Futterneid kommt nicht von ungefähr


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Jeder gute Hirte sorgt sich

Wahrscheinlich haben Sie sich schon oft amüsiert, wenn Sie eines der vielen Tierclips gesehen haben, in denen Tiere einander das Futter neiden. Oder sogar das Futter ihrer Besitzer mit treuherzigen oder fordernden Blicken versuchen zu ergattern. Sind Sie selbst „Tiereltern“, so sind diese futterneidischen „Attacken“ vielleicht ein tägliches Bild, das Sie gar nicht mehr in seiner Gesamtheit bewußt aufnehmen. Womöglich sitzt Ihr Tierfreund während Ihres Abendessens still neben Ihnen, einzig die Bewegung des Kopfes, wenn Sie die Gabel vom Teller zum Mund führen, zeigt an, genau dies möchte ich jetzt auch.

Futterneid wird auch als Konkurrenzverhalten gewertet, wobei es hier wissenschaftlich gesehen mehrere Deutungsmöglichkeiten gibt, warum Futterneid aufkommt. Es ist nicht ein Verhalten, das sich allein im Tierreich feststellen läßt. Vielmehr ist der Neid auf die besseren, größeren, leckeren Stücke ebenso beim Menschen zu beobachten.

Laut den Erläuterungen auf Wikipedia zu diesem Thema haben Wissenschaftler in Studien nachgewiesen, Schimpansen, die vor die Wahl gestellt wurden, das Futter nur für sich zu ermöglichen, so daß die anderen nicht in den Genuß kommen konnten, dies nicht genützt haben, sondern im Gegenteil darauf geachtet haben, das Futter für alle zugänglich zu stellen. In diesem Text wird die Aussage zu dieser Tatsache von den Forschern mit folgenden Worten erklärt:

„Wenn Selbstlosigkeit und Boshaftigkeit auf den Menschen beschränkt sind und beim Schimpansen nicht vorkommen, dann ist es wahrscheinlich, dass diese Eigenschaften sich im Laufe der letzten sechs Millionen Jahren herausgebildet haben, seit sich die stammesgeschichtlichen Wege von Mensch und Schimpanse getrennt hatten.“

Futterneid als Begriff ist nicht nur auf „Futter“ als Lebensmittel beschränkt, sondern wird auch im Zusammenhang mit neidischem Gebaren als Reaktion auf einen vermeintlichen Vorteil eines anderen angewandt.

Das Word Neid wird sprachwissenschaftlich in die Kategorie der ungeklärten Herkunft geschoben. Mittelhochdeutsch nīt, althochdeutsch nīd, in seiner ursprünglichen Bedeutung Haß, Groll. Synonyme sind Mißgunst, Übelwollen, Eifersucht. Wer etwas genauer hinsieht, kann aus dem Wort nīt ohne weiteres das Wort nichts herauslesen. Zudem ist „nit“ in verschiedenen Dialektformen als Wort noch in Gebrauch.

Futter, mittelhochdeutsch vuoter, althochdeutsch fuotar ist übernommen vom lateinischen pascere, in seiner übertragenen Bedeutung Pastor. Der Seelenhirt, lateinisch pastor, Hirt, von pascere, weiden lassen. Pasco bedeutet auch füttern, ernähren, abweiden, fressen, Viehzucht treiben, hegen, wachsen lassen.

Das Futter, das wir als Stoffmaterial auf der Innenseite der Kleidung tragen, hat seinen Ursprung ebenso von mittelhochdeutsch vuoter und bedeutet Unterfutter, Futteral, schützende Hülle.

Kann man also sagen, Futterneid bedeutet, ich habe nichts zu futtern? Ich hege Groll, weil ich nichts wachsen lassen kann?

Es ist immer wieder zu beobachten, übrigens auch in den allseits beliebten Videoclips, ohne die das Internet nicht mal zur Hälfte gefüllt wäre, daß Menschen, die selbst nicht viel besitzen, von diesem wenigen Besitz ohne Gegengabe bereit sind, zu teilen.

Anscheinend ist die Logik, die sich aus den Erkenntnissen der Schimpansenforscher ergeben, über das Verhalten der Tiere bei der Verteilung des Futters und das Verhalten finanziell schlecht gestellter Menschen dahingehend zu folgern, daß es für die Tiere, sowie für „arme“ Menschen, weder den Wert des Reichtums (Futter), noch den Wert des Nichts (Haß, Groll) gibt oder zumindest nicht als Maßstab für das Handeln von Wichtigkeit ist.

Neid kann also nur entstehen, wenn das Futter (Essen, Schutz, Talent), das vorhanden ist, nicht mehr gesehen wird, es quasi sich in nichts auflöst, ähnlich dem Sprichwort, den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.

In Gemeinschaften, in denen „Besitztümer“ allen zugänglich sind und den Stellenwert dieser Dinge eher im Bereich von „materiell wertlos“ liegen, wird es weniger Mißgunst geben und das untereinander Aufteilen eher zur Selbstverständlichkeit gehören, ohne in selbstloser oder böswilliger Absicht zu agieren.

Zusammenfassend kann man daher sagen, nicht derjenige, der hortet und sichtbar sein Futter zur Schau stellt, zeigt seinen Wert, sondern derjenige, der das Futter verteilt. Pastoral gesprochen, jeder gute Hirte wird dafür sorgen, daß seine Tiere ausreichend Futter zu Verfügung haben, ohne es ihnen zu neiden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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