Alltagsrassismus in Deutschland


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flickr.com/ strassenstriche.net/ (CC BY-NC 2.0)

Multikulturelle Gesellschaft muß sich ständig rechtfertigen

Das in einer Welt, die ohnehin ständig zusammenwächst, ob mit oder ohne Flüchtlingsströme. In mancher Provinz ranken etliche Geschichten von Neigschmeckten (Reigschmeggden), wie es im Südbadischen lautet sowie im Elsaß, in Vorarlberg oder in der deutschsprachigen Schweiz. Fremdlinge oder ganz simpel Ausländer dem Alltagsrassismus hierzulande ausgesetzt?

Was ohnehin gängig geschah, religiöse Ausgrenzung, denken wir an die Verhöhnung der Juden weit vorm Nationalsozialismus, erreichte in der Nazi-Ära seinen brutalen Höhepunkt mit dem Holocaust, setzte sich auch nach dem Krieg in beiden Teilen Deutschlands ganz offen und versteckt fort. Die in den 1970iger Jahren in West-Deutschland angenommene Aufarbeitung dieser Form des Rassismus schlummerte lediglich vor sich hin, wie inzwischen nach etlichen Flüchtlingsheimbrandstiftungen, den NSU-Morden und einer erstarkten Neuen Rechten überdeutlich wurde.

Keine Macht dem Rassismus – Tupoka Ogette engagiert sich beherzt

Leichter gesagt und zurecht gefordert als umgesetzt. Solange in Deutschland selbst ein Ku-Klux-Klan wirken kann, eine Pegida durch Städte marschiert, rechte Parteien es schaffen, in den Deutschen Bundestag gewählt zu werden, die Justiz vielfach auf dem rechten Auge erblindet agiert, denken wir an den Sachsensumpf, an die NSU-Affäre, tobt da draußen der Alltagsrassismus mit seinen sichtbaren Facetten.

Wer kennt sie nicht, die Bilder von Hooligans bei der letztmaligen Fußball-EM 2016 in Frankreich, die Spitze des Eisberges, der im Alltagsrassismus ohnehin seine ganze Tragweite offenbart. Tupoka Ogette engagiert sich nicht nur sehr beherzt, sie arbeitet auch als Expertin und Trainerin für Vielfalt und Antidiskriminierung vor allem zu den Themen Diversity, Antirassismus. Hier im Video schildert sie über ihre Einladung als Referentin zum Thema Diversity seitens eines großen Konzerns, wie sie aber als Küchenhilfe empfangen wurde.

Im MiGAZIN schilderte sie bereits über ein kurzes Erlebnis während einer Taxi-Fahrt, Fragen tauchten auf, woher sie denn käme, einmal mehr ein Indiz des „otherings“, einer Alltagsform des Rassismus, dem oftmals eben jene ausgesetzt, wo ein Elternteil aus einem anderen Land stammt. Weitergedacht sind aber selbst all jene betroffen, die seit Generationen Deutsche sind, trotzdem uralte Vorfahren ein „anderes“ Aussehen verdeutlichen, nicht dem Bild des „reinen Deutschen“ entsprechen. Schon befinden wir uns mittendrin in jenem Rassismus, der mal wieder zunimmt.

Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ruft ICERD auf den Plan

Lediglich fast ganz Südamerika und Europa, Australien, Russland sowie drei afrikanische Staaten erkennen das Komitee nach Artikel 14 des ICERD (International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination), kurz die UN-Rassendiskriminierungskonvention an.

Was auf dem Papier bestand hat, kann sich dennoch verändern, denken wir an Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab, wobei die Mischung aus etlichen Halbwahrheiten im Buch erst recht rassistisch Veranlagte als Aufforderung betrachten, diese auszuleben.

Es bedarf eines wesentlich beherzteren Widerstandes, diesem neu entflammten Rassismus zu trotzen. Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ zeigt den Weg, mögen noch viel mehr Menschen den Alltagsrassismus nicht mehr zulassen, wehret den Anfängen, bevor jene perfide, simple Methode der Ausgrenzung und des Hasses überhand nimmt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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2 Antworten zu Alltagsrassismus in Deutschland

  1. Cin ♥ schreibt:

    Gutes Thema… Respekt!

    Gefällt 1 Person

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