Ventile auf der Suche sich abzureagieren


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flickr.com/ anyone123/ (CC BY-SA 2.0)

Ohne Verschlüsse mögen Katastrophen vorprogrammiert sein

Noch ist es jahreszeitlich nicht so weit, daß die teilweise monströsen Dinger die Luft umherwirbeln, damit sich die nähere Umgebung abkühlt, weil die Hitze scheinbar steht, der Schweiß nur so vom Körper tropft, nicht in Aktion sind. Nein, gemeint sind nicht die übergroßen Fächer, die von Sklaven bedient, den Herrschaften Kühle zufächerten. Vielmehr ist auch nicht mehr Mode, mit einem wohlgestylten, kleinen handlichen Fächer sich diese gewünschte Kühle zu verschaffen, gemeint sind die Ventilatoren. Es gibt sie selbstverständlich auch in verschiedenen Ausführungen, schließlich sollte der Touch des individuellen natürlich ersehen sein und nicht nur bemessen werden können an der Leistung solch eines Gerätes. Modern soll es sein.

Und da, wo Luft in Zirkulation gerät, außer in Versuchen in einem sterilen Raum, wird Staub aufgewirbelt, teilweise viel Staub. Das haben Fächer und Ventilatoren so an sich oder Maschinen durch ihren Antrieb. Diese mitunter sehr feinen Staubpartikel können, je nachdem wo sie in wirbeliger Luft herumschwirren, die Eigenschaft besitzen, die Menschen in der näheren Umgebung mit Krankheitskeimen oder mit krankmachenden Stoffen befallen. Wobei das Wort befallen nicht etwa zufällig gewählt wurde, sondern dieser Feinstaub befällt im wahrsten Sinne des Wortes, alles was sich in der direkten Umgebung aufhält.

Ventil aus dem lateinischen Wort ventus für Wind gebildet, ist übertrieben ausgedrückt das Gegenteil vom Ventilator. Der Ventilator verteilt die Luft, das Ventil dagegen ist die Vorrichtung, Luft nur ganz gezielt entweichen zu lassen oder der Verschluß zum ständigen Stau der Luft in einem Raum. Das Bezwingen der Luft durch ein Ventil ist allerdings nicht immer möglich, wenn der dafür vorgesehene Raum, zum Beispiel ein Reifen, porös oder schadhaft ist, können bei dem Entweichen der Luft je nach Druckgröße ungeheuerliche Schäden entstehen, die Auswirkungen, wie nach einem Bombenabwurf hinterlassen.

Wenn sich jemand Luft macht, bedeutet dies, er sagt alles, was ihm auf dem Herzen liegt, wenn er länger geschwiegen hat oder sogar wild um sich schlägt, um eine aufgestaute Wut abzureagieren. Es gibt richtige Meister dieses Phänomens des Luft machens, und oftmals bedarf es nur eines kleinen Anlaßes, um entweder verbal oder körperlich anderen seinen Unmut entgegenzuschleudern. Diese Menschen werden oftmals Choleriker genannt, nach der Typenlehre des Arztes Hippokrates. Cholerisch, aufbrausend, explosiv, hitzköpfig, unbeherrscht, reizbar aus dem lateinischen cholera, Gallenbrechdurchfall vom griechischen Wort für Galle cholḗ.

Die Beschreibungen von cholerisch sind ziemlich deckungsgleich mit dem unkontrollierten Ausbruch von gestauter Luft. Die Auswirkungen sind durch solche Koller (Wutanfall, durch den sich Emotionen entladen) für die Umstehenden oder Wesen, an die dieser Zorn gerichtet ist, ähnlich wie direkte körperliche Verletzungen, nur daß sie äußerlich nicht sichtbar sind, sondern sich als Wunden auf das seelischen Empfinden ablegen.

Ist das cholerische Verhalten ansteckbar? Ja und nein, Tatsache ist allerdings, wer oftmals solchen Wutausbrüchen ausgesetzt ist, wird entweder selbst irgendwann genau gleich handeln, um seine angestaute Luft freizulassen, oder aber er wird sich in sich sozusagen hineinziehen wie ein ausgepumpter Schlauch eines Reifens. Beide Reaktionen sind mitunter innerhalb der Gesellschaften zu beobachten, wenn die soziale Kompetenz eines Staates vernachläßigt wird.

Entweder es sind plötzlich zuhauf Menschen in der Öffentlichkeit, die sich über alles und jenes Luft machen, oder sie neigen dazu, sich zurückzuziehen in der Hoffnung, der, der am lautesten brüllt, wird schon alles richten. Interessanterweise sind gerade diejenigen am lautesten, die sich bislang mehr oder weniger gar nicht am politischen, wirtschaftlich, sozialen Geschehen beteiligt haben. Gerade sie sind es, die sich nach dem cholerischen Streiter sehnen, weil dieser die Luft herumwirbelt, die man vermeintlich auch ständig um sich fühlte ohne zu wissen, wie die einzelnen Staubpartikel zu benennen gewesen wären. Und schon hat sich der Zweck des Luft machens manifestiert, denn durch das ständige Verwirbeln ist sozusagen für jeden ein Körnchen dabei, das genau seinen Unmut anspricht.

Dumm in solchen Situationen ist allerdings die Tatsache, daß ein unkontrolliertes Luft ablassen, wie oben beschrieben, katastrophale Umstände bewirken kann. Vielleicht sei in diesem Zusammenhang auf die Welt der Märchen verwiesen, wenn der Geist aus der Flasche sich als nicht zu bändigender „Ventilator“ entpuppt, der aus das Ventil, den Korken zum Verschluß der herannahenden Winde zerstört hat, weil sie für ihn nicht schädlich sind, sondern nur für andere.

Wer mit den Elementen spielt, sollte nicht vergessen, daß sie unabhängig von Erdenwesen sind.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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