurde oder ob es sich um eine sehr ehrliche Antonymie, also Gegensätzlichkeit handelt, die Schutz bietet vor bösen Überraschungen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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2 Antworten zu Unser täglich Gift ein ständiges Geben

  1. gkazakou schreibt:

    Ich nehme an, es hat mit Gift eine ähnliche Bewandtnis wie mit pharmako/pharmaki, also Arznei/Gift. Es kommt auf die Dosierung und die Umstände an, ob eine Gabe wohltätige oder schädliche Folgen hat. Mir kommt dazu das Beispiel der sog. Entwicklungshilfe in den Sinn. LG Gerda

    Gefällt 2 Personen

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