Dunkle Kammer der Kameraden


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Zweckgemeinschaften oder manipulierte Verbindungen?

Sie ist ein fast ständiger Begleiter geworden, entweder in der eigenen Hand oder vor dem Auge eines x-beliebigen Passanten, aber auch fest installiert, inzwischen nicht nur an sogenannten Knotenpunkten, sondern in Geschäften, Betrieben, an Straßenkreuzungen und seit neuestem unscheinbar fliegend in der Luft, die Kamera.

Für viele vor etlichen Jahren noch unerschwinglich und teuer nicht nur in der Anschaffung, sondern auch die Kosten für die Entwicklung vom Negativ zum Photo, war die Kamera mancherorts ein feudales Hobby: Wer es sich leisten konnte, baute sich eine Dunkelkammer in seiner Wohnung oder Haus ein, um seine Kunstwerke bei nächstmöglicher Gelegenheit seinen Besuchern zu präsentieren. Dabei war nicht nur das Motiv auf den Photographien das Gesprächsthema, es wurde auch stundenlang über die technischen Komponenten zur Verwirklichung dieser Photographie gefachsimpelt.

Heute gestaltet sich der Gesprächsbedarf dahingehend, wieviel Photoshop, das heißt Manipulation am Bild vorgenommen wurde, außer bei denjenigen, die sich noch mit sehr viel Leidenschaft ihren Motiven und einer manuellen Kamera bedienen. Für alle anderen ist die Kamera ein Werkzeug zur Selbstpräsentation der schnellen Art geworden oder als beweisführendes Material für die unzähligen Überwachungsobjekte.

Den Namen Kamera bekam dieses Wunderwerk der Technik von dem lateinischen Begriff camera obscura, dunkle Kammer, wobei obscura eigentlich bedeckt bedeutet und wir dieses Wort auch für anrüchig, suspekt, zweifelhaft, undurchsichtig benützen. Kamera, althochdeutsch chamara, über das lateinische camera, ursprünglich vom griechischen Wort kamára, bedeutet Raum mit gewölbter Decke oder gewölbte Decke. In unserem Sprachgebrauch ist kamára als Kammer, Abstellraum, Kabuff, eingegangen.

Setzt man hinter das Wort Kamera ein „d“, so erhalten wir das Wort Kamerad. Erstaunlich, wie schnell sich ein Begriff verwandeln kann. Kamerad, aus dem französischen camarade, italienisch camerata ist ein Begriff für Stubengenossenschaft, Kammergemeinschaft. Schätzungsweise bildete sich der Wortbegriff aus dem Umstand heraus, daß das Gesindel, Knechte bei längeren Aufenthalten oder Übernachtungen in einem Gemeinschaftsraum, wenn nicht im Stall geschlafen haben. Viele dieser Kammern lagen außerhalb des Haupthauses.

Und nicht immer waren diese Stubengenossen gemeinschaftlich verbunden, oftmals war es einfach eine Zweckgemeinschaft und nicht nur aus den unteren Rängen der Gesellschaft. Meist wird diese Kameradschaft als vertraute Freundschaften dargestellt, wie zum Beispiel in militärischen Kreisen. Damit wurde und wird eine völlig verfälschte Darstellung verbreitet, die mit der Wirklichkeit nicht konform geht.

Außer es handelt sich um Menschen, die sich bewußt zusammenschließen, weil sie die gleichen Interessen verfolgen. Natürlich gibt es hier zwischenmenschliche Spannungen, diese werden aber im Interesse der Sache unter den Tisch gekehrt. Kameradschaftliche Verbindungen waren und sind Zweckgemeinschaften, aus denen heraus zwar Freundschaften entstehen können, aber nicht müssen.

Es ranken sich um dieses Kameradendasein, Kameradschaften die verschiedensten Erzählungen, Geschichten, manchmal sogar regelrechte Märchen. Vielen ist gemein, daß von einer verschwörerischen „Sippenwirtschaft“ gesprochen wird, von geheimen Treffen, Absprachen und darauffolgenden Handlungen. Dies alles ist nicht von der Hand zu weisen, und da es sich dabei um Gemeinnisse, Verschwörungen dreht, ist der Wahrheitsgehalt nicht immer richtig zu deuten. Interessant ist hin und wieder zu hören, gerade von Menschen, die irgendeiner Kameradschaft sich in Treue ergeben haben, daß diese und jene Kameradschaft sich mit Lügen Vorteile verschafft oder jene seien die Bösen, sie die Guten. Es gibt unter diesen Kameradschaften natürlich auch Verbindungen, wenn sie denn zu einem Vorteil gereichen.

Mag die Wortverwandtschaft zwischen Kamera und Kamerad Zufall sein oder nicht, beides umgibt eine Art Geheimnis, hoffen wir mal kein böswilliges. Bei der Kamera wie auch bei den Kameraden ist einiges, wenn nicht gar vieles manipulierbar, ob immer das Wirkliche, die Wahrheit gezeigt wird, hängt bei beiden nicht nur vom Zweck ab, sondern von der Ehrlichkeit der handhabenden Personen.

Wie überall gilt auch hier, wer oder was sich hinter verschlossenen Räumen bedeckt, verhangen, undurchsichtig präsentiert und damit kokettiert, sich die Welt nach eigenem Gutdünken zu gestalten, der, ja der hat etwas zu verbergen, und die camera obscura (dunkle Kammer), so widersinnig sich das anhören mag, hat die besten Chancen, dies aufzudecken, es sei denn, sie und ihre Aufnahmen sind nicht manipuliert.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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