Fetisch – ein Götzenbild im Gegensatz zum Talisman


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flickr.com/ peregrine blue/ (CC BY-NC 2.0)

Hoffnungsträger als Glaube, der Berge versetzen kann?

Es ist immer wieder zu beobachten, vor allen Dingen in Zeiten, in denen es für den Menschen persönlich nicht gut läuft im Leben oder wenn die allgemeine Stimmung in der Gesellschaft durch welche Vorkommnisse auch immer als düster und negativ empfunden wird, dann kommen vermehrt Fetische zum Einsatz. Sie sollen helfen, das herannahende Ungemach oder das bereits erfolgte Mißgeschick zu besänftigen, weitere zu erwartende schlechte Umstände verhindern.

Obwohl davon ausgegangen werden kann, daß es sich um Humbug handelt, das Wissen darüber allgemein bekannt ist, wir nicht mehr im finsteren Mittelalter oder zu noch früheren Zeiten leben, schließlich sogar die Zeiten des 17. und 18. Jahrhunderts hinter uns haben, erliegen Menschen dem Trugbild des Fetischs, des Talismans.

Zwischen den beiden Begriffen Fetisch und Talisman gibt es allerdings feine Unterschiede, da in der Anwendung bei dem Talisman mehr der Glücksbringer gesehen wird.

Fetisch, über das französische fétiche, Zaubermittel übernommen, vom lateinischen facere, machen, facticius, nachgemacht, künstlich, in der sprachlichen Anwendung Götzenbild, Idol, Abgott, Maskottchen, Schwarm.

Talisman, spanisch talismán, italienisch talismano, arabisch ṭilasm, Zauberbild, mittelgriechisch télesma, geweihter Gegenstand, vom griechischen teleĩn, vollenden, vollbringen; weihen, zu télos, Ende, Ziel (lt. Duden). Das Amulett, Glücksbringer, Maskottchen.

Und weil es sich direkt anbietet, Maskottchen, französisch, mascotte, Zauberei, masco, Hexe, Zauberin, mittellatein masca, laut Sprachwissenschaftlern aus dem germanischen. Dem möchte man nicht so richtig zustimmen, da das Wort Maske im Ursprung wohl aus dem arabischen Wortschatz entnommen wurde, nämlich aus dem französischen masque, von italienisch maschera, älter: mascara, vom arabischen masẖarah, Verspottung; Possenreißer; drollig.

Es ist in der Regel selten, einen Talisman zu benützen, der nicht hergestellt wurde, wie zum Beispiel einen Stein, der ohne weiteres als Talisman fungieren kann. Die meisten Fetische, Talismane, Maskotten sind gemacht, künstlich gefertigt (facere). Manche werden geweiht, damit sie ihre Bestimmung als Glückbringer vollenden können, dennoch bleiben sie bemalte und geformte Gegenstände, deren Erfolg zweifelhaft ist, deshalb sind sie eher dienlich zur Unterhaltung, also als Possenreißer und Maskerade, um tatsächliche Hilfen sein zu können.

Aber schließlich versetzt der Glaube Berge. Ihre vermeintliche Wirkung liegt schlicht und einfach darin, weil man sich nicht alleine fühlt, weil sie von jemanden angenommen wurden, der es lieb und nett meint, man dadurch ein besseres positives Gesamtgefühl erhält, das die Möglichkeit bietet, über sich herauszuwachsen, weil man unbefangener, ohne Ängste und Zweifel agieren kann.

Talismane, Fetische, Maskottchen sind Humbug, das wissen die meisten Menschen und handeln auch danach, indem sie sie zwar anwenden, aber ihre Wertigkeit nicht überschätzen. Dennoch erliegen Menschen der vermeintlichen Macht dieser Figuren, wenn sie glauben, daß der Erfolg, den sie gerade erlebt haben, nur mittels des Glückbringers geschehen ist. Der Effekt dieses Zugeständnisses an den Talisman, den Fetisch ist in solchen Situationen eine wachsende Abhängigkeit, die es dem Träger, dem Besitzer des Maskottchens nicht mehr ermöglicht, ohne sein Beisein irgendeine Entscheidung, eine Handlung zu tätigen. In diesem Moment wurde und wird die Macht über sämtliche Geschehnisse dieser Figur übertragen.

Es gleicht einer Sucht, diese Macht, die es unmöglich werden läßt, weiteres Tun ohne die Anwesenheit dieser Gegenstände zu bewerkstelligen. Es ist, als ob nur noch der Talisman über gut und böse, richtig und falsch, gelingen oder mißlingen entscheidet, und der Besitzer ein Figürchen in der Hand des Fetischs wird oder werden kann, also die Entscheidungsfreiheit, die Selbstbestimmung abgegeben wurde.

Solange der Talisman, der Fetisch, das Maskottchen als das angesehen werden, das sie darstellen, als Posse, als Hokuspokus, als gemachter Zauber, kann der Glückspfennig ruhig in Ihrem Geldbeutel liegenbleiben, vielleicht hilft er in Situationen weiter, wenn kein anderer Gegenstand zu Hand ist, um eine Flasche Bier zu öffnen, eine Schraube zu lösen oder um Langeweile mit einem kurzweiliges Spiel zu vertreiben.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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3 Antworten zu Fetisch – ein Götzenbild im Gegensatz zum Talisman

  1. gkazakou schreibt:

    Richtig: es kann eine Abhängigkeit vom Talisman entstehen, durch die die eigene Handlungsfreiheit eingeschränkt wird.
    Falsch: es handelt sich um Humbug.
    Meiner Meinung nach handelt es sich um Phänomene der – im „wissenschaftlichen Zeitalter“ verdrängten träumerischen Zwischenwelten, der jeder im Schlaf begegnet und die im Talisman oder Fetisch sichtbaren Ausdruck finden. Und als solche „Kapseln des halb Bewussten“ auch Wirksamkeit entfalten.

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    • quittenbluete schreibt:

      Liebe Gerda, ich kann dir zustimmen, wenn du den Fetisch als „träumerische Zwischenwelt“ beschreibst und weiß selbst, welche Kraft, Stärke in den „Kapseln des halb Bewußten“ inne wohnen können. Humbug wird es für mich, wenn diese Kraft als ständiger Übertrager fürs Gelingen, für Entscheidungen beansprucht wird, denn in diesem Fall ist es nicht mehr die schöpferische Hilfe, sondern Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit kann zu einer Sucht ausarten, die die Handlungsfähigkeit des Individuums einschränkt. Hier beginnt für mich der Humbug, und der Talisman wird zur Posse, zu selbstgefertigten Gestalt ohne Bedeutung, Humbug eben. Liebe Grüße Doris

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  2. gkazakou schreibt:

    genauso meinte ich es auch. Wir sind uns einig. 🙂

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