Und ewig lockt der Lügner


https://pixabay.com/de/wahrheit-l%C3%BCge-strassenschild-257160/

pixabay.com

Was wir schon immer in Wirklichkeit wußten

Und ewig lockt der Lügner. Sie haben richtig gelesen. Es ist nicht das Weib, das immer lockt, auch wenn sich dies für einige Mitmenschen als simple Diffamierung gegenüber dem weiblichen Teil der Bevölkerung, als beliebtes Argument darbietet, um sich selber in die Position des Verführten, somit des Unschuldigen zu rücken. Auch wird hier nicht auf den 1956 gedrehten Film „Und immer lockt das Weib“, mit Brigitte Bardot und Curd Jürgens in den Hauptrollen, hingewiesen, obwohl sich in Bezug zu diesem Film sicherlich eine Menge von Themen anbieten würden.

Nein, es ist der Lügner generell, der mit Reizen oder Worten lockt, sowohl weiblich als auch männlich, denn weder die Verlockungen noch die Lügen sind explizit auf eine Gruppe fokussiert, höchstens in Zusammenhang mit einer verbandelten eingeschworenen Gemeinschaft.

Locken, althochdeutsch lockōn, laut Duden wahrscheinlich verwandt mit lügen. Wie schon öfters bemerkt, sind bei einigen Wortursprüngen die Sprachwissenschaftler überaus vorsichtig mit eindeutigen Nachweisbenennungen. Da hat man als „Ungelehrter“ manchmal die Chance, seine Interpretationen der Worte freier zu äußern. Das Wort locken bedeutet unter anderem ködern, herlocken, reizen, verlocken, weglocken, gemeint ist, durch Versprechungen jemanden zu überreden, etwas zu tun.

Die Locke, ein Haarkringel, althochdeutsch loc, war ursprünglich der Begriff für das Gewundene, das Gebogene.

Bei Darstellungen und charakteristischen Beschreibungen von Lügnern wird nicht nur sehr oft die Körperhaltung in leicht gebogener, vielleicht seitlich gekrümmter Haltung dargestellt, die Sprechweise wird als um den Brei herumreden formuliert.

Wer sich in der Pflanzenwelt ein bißchen auskennt, wird wissen, daß Schlingpflanzen die Eigenart besitzen, sich schlängelnd an andern Pflanzen oder Stämmen emporstrecken, um möglichst ganz oben einen Platz zu ergattern. Sehr oft auch unter der Prämisse, die zum Emporsteigen benötigten Pflanzen zu erdrücken.

Somit läßt sich erklären, warum das Locken, das süffisante Reden, gleichgesetzt werden kann mit lügen. Denn nicht alle Verlockungen halten das Versprechen der vielen guten Zureden oder des Gezeigten. Selbst in der Pflanzen-, Tierwelt finden sich Beispiele, daß die dargebotene Verlockung ins Verderben führen kann, man denke an die fleischfressenden Pflanzen oder das Nachahmen eines Duftstoffes zur Irreführung.

Warum Menschen andere Menschen durch das Vortäuschen falscher Tatsachen, also durch Lügen, von etwas überzeugen wollen, dem sie ansonsten nicht zustimmen würden, kann durchaus ganze Bibliotheken füllen.

Ob nach dem Wissenstand verschiedenster Ansichten, Analysen und Erkenntnissen die Gefahr gebannt ist, selbst nicht mehr belogen werden zu können, ist mehr als fraglich. Sicher gibt es ein paar grundsätzliche Vorsichtsmaßnahmen, die einen Lügner enttarnen können, dennoch ist die Bandbreite, einer Verlockung zu unterliegen, um ein wesentliches höher.

Das Locken, das Heranlocken oder Weglocken, wenn Gefahr besteht, das liebreizende Reden zum Schutz kann unumwunden als positive Hilfestellung in vielen kleinen aber auch in dramatischen Situationen Leben schützen und retten.

Vielleicht liegt hier die Crux, die Schwierigkeit für alle Menschen und zwar auf beiden Seiten, somit vom Standpunkt des Lügners und des Belogenen. Als Gedankenanstoß sei daran erinnert, fast alle Eltern versuchen durch eine mehr oder weniger „durchtriebene“ List, ihren Kindern Lebensmittel schmackhaft zu machen, die ansonsten partout nicht im bevorzugten Bereich der Nahrungsmittel für die Kinder gehören. Einerseits sind sich die Erwachsenen bewußt, hier mit einer Notlüge zu agieren, andererseits ist es zum Wohl des Kindes. Einerseits sind sich die Kinder oftmals bewußt, daß sie gerade an der Nase herumgeführt werden, andererseits empfinden sie dies aber nicht als komplett abwegig. Dies ist nur eine überspitzte Situationsbeschreibung und hat selbstverständlich keine Allgemeingültigkeit, sondern soll nur zur Erklärungsunterstützung dienen, denn diese oder andere Situationen geschehen ständig im täglichen Ablauf, auch zwischen Erwachsenen.

Um noch mal kurz an die Kletterpflanzen zu erinnern, fast keine der Schlingpflanzen benützt seinen „Artgenossen“ als unterstützende Hilfe zum Emporranken. So ähnlich wie der Spruch, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Sind wir Lügnern ausgesetzt, von denen wir ausgehen, sie gehören mit zur „Familie“, wie immer man diese gemeinschaftliche Verbundenheit empfinden mag, und aus welchen Beweggründen sie zustande kommt, desto leichter fallen wir auf Lügner herein. Können aber keine Übereinstimmungen oder weniger identifizierende Faktoren nachempfunden werden, desto weniger wird der Lügner mit seinen Verlockungen Zustimmung erfahren.

Es wird für unmöglich gehalten, daß ein „Freund“ belogen wird. Und dies ist das Konzept von, Sie wissen schon, Verkäufern, Vertretern, Marketingstrategen und allen, die es gut mit uns meinen. Ein „Mitglied“ lockt man nicht in die Falle, benützt man nicht, um sich emporzustrecken, deshalb sind die Verführungen mit einer gewissen Raffinesse Voraussetzung für das Locken durch Lügner.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s