Politik zwischen Selbstgerechtigkeit und enttarnten Wohlstandslügen


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Zwei europäische Nationen offenbaren Fehlentwicklungen

Mitten in Europa dürfen die Bürger der zwei größten Wirtschaftsnationen zur Wahlurne schreiten. Frankreich im Frühling, hierzulande im Herbst. Kein außergewöhnlicher Vorgang, der bereits seit Jahrzehnten völlig selbstverständlich stattfindet, schließlich dürfen sich doch in kapitalistischen Zeiten Demokratien glücklich schätzen, weder eine Diktatur noch eine Monarchie mehr zu dulden.

Während eine zunehmend unzufriedene Anzahl von Menschen die bestehende Politik nicht nur ablehnt, sondern bereits als verbrecherisch selbstgefällig sie tituliert, die Neue Rechte europaweit sich formiert, bemerkt gleichwohl eine unschlüssige Wählerschaft, in wie weit die bisherige Politik es versäumte, moderate Lösungen zu erschaffen. Die Hofierung einer Klientel wachsenden Reichtums und der Abbau sozialer Standards läßt sich nicht weiter leugnen.

Können noch durchgreifende Lösungen folgen? Einerseits schafft eine SPD mit ihrem kurzzeitigen euphorischen Hoch des Schulz-Effekts zu punkten, doch die ewiglich bekannte Variante vollmundiger Versprechen in Wahlkampfzeiten den sozialen Anstrich wieder aus der Mottenkiste hervorzukramen, diesmal mit halbherziger Kritik an der Agenda 2010, vermag vielleicht erneut manche beeindrucken, tatsächlich darf man dies aber anzweifeln. Zur Not läßt eine SPD sich nach der Bundestagswahl sicherheitshalber aus machtpolitischen Gründen wieder auf eine Große Koalition ein. Eine R2G- oder Ampelkoalition dürfte sowieso kaum fruchten.

Drüben in Frankreich toben in Pariser Vororten Proteste, in paar anderen Städten ebenso. Während die Neue Rechte gar im Sinne von Fake-News gleich einen französischen Bürgerkrieg wittert, schließlich scheint Ängste schüren nach wie vor für sie eine wichtige Option darzustellen, sollte man dennoch vielfach zerschlagenes Porzellan im deutschen Nachbarland nicht unterschätzen. Hollandes Politik mißlang, Marine Le Pen greift nach dem Präsidentensitz, aber einem Emmanuel Macron werden für die Stichwahl größere Chancen eingeräumt. Europa real im Umbruch?

Wer sinkende Schiffe beobachten möchte, der werfe einen Blick gen Westen. Wie schon so oft in der jüngeren Geschichte zeigen die USA am anschaulichsten Entwicklungen auf. Vom Weltkriegsbefreier zur Hippie-Generation, dem Beispiel grenzenloser Freiheit von Liebe und Verständnis untereinander folgte das Vorrücken weltweiter kriegerischer Einsätze, mit stets neuen Vorwänden bishin zu den legitimierten Wars On Terror. Zusammen mit einer aggessiven Nato bombt es sich pflegeleichter, sitzt inzwischen auch wieder Deutschland mit im Boot.

Mit dem Aufkommen der Subprimekrise im Sommer 2007 offenbarte sich der ganze Wahnsinn finanzieller Spekulationswirtschaft, sollten sich bis heute jedwede Korruptionsvorwürfe an diesen Ereignissen messen lassen. Das geschieht allerdings mitnichten. Ganz im Gegenteil, Wohlstandslügen greifen noch, Bürger halten fest an dem Modell schier grenzenloser Ausbeutung, dem eine Dritte und Vierte Welt längst ausgesetzt ihr Dasein fristet. Langsam beginnt in den Köpfen mancher zu dämmern, auch hierzulande reift die Erkenntnis, daß dies nicht ewiglich funktionieren kann. Und was dann?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Eine Antwort zu Politik zwischen Selbstgerechtigkeit und enttarnten Wohlstandslügen

  1. Rudolf Kolba schreibt:

    Ein großartiger Artikel.
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Gefällt mir

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