Der entfesselte Nationalismus übt sich wieder in Europa


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flickr.com/ molofoto/ (CC BY-NC 2.0)

Keine Heimat – wer schützt uns vor dieser Entwicklung

Ab in den Flieger, ihr Wahlkampfrecken, in Richtung sonnigen Süden, muß nicht gleich das Osmanische, sorry, Türkische Reich à la Erdoğan sein, Spanien wäre eine Option, um dortigst Wahlkämpfe zu veranstalten. Merkel in Sevilla und Schulz in Alicante, andere Provinzen haben ebenso ihren Reiz.

Heimatliches Einerlei treibt sich wie ein wiederauferstandenes Gespenst herum, der entfesselte Nationalismus übt sich wieder in Europa, oftmals per verhamlosend wirkenender Patrioten oder jüngst als identitär empfohlen. Was türkische Politiker in der Niederlande versuchten, nachdem in Deutschland bereits ein paar mal gescheitert, lockt all jene auf die Straßen, die bisherig still ihrem neuen Führer Erdoğan die Daumen drückten, er möge seine Ziele verwirklichen. Despoten zählen immer auf ihre heimischen Stimmen, selbst wenn europaweit verstreut.

Mit simpler Nazi-Keule mal schnell Unwillige diffamiert, da zählen keinerlei eigene Mißstände im Land der Türken, wo sämtliche Minderheiten wie eh und je unterdrückt, denken wir an die Kurden, Armenier, Aramäer und viele andere. Ablenkung dient der Verschleierung, die man ohnedies wörtlich nehmen kann mit Blick zur kopftuchverschleierten türkischen Sozialministerin Betul Sayan Kaya, der man in Rotterdam eine Wahlkampf-Rede verwehrte.

Feminismus ade, ob in der Türkei, in Russland oder hierzulande, es schickt sich nicht mehr, als Frau dem Mannsbild entgegenzutreten, zu widersprechen, Gebärfreudigkeit steht wieder auf der Tagesordnung, eine AfD hat’s in ihr Programm geschrieben, Identitäre frönen einer sozialromantischen Bewegung hinterher, per Lagerfeuer und willigen Frauen, die bedienend fungieren. Keine Heimat, wer schützt mich vor Amerika, sang einst Annette Humpe zu Beginn der 1980iger Jahre, daraufhin Radiostationen den Song nicht auflegen durften, zu USA-kritisch.

Die Rechnung könnte aufgehen, wenn zu viele sich einlullen lassen vom Geschrei einer Lügenpresse, der Gefahr eines sogenannten Establishments, angeblich gekaufter Demokratien, Politikverdrossenheit rechten Parteien einen Zulauf bringt, der diese begünstigt. Haarscharf dem Rechtsradikalismus entgangen in Österreich, in drei Tagen wohl auch in der Niederlande, Frankreich mag mit Le Pen für eine Überraschung sorgen, falls das Volk ihren Parolen auf den Leim geht. Hierzulande verliert diese AfD an Stimmen, der „Schulz-Effekt“ scheint zu wirken, selbst wenn die SPD ihre Agenda 2010 weiterhin hoch hält.

Eine Türkei auf bestem Wege zum demokratisch legitimierten Sultanat (Diktatur) mit Erdoğan nach erfolgreicher Verfassungsänderung, das neu installierte Präsidialsystem öffnet ihm entsprechende Türen. Gleichzeitig eine Einladung für andere Nationen, denken wir an die Russische Föderation, wo keine Opposition sich entwickeln kann?

Wer durchschaut das politische Intrigenspiel? Falls ja, es nützt nur nicht viel, wenn Menschen sich verschaukeln lassen, sich verlieren im gegenseitigen Hassen. Drum erkennt endlich den eigentlichen Sinn und Zweck: Sie nehmen Euch die Menschlichkeit weg!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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