Wenn Treppenwitze die Wahrheit verdrehen


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Kann es bereits zu spät sein

Wem ist es nicht schon passiert, daß eine Argumentation, ein Gedanke erst dann in den Sinn kommt, wenn bereits das Gespräch beendet, die Konferenz aufgelöst wurde. Allgemeinhin nennt man dies einen Treppenwitz, ein Ereignis, das eher ein schlechter Scherz ist. Es ist eine Übersetzung aus dem französischen Begriff esprit d’escalier und bedeutet in etwa, Idee, die einem erst einfällt, wenn man beim Weggang bereits auf der Treppe steht.

Dieser Ausspruch wurde seit dem 19. Jahrhundert auch in Deutschland benützt und von Denis Diderot in seinem Essay „Paradoxe sur le comédien“ (1773) erwähnt. Das Buch „Der Treppenwitz der Weltgeschichte“ (Irrtümer, Entstellungen und Erfindungen von William Lewis Hertslet) führte dazu, daß dieser Begriff zu einem Bestandteil der deutschen Sprache wurde. In diesem Buch versucht Hertslet, die Angewohnheit aufzuzeigen, vergangene Geschehnisse anekdotisch zu verschönern.

Bei Friedrich Nietzsche können wir nachlesen unter seinem formulierten „Treppen-Glück“: Wie der Witz mancher Menschen nicht mit der Gelegenheit gleichen Schritt hält, so daß die Gelegenheit schon durch die Türe hindurch ist, während der Witz noch auf der Treppe steht.

Mit ein wenig abweichender Bedeutung ist der Treppenwitz heutzutage das Synonym für Ironie des Schicksals, alberner Witz, schlechter Scherz.

Gewissermaßen erlebt der Treppenwitz zurzeit eine Wiederauferstehung, wenn der Feminismusgedanke als gezielt bewußt eingesetzte Einflußnahme zur Zerstörung des Familienbildes von Vater, Mutter, Kind gedeutet wird,

– wenn der Begriff „Gutmensch“, als Negativbegriff für Personen formuliert wird, die ihr Dasein auf der Basis von Toleranz und Nächstenliebe leben und weitervermitteln, sozusagen der soziale und humanistische Gedanke eine Abwertung erfährt, weil diese Personen ihre Fürsorge nicht auf eine vorgegebene Gruppierung beschränken,

– wenn „multikulti“ als Begriffsvorlage herhalten muß, um Diskriminierungen der Kulturen auszusprechen, wohl wissentlich, daß dies eine konkrete Verdrehung der Geschichtsschreibung darstellt,

– wenn Politiker, Möchte-Gern-Politiker, die Sprache der Satiriker, der Zyniker der Narren benützen, einzig zu dem Zweck die Menschen zu verunsichern, um ihre Wahrheit als einzige Wahrheit zu proklamieren,

– wenn Frieden unter den Völkern nur auf der Möglichkeit einer kompletten Trennung der Kulturen als Allheilmittel unter der Prämisse, jedem das Seine, mir das Meiste und ich zuerst, als Lösung für sämtliche Problematiken auf sozialer, wirtschaftlicher, politischer Ebene heraufbeschworen wird,

– wenn Verschwörungstheorien, nicht nachweisbare Vorkommnisse oder Unterstellungen mit negativen Auswirkungen für die Bevölkerung als wahrheitsgemäßes Wissen deklariert wird, um die „Verkommenheit“ der jeweils andern Seite zu demonstrieren,

– wenn der Begriff „Lügenpresse“ durch viele Blätter der alternativen Medien schallt, um dadurch ihre Berechtigung und ihr Einkommen zu manifestieren, und dies mit Publikationen, die sehr oft nur selbstgefällige Ich-Meinungen wiedergeben,

– wenn durch den Kauf von Likes für Internetseiten oder Internetauftritte eine große Anzahl der Befürworter suggeriert werden soll,

– wenn diese Aufzählung nur einen kleinen Teil dessen erfaßt, das als Treppenwitz in zukünftigen Zeiten genannt werden kann, dann sollte es den Gesellschaften zu denken geben, inwieweit sie tatsächlich an der „Beschönigung“, „Bereinigung“ der Geschichtsschreibung beteiligt sind und dabei nicht vergessen, daß die Idee, der Gedanke für eine friedliche Welt nicht mehr ausgesprochen werden kann, wenn man bereits auf der Treppe steht!

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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