In die Falle tappen durch Gefälligkeit


https://pixabay.com/de/h%C3%A4nde-h%C3%A4ndesch%C3%BCtteln-unternehmen-1063442/

pixabay.com

Neue Verbindungen ohne Fallstricke

Es ist ein Irrtum zu glauben, zu denken, die Vorfahren hätten nicht bereits ähnliche, gleiche oder sogar dieselben Probleme und Problemchen im täglichen Miteinander zu bestreiten gehabt. Wer davon ausgeht, hier und jetzt sei alles schlecht, man munkelt gar der Feminismus, „Multikulti“ und eine weltweite Verschwörung, wenn Dinge nicht so harmonisch, ideal und perfekt ineinandergreifen. Egal ob es sich um die Thematik des Wetters, der Kindererziehung, Vetternwirtschaften in Politik und Wirtschaft, den Ehestand, Bauvorhaben, Aberglauben, Religion und sicher auch die richtige Bearbeitung des Ackers handelten, waren solche Gesprächsinhalte unser aller Vorfahren zugegen.

Dies läßt sich nicht nur erklären durch Aufzeichnungen, Berichte, Fundstätten und deren Analysen, sondern vor allem durch die sprachliche Entwicklung. Obwohl weltweit verschiedene Sprachen gesprochen werden, haben sie dennoch eines gemeinsam, ihre Verfeinerung im Ausdruck, sei dies in Begriffen, in Verben, in Adjektiven, kamen mittels synonymen Vergleichen zustande und die Fähigkeit kognitiv, durch Wahrnehmung erkennend, einen Bezug zu Vorkommnissen herzustellen.

Wenn Sie nun Gefallen gefunden haben, mehr darüber zu erfahren, werden Sie schätzungsweise sich weiter informieren in der großen Welt der Sachbücher. Die Sprachwissenschaft ist sich nicht nur aufgrund der Komplexität der vielen unterschiedlich zu deutenden Begriffsursprünge nach Gebieten oftmals uneins, sondern die kognitiven Beweggründe im „Heranwachsen“ der Sprache geben Rätsel auf.

Eines dieser Rätsel steckt in dem Wort „Gefallen“. Als Ursprungswort kann das Verb „fallen“ sicher ohne Bedenken angenommen werden. Fallen, mittelhochdeutsch vallen, althochdeutsch fallan, kann gleichgesetzt werden mit stürzen, hinschlagen, umkippen. Es findet sich im Sprachgebrauch in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die Falle, mittelhochdeutsch valle, ist ein Gerät zum Einfangen von Tieren. Damit leuchtet der Zusammenhang ein, wenn gesagt wird, jemanden eine Falle zu stellen bedeutet, jemanden hinterhältig durch List und Tücke zu betrügen. Das gleiche gilt bei dem Ausdruck, er ist in eine Falle geraten.

Sie oder er haben Gefallen am Tennisspielen gefunden. Sie oder er hat mir einen Gefallen getan. Hier leuchtet die kognitive Verbindung nicht sofort ein, oder? Gefallen, mittelhochdeutsch gevallen, Sympathie, Wohlwollen, Freude. Nicht so ganz nachvollziehbar? Dann beachten wir hierfür das Wort Gefälligkeit, mittelhochdeutsch gevellekeit, gleichbedeutend mit Hilfsbereitschaft, Entgegenkommen, Freundlichkeit.

Sicherlich hat es schon jeder erfahren, wie traurig, schmerzhaft, unverständlich es sein kann, jemanden gefällig gewesen zu sein, um zu erleben, seine Gutmütigkeit, seine Hilfsbereitschaft wurde ausgenützt, die Falle hat zugeschnappt, man wurde hereingelegt, es wurde sozusagen ein Bein gestellt, und man ist hingefallen.

Natürlich muß nicht jedes Hinfallen schlimme Folgen haben, nicht jede Falle schnappt zu, nicht alle nutzen Gefälligkeiten aus, aber die Möglichkeiten bestehen. Um diese kognitive Gemeinsamkeit sprachlich zu entwickeln, ist die Fähigkeit von Erkenntnis der Wahrnehmung vonnöten.

Das Wort Gefallsucht wird nicht mehr so oft verwendet, es beschreibt Eitelkeit, Einbildung, Selbstgefälligkeit und ist das Bedürfnis, anderen zu gefallen. Bei starker Ausprägung liegt hier ein ernstzunehmendes Krankheitsbild vor.

Unsere Vorfahren lebten nicht in einer hochtechnisierten Umgebung, und die verschiedenen Schicksale im täglichen Leben sind nicht haargenau mit der jetzigen Zeit zu vergleichen, dennoch haben sie durch Beobachtung wesentlichen Beitrag geleistet und unsere Fähigkeit des sprachlichen Verständnisses geprägt. Obwohl wir es um einiges einfacher haben könnten, aus dem uns vorliegenden Sprachschatz zu schöpfen, um unsere Verständigung untereinander besser zu bewerkstelligen, sind wir in mancher Hinsicht nicht fähig, Zusammenhänge neu zu erschließen.

Wir kommunizieren mit der ganzen Welt, unser Sprachschatz und unsere Ausdruckmöglichkeiten sind enorm und trotzdem sind wir nicht fähig, gemeinsam neue Verbindungen zu erstellen, die ohne Fallstricke zum Gefallen aller möglich wären.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s