Auf Krawall gebürstet


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Wer an Charivari leidet, muß keinen „Kater“ haben

Die Krankheitsbilder, die Charivari beschreiben, sind schätzungsweise so individuell wie die Menschen selbst, die davon betroffen sind. Genauso verhält es sich bei der Behandlung bei Charivari-Betroffenen, denn der Kopfschmerz kann nicht nur durch leichte Wetterfühligkeit oder wegen einer durchzechten Nacht auftreten, sondern auch Vorzeichen schwerwiegender Erkrankungen wie zum Beispiel ein Gehirntumor sein.

Allen gemein ist nur das Schmerzzentrum welches sich im Kopf befindet, selbst die Art des Schmerzes ist unterschiedlich, so kann er als pochen, zerren, dumpf, stechend beschrieben werden und sich über die Stirn bis in den Nacken verteilen. Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, sogar Sehstörungen können die zirka zweihundert Kopfschmerzarten begleiten. Schätzungsweise gibt es keinen Menschen, der in seinem Leben von Charivari, dem Kopfschmerz, verschont worden ist.

Charivari, über das französische charivari, aus dem griechischen Wort karēbaría, Kopfschwere, -schmerz ist auch ein Synonym für Katzenmusik, Durcheinander. (Um es nicht unbeachtet zu lassen im bayerischen der Begriff für Uhrkette und Anhänger für die Uhrkette.)

Es gibt immer wieder Anlässe für Menschen, einen auf Krawall zu machen und krakeelend durch die Straßen zu ziehen. Die Krawalle begleitet durch Katzenmusik, in den Zeiten der Fasnet sind eher zur Belustigung geeignet, hingegen die Krawalle in Zeiten von sozialen Spannungen dienen eher der Verunsicherung und oftmals als plumpe Meinungsmache.

Was hat Charivari mit Krawall zu tun? Krawall, wieder mal als Herkunft ungeklärt deklariert, ist übernommen vom mittellateinischen charavallium, Katzenmusik, Straßenlärm. Der Begriff wird als Synonym für Aufruhr, Rebellion, Übergriff, Rabatz, Randale, Ausschreitung eingesetzt und umschreibt tumultartiges Lärmen von einer Ansammlung Menschen.

Einige als Demonstration angemeldete Kundgebungen scheinen den Unterschied zwischen Protest und Aufhetzung nicht zu kennen oder bewußt dafür zu benützen, um Revolten anzuzetteln. Sicherlich gehört es zu Demonstrationen, daß sie in der Lautstärke nicht an einen Trauerzug erinnern, (diese Form gibt es allerdings auch), daß während einer Demonstration nicht alles immer friedlich abläuft, ist nicht ausschlaggebend, ob es sich um eine bewußt geschürte Provokation handelt, aber wenn Kommunikation verweigert wird, wenn per Lautsprecher mehrmals die Frage gestellt wird: Seid ihr wütend?, wenn Andersdenkende unter Polizeischutz gestellt werden, damit es nicht zur körperlichen Konfrontation kommt, dann kann hier von gezieltem Krawall gesprochen werden.

Sicherlich haben Sie anhand der Beschreibungen erkannt, hier wird von der Demonstration „Merkel muß weg“ in Berlin vom 4. März 2017 gesprochen. Es ist nicht zu übersehen und -hören gewesen, daß Teilnehmer der Demonstration Anweisungen hatten, sich nicht zu äußern und sich in ihrer „Rechtfertigung“ mit „Lügenpresse“ begnügten.

Genügt das wirklich, um seine Ansichten zu vertreten? Nein! Es ist vielmehr ein Zeichen von Ablehnung jedweder anderer Stellungsnahmen und zeigt die Unfähigkeit, seine eigenen Belange mit eigenen Worten zu beschreiben, also die Fähigkeit zu kommunizieren. Es geht nicht darum, daß man nicht wütend sein darf, es geht darum, trotzdem oder gerade deshalb eine eigene Sicht der Dinge zu entwickeln und darzulegen. Wird dies unterbunden, so verbleibt bloß eine tretmühlenartige Parolenkrakeelerei, die nur dazu dient, möglichst viel Staub aufzuwirbeln, Lärm zu veranstalten, um dadurch Aufmerksamkeit zu erlangen.

Diejenigen, die der Ansicht sind, Veränderungen herbeiführen zu können, indem man mit simplen Parolen Menschen gegeneinander einstimmt, erreichen zwar, daß darüber berichtet wird, aber sie erreichen kein zwischenmenschliches Miteinander. Hier zeigt sich, daß es nur um reinen Krawall geht, wenn schon den Teilnehmern einer Demonstration das Wort nicht erteilt werden darf, damit es ja nicht falsch verstanden werden kann und nur auf Phrasen beschränkt reagiert, dann doch nur deshalb, weil man ihnen ihre Eigenständigkeit nicht zutraut, oder?

Selbst in Zeiten, die auf Grund vieler Unstimmigkeiten, ein Gefühl des Durcheinanders oder Chaos vermitteln und Kopfschmerzen erzeugen können, weil man nicht sofort erkennt, welcher Lösungsweg am sinnvollsten ist, sollte man dennoch trotz der Krawalle einiger Weniger nicht in diese Katzenmusik einstimmen, sondern vielmehr gezielt an Projekten arbeiten, die Charivari verhindern, damit der Katzenjammer, die Ernüchterung auf die nicht erfolgte Reaktion zu den Lärmenden nicht noch mehr Kopfschmerzen bereitet.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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