Ziel und Zeit das gleiche aber nicht dasselbe


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Bildersprache eine Bemühung zur Erstellung eines Vergleiches

Sind Sie auch schon mal mit Ihren Äußerungen, Meinungen über das Ziel hinausgeschossen. Haben Sie manchmal das Gefühl, die Zeit zerrinnt in Ihren Händen oder es ist kurz vor zwölf, das Drama, die Katastrophe läßt sich nicht mehr aufhalten?

Viele unserer Gedankenbilder basieren auf „gesehene“ Dinge, die wir in Sprache zu übersetzen versuchen. Unseren Vorfahren erging es nicht anders, aber sie hatten es wesentlich schwieriger, von dem „Bildsehen“ zu einem für viele erkennbaren Begriff zu finden. Die Bildersprache findet sich in den Zeichnungen der alten Ägypter, der Mayas, sogar auch in den Höhlenzeichnungen sind sie zu erkennen, scheinbar nur Symbole dienten der Weitervermittlung des Gesehenen und dem Versuch, dies auf einen Nenner zu bringen, sozusagen das Ziel der ganzen Zeichnungen.

Eine Neuentdeckung dieser „Bildersprache“ kann sicher Wilhelm Busch zugeschrieben werden, dessen Gedichte mit kleinen Bildchen untermalt wurden, und nicht zu unrecht als der Pionier des Comics genannt wird. Fast niemand kann sich gänzlich davon frei sprechen, Kleinkindern und Kindern in einer sehr einfachen Sprache, untermalt mit Vergleichssymboliken, Fragen beantwortet zu haben.

Welche geistige Leistung unsere Vorfahren aufbrachten, um das Bild zu benennen und es zu benütze, in gleichwertige Geschehnisse zu übertragen, wird von uns als Selbstverständlichkeit hingenommen. Dies Bemühen zur Erstellung eines Vergleiches verlangt nicht nur das Erkennen der Wahrnehmung, sondern auch die Verknüpfung, in Bezugnahme einer ähnlichen Erkenntnis. Die Sprache unterliegt deshalb einer ständigen Veränderung, die parallel zu zeitgeschichtlichen Geschehnissen erfolgt und ist nicht nur bezogen auf neue Wortschöpfungen wie zum Beispiel das Wort Internet, sondern birgt auf neue kognitive Veränderungen im Bewußtsein des Seins.

Der Ausspruch: „Der Weg ist das Ziel.“ wird Konfuzius (551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) als „Urheber“ zugesprochen. Die Sinnhaftigkeit dieses Satzes bedeutet in etwa, das Ziel zu erreichen, ist nicht so wichtig, der Weg zum Ziel ist wichtiger.

Das Ziel, mittelhochdeutsch zil, in seiner ursprünglichen Bedeutung, Eingeteiltes, Abgemessenes. Die Synonyme sind Absicht, Plan, Termin, Zielort, Ende, Sinn, Zweck, Wille, Vorsatz. Das Verb „zielen“ verdeutlicht das Eingeteilte, Abgemessene verständlicher, denn schließlich galt es, einen bestimmten Punkt, einen Abschnitt zu treffen, anzupeilen, anzustreben, anzuvisieren.

Die Zeit, mittelhochdeutsch zīt, in seiner ursprünglichen Bedeutung Abgeteiltes Abschnitt und ist sprachverwandt mit Ziel. Vergleichbare Synonyme sind Epoche, Stadium, Phase, Periode, Datum, Frist, Zeitraum, Etappe, Dauer.

Beide Wörter stellen Begrifflichkeiten des Abmessens, der Einteilung, des Abschnittes, der Strecke dar. Klingt somit logisch die verwandtschaftliche Sprachverbindung, aber war das auch für unsere Vorfahren so leicht offensichtlich? Eher nicht, zwar konnte das bildliche Sehen eines Zieles eindeutig als Abmessung erkennbar erklärt werden, aber bei der Zeit war die eindeutige Erklärung für das Abmessen etwas schwieriger, schließlich besaßen unsere Vorfahren noch keine Uhren. Sie waren auf den Sonnenstand angewiesen, um begreiflich zu machen, daß die Zeit meßbar ist, also ebenso in Abschnitte, Strecken eingeteilt werden kann.

