Wenn Ideologien zu Idiotien führen


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Ohne Veränderung keine geistige Vielfalt

Eine Vielzahl von Ideologien bestimmen nicht immer im Sinne aller Individuen das Weltgeschehen. Dies betrifft nicht nur die Individuen, die von außen auf eine gelebte Ideologie sehen, sondern auch die Individuen, die einer wie auch immer genannten Ideologie ausgesetzt sind.

Die Ideologie, Anschauung, Einstellung, Denkweise, Weltbild, Grundeinstellung, Überzeugung stammt als Oberbegriff aus dem französischen idéologie, Ideenlehre. Der Begriff gilt als Wortschöpfung des französischen Philosophen A. L. C. Destutt de Tracy (1754–1836). Es ist eine Wortzusammenstellung von griechisch idéa, Idee und was wir alle kennen von –logie. Das in seiner erweiterten Bedeutung mit Lehre übersetzt werden kann. Griechisch lógos, Rede, Vernunft, Überlegung.

Die durch Destutt de Tracy geprägte Ideologie bezog sich auf das Projekt der einheitlichen Wissenschaft der Vorstellung und Wahrnehmungen. Die französischen „Idéologistes“ wollten mittels eines pädagogischen Konzepts zur Breitenaufklärung gegen eine neue Schreckensherrschaft aufklären. Napoleon Bonaparte unterband dies mit dem Vorwurf eines wirklichkeitsfremden Systemgebäudes. Im deutschen Sprachraum haben Marx und Engels diesen Begriff als herrschaftskritisch benützt. Die von Francis Bacon formulierte „Idolenlehre“, die in Grundzügen den gleichen Denkansatz vermittelt, bezog sich auf das Bereinigen von Idolen (Trugbilder), die in der Wissenschaft, Tradition, Sprache, Herkunft, Sozialisation zu finden sind.

Ob wir nun die Ideologien in Bezug auf eine politische Weltanschauung für die verschiedenen Religionen oder für wissenschaftliche Überzeugungen betrachten, allen kann attestiert werden, sie sind nicht frei von Trugbildern. Welche dies sind und in welcher Anzahl sie sich in den verschiedenen Ideologien verbergen und zu welchen Zwecken sie vielleicht absichtlich, trotz dem Wissen über falsche Ansätze, nicht bereinigt werden, darüber könnte nicht nur, darüber wird ständig diskutiert.

Oder etwa doch nicht? Nicht überall sieht und hört man es gern, wenn einmal zusammengetragene Ideologien hinterfragt werden, denn etwaige Zweifel oder gar Verbesserungsvorschläge sind Störungen, die ein klar umrissenes Konzept zum Wanken bringen könnten. Gerade Ideologien, deren Verfechter sich ein Erhaben sein anmaßen, dulden keine Fragen, die ihre Position oder die der Ideologie „schaden“ könnten, selbst wenn eindeutige Trugschlüsse vorliegen.

Idol, Trugbild, aber auch Abgott, Leitfigur, Vorbild, Ideal ist vom griechischen Wort eídōlon, Gestalt, Götzenbild abgeleitet, und dem Grundwort ideĩn, Idee entnommen. Die Idee, bei Platon das Urbild, ist abgeleitet von ideĩn, sehen, erkennen. Ideen sind Gedanken, Auffassungen, Begriffe, Vorschläge, Einfälle, Erkenntnisse, Geistesblitze und zahlreiche Erfindungen sind auf diese Impulse zurückzuführen, aber auch künstlerische Ausdruckformen.

Werden Erkenntnisse, Anschauungen unterbunden, verkümmert nicht nur die kreative Vorstellung, die Phantasie, sondern auch das Vermögen der gedanklichen Auffassung von Zusammenhängen. Dies führt zwangsläufig zur Verdummung, zur Idiotie. Idiot, aus dem griechischen idiṓtēs, gewöhnlicher, einfacher Mensch. Das Wort entstammt von ídios, eigen, eigentümlich.

Wer sich in vieler, wenn nicht gar allen Angelegenheiten auf das eigene und unverwechselbare, wesensgemäße, typische bezieht, hat keine Fähigkeit mehr, sich für andere und anderes zu öffnen. Er ist sozusagen auf einer Stufe stehengeblieben und trotzt jeder Weiterentwicklung, dies ist ein Zeichen von Verschrobenheit, Sonderlichkeit, Eigenartigkeit und wird mit den Ausdrücken, Ignorant, Depp, Simpel, Trottel beschrieben.

Sicher sind nicht alle, die sich vehement dagegen sträuben, eine einmal festgelegte Ideologie nachzubessern oder gar komplett als Irrtum zu erkennen, Idioten. Aber sie sind Kleingeister, die sich weigern, neue Impulse, Ideen aufzunehmen und auszuarbeiten. Dies ist der Grund, warum viele Ideologien, die im Ansatz, von der Grundidee her gute Inspirationen eröffnen könnten, oftmals nur noch leere Hülsen darstellen, die mit Gewalt und Niedertracht aufrecht erhalten werden. Es liegt nicht nur an dem Erkennen der Trugbilder, es liegt vor allen Dingen an der Unflexibilität der Menschen, die sich einer Ideologie verschrieben haben und an deren Festhalten ihrer Machtposition.

Ideologien sind Grundmuster, und wenn sie nicht ständig verändert werden, werden wir nur immer dasselbe zu sehen, zu erkennen bekommen und haben somit keine Chance auf neues Erkennen und eine geistige Vielfalt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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