Vorwürfe – Gratwanderung zwischen Objekt und Subjekt


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Alea iacta est – welcher Hund bringt das Stöckchen zurück?

Wem ist nicht schon einmal vorgeworfen worden, dies gesagt, jenes getan zu haben? Vorwürfe, die manchmal nicht ohne Schwierigkeiten wieder aus der Welt geschaffen werden können, entweder weil ein gewisser Wahrheitsanteil beinhaltet ist oder aber weil die Vorwürfe trotz Gegenbeweis keine Möglichkeiten mehr haben, aus dem Bewußtsein vieler wieder „gelöscht“ zu werden. Diese Taktik der Vorwürfe dient oft dazu, jemanden zu diskreditieren und folgt dem Motto, an jeder Lüge klebt ein Fünkchen Wahrheit.

Alea iacta est, der Würfel ist gefallen, (eigentlich, der Würfel ist geworfen worden). Vorwürfe können also Straftaten aufklären helfen, genauso aber dazu dienen, Mitmenschen in ein falsches Licht zu rücken. Das Wort selbst besagt, daß etwas vorgeworfen wird, also nach vorne, vergleichbar einem Wurf eines Holzstöckchens für einen Hund, damit dieser es wieder freudig zurückbringt, aber auch vergleichbar mit dem Wurf von Wörtern, die jemand einer Person „entgegenschleudert“.

Seit einigen Jahren, mit zunehmender Tendenz, werden Projekte nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch die Schulen und Universitäten abgehalten, durchgeführt. Sie sind ein probates Mittel, um Themenbereiche genauer, sorgfältiger und damit intensiver zu hinterfragen, zu erklären, zu erproben. Im Grunde genommen also nicht negativ, sondern äußerst praktikabel, um möglichst viele Aspekte in die gestellten Aufgaben zu integrieren.

Projekt, aus dem lateinischen proiectum, das nach vorn Geworfene, das Ausstrecken, und weil es sich direkt anbietet: das Projektil, Geschoß, Patrone ist natürlich auch diesem Wort entlehnt. Genauso wie der von einigen Kindern in der Schulzeit beliebte Projektor, der Bilder, Filme an die weiße aufgespannte Leinwand geworfen hat und die Gelegenheit bot, nebenbei sich Briefchen und andere ansonsten nicht „genehmigte“ Interessen zu verfolgen, während der Projektor leise oder etwas lauter brummte und entweder die Stimme der Lehrkraft oder die von einem Band gesprochenen Sätze in dem abgedunkelten Klassenraum dazu verführten, in einen trägen Vormittagsschlaf zu fallen.

Die Projektion, also das Übertragen, das Hervorgeworfene, das Abbild eines Objektes ist eine Darstellungsform, die es ermöglicht, die reale Sicht zu schärfen. Die Fähigkeit dadurch zu projektieren, auszuarbeiten, zu entwickeln, zu konzipieren, zu umreißen, zu erstellen ist durch Vielsichtigkeit, die durch das Vorgeworfene, die Projekte um einiges effektvoller, als Themen nur von einem Gesichtspunkt aus zu betrachten.

Nun kann an dieser Stelle daran erinnert werden, daß nicht jeder Wurf, Vorwurf gelingt. Egal ob beim Würfelspiel, beim Wurfspiel mit dem Hund, bei der Themenauswahl oder beim Vorwurf, also bei einer Anklage. Überall ist davon auszugehen, daß es einiger Übungen bedarf, bis der Wurf gelingt oder bis das Projektil trifft.

Es wäre sicher verwunderlich, hätten die „Lateiner“ nicht die Gelegenheit benützt, das Verb werfen, nicht auch in andere Bezugsinhalte zu übernehmen. Das Subjekt, subiectio, darunterlegen, emporwerfen, das Hinstellen, im heutigen Sprachgebrauch, Gestalt, jemand, Person, Individuum und das Objekt, obiecto, entgegenwerfen, vorwerfen, im heutigen Sinne, Gegenstand, Themenstellung, Artikel, Erzeugnis, Produkt.

Wenn ein Subjekt, eine Person einem Objekt, einem Körper etwas vorwirft, projektiert erhalten wir eine Projektion, ein Ausstrecken von beiden, also von Subjekt und Objekt. Eine Wechselwirkung. Und genau diese Wechselwirkung ist bei Projekten mit möglichst vielen verschiedenen Fragestellungen und Antwortmöglichkeiten ein nicht zu unterschätzender Aspekt, um eine möglichst genaue differenzierte Beurteilung zu erreichen.

Somit ist wie eingangs erwähnt nicht unbedingt das „Objekt“, also dem, dem ein Vorwurf gilt, genau zu analysieren, sondern ebenso das „Subjekt“, das den Vorwurf ausgesprochen hat. Es erübrigt sich sicher, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß gerade eine immense Flut von Vorwürfen jeglicher „Couleur“ im politischen Umfeld durch die Medienwelt, besonders im Social Media-Bereich herum geistern, um mittels Vorwürfen gegenüber Andersdenkenden sich Vorteile zu verschaffen für eine bestimmte politische Ausrichtung.

Dabei ist nicht nur zu bedenken, welche Vorteile sich ergeben, sondern genau darauf zu achten, wer den ersten Wurf tätigt, mit welcher Wucht gegen wen geworfen wurde und ob er offen oder aus dem Hinterhalt sein Ziel treffen möchte. Wahrlich ein spannendes Wurfspiel und möge der gewinnen, der mit fairen Pässen kontert, sich in die Karten sehen läßt und die Fähigkeit besitzt, für ein Team, ein Miteinander sich hinzustellen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Eine Antwort zu Vorwürfe – Gratwanderung zwischen Objekt und Subjekt

  1. gkazakou schreibt:

    Danke mal wieder! Dass wir, wenn wir Schuld bei anderen suchen, oft genug projizieren – also eigene verdrängte Inhalte im Außen suchen – , gehört zu den verbreiteten Techniken der menschlichen Seele. LG

    Gefällt 2 Personen

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