Betrug durch Traumwelten


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Visionen voller Schreckensszenarien oder Heile-Welt-Bilder?

Wenn man sich mit Menschen unterhält, welche Erlebnisse, Erfahrungen nicht im wachen Zustand, sondern während des Schlafes passieren, so kann dies bisweilen spannender erzählt werden als das Geschehen im täglichen Umfeld.

Die Traumgeschichten bieten, wenn man das im Jargon von Verkäufern so benennen kann, eine große Bandbreite an Erzählstoffen. Vom lieblichen Traum, aus dem man nicht erwachen will, bis zu den schrecklichsten Traumsequenzen, die „das Blut in den Adern gefrieren“ lassen, ist alles möglich.

Nicht jeder Mensch erlebt und empfindet Träume genauso wie seine Mitmenschen, der eine „verarbeitet“ sie durch Nichtbeachtung, der andere notiert akribisch jedes nur mögliche Erinnerungsteil. Menschen träumen wochenlang nicht, täglich, überhaupt nie, ab und zu, immer die gleichen Träume oder ähnliche Traumsequenzen, interessieren sich nicht dafür oder deuten jede mögliche Variante zu allen erdenklichen Lebensumständen.

Da wir davon ausgehen können, dieses Phänomen, der Traum, ist ein „angeborener“ Bestandteil des Lebens (auch andere Säugetiere träumen), muß man davon auszugehen, alle unsere Vorfahren träumten. In manchen alten überlieferten Erzählungen wird dies zudem beschrieben.

Immer wieder kann man sich die Frage stellen, warum Menschen auf Betrüger, Betrugsmaschen hereinfallen, obwohl gewisse Muster bekannt sind, nach denen sie agieren, vorgehen, um jemanden „übers Ohr zu hauen“.

Betrug, mittelhochdeutsch betroc, ist gleichzusetzen mit Bauernfängerei, Abzocke, Schwindel, Täuschung, Verschaukelung, Schummel, Gaunerei. Das Wort ist abgeleitet von betrügen.

Betrügen, mittelhochdeutsch betriegen, althochdeutsch bitriugan. Synonyme dafür sind gaunern, hintergehen, mogeln, verladen, prellen, anschmieren.

Die Ursprungsaussage kommt von trügen, das so viel heißt wie irreführen, täuschen, narren, auf die falsche Fährte locken, vom rechten Weg abbringen, zu einer falschen Annahme verleiten. Trügen, mittelhochdeutsch triegen, althochdeutsch triugan. Das Wort ist verwandt mit Traum.

Der Traum, althochdeutsch troum, die Phantasievorstellung, Illusion, Vision, Wunschdenken, Wahn, Hirngespinst sind artverwandte Begriffe.

Um „übers Ohr gehauen zu werden“, ist es demnach nur erforderlich, den Phantasievorstellungen, der Illusion Glauben zu schenken, die dem Zweck der Täuschung dienen. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist sehr oft die Tatsache, je unglaublicher, je unfaßbarer, je wahnwitziger diese trügerischen Erzählungen aufgetischt werden, desto mehr scheinen sie als wahr und richtig registriert zu werden. Ist erstmal die Vision als real, als möglich „identifiziert“, ist der Betrug, der Schwindel, die Gaunerei quasi nicht mehr aufzuhalten.

Wobei der Betrug nicht ausschließlich auf das Ergaunern von materiellen Werten beschränkt ist, diese Arten der Täuschung geschehen ebenso im zwischenmenschlichen Miteinander, als Beispiel bei der Liebe, bei Mißbrauch von Gefühlen. Und natürlich bei den neuzeitlichen Varianten von Verschwörungstheorien, Fake News, alternativen Fakten, die es allerdings schon immer gab und meistens vermehrt in Umlauf waren, wenn umwälzende Phasen in den verschiedenen Epochen sich anbahnten.

Wenn unsere Vorfahren um den Betrug der Inhalte von Träumen wußten, aber ebenso die Visionen der Träume erkannten, warum sollten wir anders handeln? Warum sollten wir diese unglaublichen Vorstellungswelten, die durch Träume den Weg zu unserem Bewußtsein finden, alle als irreal abtun und nicht beachten? Haben nicht schon Traumvisionen neue Errungenschaften in der technischen Welt erst ermöglicht, haben nicht schon Traumphantasien sich als wahre Begebenheiten, als Anlaß für positive Veränderungen in vielen Bereichen entpuppt? Und genau diese Aussichten, daß eine Möglichkeit der Wahrheit in der Täuschung steckt, so unreal sie erscheint, ist der Grund, warum Betrüger leichtes Spiel haben, andere zu hintergehen, sie zu einer falschen Annahme zu verleiten, sie vom rechten Weg abzubringen, sie zu betrügen.

Lassen Sie sich Ihre Träume nicht nehmen, bedenken Sie aber hinter jeder Vision kann sich eine Täuschung verbergen. Dabei ist es unerheblich, ob die Visionen Schreckensszenarien oder „Heile-Welt“ Bilder zeigen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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