Frisuren – Merkmale mit dem gewissen Etwas


https://www.flickr.com/photos/intercoiffureschweiz/15101605586/sizes/z/

flickr.com/ intercoiffureschweiz/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Wenn alte Zöpfe abgeschnitten, ist noch längst nicht der Bart ab, oder?

Sind es nun Vorurteile, oder stimmen sie etwa doch? Jede neue Frisur oder neue Haarfarbe bei einer Frau wird gleichgesetzt mit einer gleichzeitigen persönlichen Veränderung, sei dies in Bezug auf eine neue Lebenseinstellung, den rigorosen Schnitt unter einer Trennung, die Verzweiflungstat hinsichtlich einer Selbstverwirklichung.

Erstaunlich an dieser Aussage ist die stetige permanente Behauptung, die sich nur auf weibliche Personen fixiert. Wenn männliche Personen, egal welchen Alters, sich einen neuen Haarschnitt verpassen lassen, wird das zwar registriert, aber selten so einen Wirbel darum gemacht, außer wenn es um das generelle Lästern geht, aber das geschieht auch bei Frauen, deren Haarstruktur, Wachstum anscheinend nicht den geltenden modernen Vorstellungen entspricht.

Frisieren über das niederländische friseren, aus dem französischen friser, kräuseln. Andere Wörter, die mit frisieren gleichgesetzt werden können, sind bürsten, schniegeln, kämmen. Es wird aber auch in Zusammenhang mit etwas beschönigen, aufputzen, schönfärben eingesetzt und das nicht nur in Bezug auf das Tunen von technischen Gefährten, sondern auch, um Tatsachen so hinzustellen, daß sie dem Anschein nach korrekt sind, obwohl es sich um Lügen handelt, also etwas vortäuschen.

Durch die gesamte Menschheitsgeschichte kann man in Bezug auf Frisuren die verschiedensten Mode- oder Kulturwelten erblicken. Das Haupthaar als Symbol einer Zugehörigkeit, des Schmückens wegen oder des Versteckens. Jede Epoche, jede Kultur gestaltete ihre eigenen Kreationen und zwar für weibliche Personen genauso wie für die männlichen Mitglieder dieser Gesellschaften. Den alten Zopf abschneiden, bedeutet die alten Gewohnheiten aufgeben. Diese Redewendung geht zurück ins 18. Jahrhundert, als die männliche Frisurenwelt noch Zöpfe trug, diese wurden im Nacken zusammengebunden.

Ab 1789, nach der Französischen Revolution, sah man diese Art der Frisur als rückständig an. Bei der Militärreform in Preußen wurden die Musketierzöpfe (streng nach hinten gekämmte Haare, mit Seidenband umwickelt, sie waren bis zu 56 Zentimeter lang und bis zur Taille fallend, das war die verbindliche Haartracht der preußischen Armee), wurden diese Zöpfe abgeschnitten als symbolisches Zeichen gegen den Absolutismus und den Feudalstaat. Konservative trugen die Haartracht des Zopfes bis ins 19. Jahrhundert.

Jetzt sind die alten Zöpfe weg und damit auch die Geisteshaltung, jetzt gibt es eine neue Frisur und somit eine andere Lebenseinstellung? Jetzt ist der Bart ab! Jetzt ist aber genug, Schluß jetzt, es reicht! (Kaiser Wilhelm II. trug Schnurrbart und keinen Vollbart, entgegen der Gewohnheit der Vorgänger.) Es ist zwar nett, davon auszugehen, daß eine äußerliche Veränderung eine innerliche Veränderung mit sich bringt, aber in den meisten Fällen ist dies ein Trugschluß. Denn so leicht funktioniert keine „Transformation“. Wäre dem so, hätten Therapeuten und Psychiater keine Aufgaben mehr, außer ihren Patienten die Haare zu schneiden, nach der Façon, die sich am besten für ihren Typus eignen.

Es mag sein, daß eine frisurtechnisch bestimmte Typveränderung (denn das kann ohne weiteres mittels eines andern Haarschnittes kreiert werden) für eine kurze Zeit eine euphorisch befreiende Stimulation hinterläßt, aber auf Dauer wird dies keinen besseren, schöneren Menschen ausmachen.

Typveränderungen, um damit eine Einstellung zu einer Gruppierung zu unterstreichen, sind zudem nicht immer wirklich von Vorteil (typmäßig), sondern oftmals wirken sie getunt, aufgesetzt und sind eher als Uniformierung zu sehen.

Die jetzigen Frisuren, die auffällig besonders von männlichen Personen bevorzugt werden, um damit uniformiert aufzutreten, stehen nicht für eine freie unabhängige Geisteshaltung, sondern dafür, die alten Zöpfe wieder aufzumotzen.

Frisurtechnische Typveränderungen sind demnach nicht ein typisch weibliches Verhalten. Wer wirklich etwas verändern möchte, sollte seine Geisteshaltung durchkämmen, denn schließlich können sich dort Knoten festgesetzt haben.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kolumne abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s