Blender reden Blech


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Um so wichtiger, sie zu durchleuchten

Wenn sie denn durch die trüb gefärbten graumilchweißen Wolken blickt und uns ihr Antlitz trifft, werden wir geblendet von ihren Strahlen. Der Sonnenstand in Frühlings- und Herbstzeiten verursacht durch den schrägen Fall der Sonnenstrahlen eine direkte Blendung der Augen. Je höher die Sonne steht, desto weniger fühlen wir uns geblendet. Zum Schutz gerade beim Autofahren werden die Blenden heruntergeklappt, die aber nicht immer genügend Wirkung gegen die grellen Lichtstrahlen erzielen.

Der Schutz mit Blenden gegen das Blenden scheint eine eigenwillige Formulierung zu sein, oder etwa doch nicht?

Blenden, althochdeutsch blenten, ursprünglich das Wort für blind machen. Blenden auch in der Bedeutung, jemanden durch bewußte helle Lichtstrahlung kurzzeitig in seinem Sehvermögen beeinträchtigen (z.B. Laserstrahl, Fernlicht). Blenden steht zudem für jemanden beeindrucken, ihn mit etwas zu faszinieren, daß er nichts anderes mehr sieht und wahrnimmt, erkennt. Synonyme Wörter sind behexen, fesseln, betören, bluffen, täuschen.

Die Blende ist eine Schutzvorrichtung, um starke Lichteinwirkung zu verhindern, in der Optik unter anderem um die Belichtung zu regulieren, in der Architektur zur Verzierung, genauso wie bei der Bekleidung als Ausschmückung. Und hier kann man die Blende ebenso als Blickfang umschreiben.

Blicken, althochdeutsch blicchen, glänzen, strahlen. Das Wort ist verwandt mit Blech und bleich. Blech, althochdeutsch bleh. Eigentlich nicht verwunderlich, da Bleche, wenn sie poliert sind, nicht nur glänzen und strahlen, sondern eine Möglichkeit bieten, sich in ihnen zu spiegeln. In der Umgangssprache heißt Blech daherreden, soviel wie dummes Zeug labern, Unfug von sich geben, Schwachsinn reden.

Bleich, althochdeutsch bleih, glänzend, sehr blass, von heller weißlicher Farbe. Die Beschreibungen reichen von blaß, fahl, grau, käseweiß bis blutleer und kreidebleich.

Die Begriffsherleitungen von bleich, blenden, blicken und Blech sind insofern schlüssig, wenn man bedenkt, daß je heller die Lichtstrahlung, desto intensiver die Wirkung des Blendens. Der Schutzfaktor eines Bleches hat zu anderen Materialien den Vorteil der Undurchdringlichkeit, und ein dünn gewalztes Blech reicht bereits aus, um als Schutzblende vor heftigen Lichteinstrahlungen, aber auch vor Blicken zu schützen.

Es wird vermutet, daß kein Blech reden von dem Umstand herrührt, daß Blechgefäße keine harmonisch schönen Töne hervorbringen. Das widerspricht ein wenig der Tatsache, daß es eine ganze Reihe von Instrumenten gibt, die als Blechblasinstrumente in Orchestern eingesetzt werden.

Vielleicht ist in diesem Zusammenhang vielmehr davon auszugehen, Blech reden rührt eher von der Tatsache her, daß der Angesprochene gerade geblendet wird, er also frühzeitig feststellt, in wie weit er durch Worteinflüsterungen in seiner Wahrnehmung beeinflußt werden soll. Damit ist er für den Blender nicht mehr zu täuschen, er hat trotz Ausschmückungen des Gesagten den Blick auf das Gesamte nicht verloren.

Die meistens zu beobachtende Reaktion, wenn das Licht blendet, ist mit den Augen zu blinzeln, damit der Lichteinfall minimiert wird. Und ja, sie vermuten richtig, blinzeln ist verwandt mit blinken und war in seiner ursprünglichen Bedeutung ein Wort für glänzen.

Manche Menschen blinzeln mit ihren Augen, wenn sie über etwas Schwieriges nachdenken oder etwas besser verstehen wollen, dann werden die Augen gerne zugekniffen. Die Augenlider dienen als Blendschutz. Wenn hingegen etwas absolut Interessantes erzählt wird, sind die Augen sehr oft weit aufgerissen und das Gegenüber bekommt zu hören, daß der gefangene Fisch mindestens einen halben Meter lang war als die tatsächliche Größe von zwanzig Zentimetern. Hier dienen die Augen als Bündelung von „Durchblick“, als Blendung.

Blender, also Menschen, die andere Menschen blenden, verstehen sich darauf, das Licht gezielt auf das zu lenken, das ein Gegenüber zu sehen bereit ist. Es funktioniert ähnlich wie die Zauberer auf der Bühne agieren, die mittels Ablenkung den Zuschauer „nötigen“, seinen Blick auf das scheinbar wichtige Geschehen zu lenken, damit in der Zwischenzeit die für den magischen Effekt benötigte Handlung wie ein „Paukenschlag“ wirkt.

Blenden einsetzen, um nicht geblendet zu werden, ist also gar nicht eine eigenwillige Formulierung, sondern die einzige Möglichkeit sich wirklich vor dem Blenden zu schützen. Durch das Erleuchten der Hintergründe, durch mannigfaches, vielseitiges Wissen und Erkennen, können wir am besten denen das Handwerk legen, die Blech reden, um sich Vorteile zu verschaffen oder Menschen hinters Licht führen, damit ihre Weltanschauung zum Leuchten kommt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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