Wenn der Satz des Konfuzius lauten würde: „Die Strecke, die Abmessung, die Zeit ist das Ziel“, hätte er noch die gleiche, gar dieselbe Bedeutung?

Entscheiden Sie dies selbst, vielleicht beurteilen Sie nach der Beantwortung dieser Frage die sprachliche, aber auch die kognitive Leistung unserer Vorfahren mit anderen Augen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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3 Antworten zu Ziel und Zeit das gleiche aber nicht dasselbe

  1. gkazakou schreibt:

    Wenn es stimmt, dass Zeit und Ziel sprachverwandt sind (im Griechischen sind sie es nicht, heißen Chronos und Telos, Terma) – dann könnte man es vielleicht zurückführen auf das beiden innewohnende Zukunftsmoment: zwischen jetzt und dem Ziel liegt Zeit. Im Sport wird diese Zeit gemessen, der Chronometer macht sie als Leistung gemessen an der durchlaufenen Distanz sichtbar.

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  2. quittenbluete schreibt:

    Hallo Gerda, ich empfinde gerade die nicht Übereinstimmung von Wörtern, Wortbegriffen in anderen Sprachen als „anregend“. Vielleicht vergleichbar mit, sagen wir mal der Assoziation Baum. Jeder wird zuerst seine eigenen Interpretation zu diesem Wort vor sich sehen, so mag es die Linde, die Buche oder ein Apfelbaum sein. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Kommunikation interessant zu werden, wenn diese verschiedenen Bilder „ausgetauscht“ werden. Das gleiche ersehe ich in den zu Verfügung stehenden Wortschätzen der jeweiligen Sprachen und in der Anwendung der Assoziationen und der Verständigung, denn hierin sehe ich auch einen Teil des „Kulturempfindens“ und der Prägung kognitiver Zusammenhänge. Noch spannender jedenfalls für mich ist es, wenn es übergreifende Wortverwandschaften gibt, die entweder unabhängig voneinander oder durch Austausch zustande kamen. Selbst innerhalb von Menschenhand eingegrenzten Gebieten gibt es Sprachunterschiede, so war die Verständigung sicherlich nicht einfach als Beispiel, wenn vor etlichen Jahrzehnten ein „Bayer“ auf seiner Walz auf einer der „friesischen Inseln“ gearbeitet hat. Laut Duden ist chronos abgeleitet von griechisch skopeĩn = betrachten, somit ist im weitesten Sinne hier auch eine Konzentration auf einen Abschnitt ersichtlich. Bin gespannt auf deine Sichtweise. Liebe Grüße Doris

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Doris, auch mir gefällt es, die Sprachen zu vergleichen, insbesondere auch in ihre Unterschiedlichkeit und Gleichheit hineinzuhorchen. skopein ist eng verwandt mit skopos – Zweck, skopevo, zielen. Aber dass Chronos mit skopein verwandt sein soll, kommt mir merkwürdig vor. Aber es passt inhaltlich sehr gut zu dem, was ich, angeregt durch deins, schrieb. Die Beziehung zwischen Zeit und Ziel ist vielleicht sogar noch enger: Die Olympiaden waren ja hoch wichtige Ereignisse, nach denen alles andere gerechnet wurde. „Zur Zeit der Olympiade XY“… und bei der Olympiade selbst kam es auf Messen und Geschwindigkeit an. Es ist hoch interessant, auf diesen Pfaden Kulturgeschichte zu verfolgen und zu betrachten. Deine Kolumnen sind voll solcher Anregungen, ich mag sie sehr. Liebe Grüße Gerda

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