Wenn Stimmen der Stimmung entsprechend manch einen umstimmen


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Gekaufte Stimmung trügerisches Indiz

Sicher ist es jedem schon mal passiert, sagen wir mal, zumindest seit es die Möglichkeit der technischen Übertragung der Stimme gibt, das Telefon, daß die Person, die am anderen Ende der Leitung spricht, komplett anders im Aussehen wahrgenommen wird, als sie in Wirklichkeit ist. Sogar die Frage, ob es sich um eine männliche oder weibliche Person handelt, kann Verwirrung stiften.

Zuweilen ist es amüsant, mit einem Haushalt zu telephonieren, in dem ein Heranwachsender wohnt, oftmals ist in der Phase der Stimmentwicklung, unabhängig vom Geschlecht, die Stimme nicht von Mutter oder Vater mehr zu unterscheiden. Dies kann sich zwar wieder ändern, muß aber nicht, so daß es generell schwierig werden kann, zu wissen, mit wem man da gerade telephoniert.

Es ist nicht nur die Höhe oder die Tiefe einer Stimme, die zur Unterscheidung dient, es sind bisweilen kleinste Untertöne, Nuancen, Betonungen, die sich einprägen und zur Identifikation des Gegenübers beitragen. Ob die Stimme sympathisch klingt, ist sehr oft eine individuelle Empfindung, die nicht allgemein gültig ist. Gewisse „Stimmfärbungen“ durch Dialekte können bereits zur Ablehnung führen, dabei spielt der Inhalt des Gesagten keine Rolle. Sehr oft kann auch nicht vollständig geklärt werden, warum die eine Stimme einen Wohlklang vermittelt, die andere aber eher eine Aversion auslöst.

Die Stimme ist nicht abhängig von Körpergröße oder Gewicht, das Stimmvolumen einer Sängerin, eines Sängers kann demnach nicht danach bemessen werden, selbst die Stimmhöhe ist weder davon abhängig noch vom Geschlecht. Deshalb kann ein „stattlicher Mann“ eine sehr leise hohe, eine „zierliche Frau“ dagegen eine dunkle laute Stimme besitzen.

Wie schwierig es ist, keine Stimme zu besitzen, ist sicherlich nur für die Betroffenen und Menschen, die sich aufgrund von Familienzugehörigkeit oder beruflich mit dem Thema“ taubstumm“ beschäftigen, komplett nachvollziehbar. Vor gar nicht allzu langer Zeit galten „Taubstumme“ sehr oft als geistig zurückgeblieben. Obwohl bereits 1775 Samuel Heinicke eine Schule für gehörlose Kinder eröffnete, war und ist es bisweilen immer noch ein langer Weg, um Menschen, die an Gehörlosigkeit leiden, in die Gesellschaft zu „integrieren“. Zu Recht gilt der Begriff „taubstumm“ als überaltert, und „Gebärdensprachler“ nennen nicht ohne Grund die Mehrzahl der Menschen als „gebärdensprachbehindert“. Zu diesem Thema gibt es sicher immer noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Eine Stimme zu besitzen, mit der man die Fähigkeit hat, sich auszudrücken, seine Wünsche, seine Wut, seine Freude, seine Trauer mitzuteilen, wird als selbstverständlich angesehen. Aber ist dies wirklich selbstverständlich? Nicht nur im Hinblick auf Erkrankung oder einer Erkältung, die kurzzeitig die Stimme in ein krächzendes Etwas verwandelt, sondern auch im Hinblick auf die Stimme, die abgegeben werden kann bei Wahlen oder anderen Anlässen.

Ab wann Eltern oder Erziehungsberechtigte ihren Kindern erlauben, mitzubestimmen, ob es Pudding zum Nachtisch gibt oder Eis, ob man den Nachmittag auf dem Spielplatz verbringt oder im Kino, wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Die Stimme, die zur Wahl berechtigt, darf hier in Deutschland ab dem 18. Lebensjahr abgegeben werden. Um allerdings eine Entscheidung zu treffen, egal ob es sich um Pudding oder Eis handelt oder um die Wahl für eine politische Partei, überall gilt, wer nicht die Möglichkeit hat, verschiedene Meinungen, Auswahlmöglichkeiten zu haben und sich anzuhören, der kann seine Entscheidungen schlechter treffen.

Die Übung mit seiner Stimme umzugehen, gilt nicht nur im Bereich des Hörens, sondern auch in der Möglichkeit über das Gehörte zu sprechen, sich artikulieren zu können ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Druck und Zwang. Dazu bedarf es gerade bei Kindern und Jugendlichen eines ständigen Prozesses der Auseinandersetzung, aber auch des Miteinanders. Wird dies nicht ermöglicht, wird es der Erwachsene schwerer haben, seine Stimme der Entscheidung zu geben, die er selbst getroffen und zu verantworten hat.

Die Stimme als Mittel zur Verständigung, zur Kommunikation ist keine Selbstverständlichkeit, genauso wenig wie für freie Meinungsäußerung. Für beide Faktoren ist es notwendig, die Stimme zu schulen. Auch wenn gerne vor Wahlen oder weniger spektakulären Anlässen Stimmen erhoben werden, die andere Stimmen übertrumpfen, so ist über deren Inhaltswert, deren Glaubwürdigkeit nicht der Lautstärke zu entnehmen.

Jegliche Stimmungsmache ist kein Argument für bessere Argumente, besseres Wissen oder besserer Beweis, weder auf einer Party noch für Entscheidungen zu irgendeiner Wahl. Auch ist es kein gutes Zeichen, wenn Stimmen stimmend gemacht werden durch Unterdrückung, Angst und Drohungen, egal welcher Art. Da es nicht nur heute die Möglichkeit gibt, Stimmen zu kaufen, sollte gerade wenn es eine schnelle Anhäufung von Stimmen zu einem Thema gibt, deren Zustandekommen, wenn möglich hinterfragt werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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